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Für bessere Bedingungen: Ostschweizer Pflegepersonal geht auf die Strasse

Der Personalmangel in der Pflege gefährde Patientinnen und Patienten warnt das Ostschweizer Pflegepersonal. Es machte sich am Mittwoch für die letztes Jahr eingereichte Pflegeinitiative stark und erinnerte an die Dringlichkeit von Massnahmen.
Sina Bühler
Ostschweizer Pflegepersonal fordert bessere Lösungen in der Pflege und warnt vor Personalmangel. (Bild: Sina Bühler)

Ostschweizer Pflegepersonal fordert bessere Lösungen in der Pflege und warnt vor Personalmangel. (Bild: Sina Bühler)

«Wer pflegt mich im Jahr 2030?» fragen sich am St. Galler Bahnhof rund 50 Patientinnen im Spitalnachthemd. Die Antwort von Anna Sulser stimmt wenig zuversichtlich: «Ich weiss es nicht» sagt sie. Wie ihre verkleideten Kolleginnen arbeitet Anna Sulser in der Pflege, in der Psychiatrie Wil. Im Mai wird sie zwar das Studium zur diplomierten Pflegefachfrau abschliessen, ob sie lange auf diesem Beruf arbeitet, ist aber fraglich. Der Druck ist hoch, die Löhne tief und die Statistik spricht ebenfalls dagegen. Barbara Dätwyler Weber sagt:

«Sieben Jahre nach dem Abschluss als diplomierte Pflegefachfrau sind 46 Prozent wieder ausgestiegen.»

Sie ist Präsidentin der Ostschweizer Sektion des Schweizerischen Berufsverbandes der Pflegefachpersonen SBK und hat die Kundgebung mitorganisiert.

Bundesrat lehnt das Anliegen ab

Vor genau einem Jahr hat ihr Verband die Initiative «Für eine starke Pflege» eingereicht, jetzt wartet man auf die bundesrätliche Botschaft dazu. Noch während der Kundgebung kommt das Telefonat der Zentrale. Der Bundesrat lehne die Anliegen der Pflegeinitiative auf der ganzen Linie ab und spreche sich auch nicht für eigene Massnahmen aus. Die Initiative verlangte die Förderung der Ausbildung, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Löhne und eine Liste jener Pflegeleistungen, die auch ohne ärztliche Anweisung verrechnet werden können. «Eine Sauerei», sagt Barbara Dätwyler und ihre Kolleginnen buhen.

120 000 Unterschriften in 8 Monaten

Die Bevölkerung sah die Dringlichkeit ähnlich und unterzeichnete die Initiative in Rekordgeschwindigkeit. Innert acht Monaten kamen 120 000 Unterschriften zusammen. Die Zahlen machen Angst: Heute schon fehlen im Pflegebereich 11 000 Personen, darunter 6500 Pflegefachleute. Personal mit jenem Diplom also, das Anna Sulser gerade an der Höheren Fachschule abschliesst. Für sie ist es, wie für die meisten, eine Zweitausbildung, während der sie sich noch einmal mit einem Lehrlingslohn begnügen muss. Es gäbe bessere Lösungen, auch auf kantonaler Ebene, erklärt Barbara Dätwyler:

«Im Thurgau gibt es beispielsweise ein Projekt, bei dem sich Kanton und Ausbildungsbetriebe an Förderbeiträgen für Studierende beteiligen.»

Damit könne der Ausbildungslohn für Studierende von durchschnittlich 1000 Franken auf 3000 Franken erhöht werden. Im Kanton St. Gallen haben das nur wenige Einzelbetriebe selbstständig den Ausbildungslohn erhöht.

Wer in den letzten Jahren im Spital war, spüre, dass dringende Massnahmen nötig seien, ist von Passantinnen und Passanten am Rande der Kundgebung zu hören. Bis es soweit ist, nehmen sie die Mullbinden in Empfang, die von den Pflegerinnen verteilt werden – vielleicht, um sich im Notfall selbst verarzten zu können.

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