Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STEUERHINTERZIEHUNG: Millionen von Kontoangaben drohen Kantone zu überfordern

Die Steuerämter erhalten 2018 erstmals Kontoangaben zu Schweizer Steuerpflichtigen aus dem Ausland. Wie viele Datensätze das sein werden, weiss niemand. Fest steht jedoch: Die Datenflut fordert die Kantone heraus.
Roger Braun
Eine Frau kontrolliert im St.Galler Steueramt die eingereichten Steuererklärungen. (Symbolbild) (Bild: Ralph Ribi)

Eine Frau kontrolliert im St.Galler Steueramt die eingereichten Steuererklärungen. (Symbolbild) (Bild: Ralph Ribi)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Für die Steuerämter kommt es dieses Jahr zu einer Premiere. Das erste Mal erhalten sie Kontoangaben über Schweizer Steuerpflichtige aus dem Ausland. Grund ist das Abkommen über den automatischen Informationsaustausch (AIA), der die Vertragsstaaten verpflichtet, Bankdaten gegenseitig auszutauschen. So wird die Eidgenössische Steuerverwaltung die Kontodaten Schweizer Steuerpflichtiger mit Stand Ende 2017 aus 38 – hauptsächlich europäischen – Staaten erhalten.

Wie viele Datensätze auf die Schweizer Behörden zukommen, weiss niemand. Der Präsident der Schweizerischen Steuerkonferenz, der Thurgauer Amtschef Jakob Rütsche, schätzt, dass ein bis zwei Millionen Datensätze in die Schweiz gelangen werden. Die Eidgenössische Steuerverwaltung wird diese Meldungen in einer Datenbank sammeln und den Kantonen ab Ende September zugänglich machen. Diese kontrollieren dann, ob die gemeldeten Auslandkonten bei den Steuererklärungen vorschriftsgemäss angegeben worden sind. Gibt es Differenzen, wird ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eröffnet.

Die absehbare Datenflut fordert die Kantone heraus. Eine Software für den automatisierten Abgleich zwischen den Kontoangaben aus dem Ausland und den Steuererklärungen gibt es nicht. Stattdessen ist Handarbeit gefragt: Jeder gemeldete Kontoeintrag muss mit dem deklarierten Vermögen in der Steuererklärung verglichen werden. Ist es für die Kantone überhaupt möglich, diese Datenflut zu bewältigen? «In der kurzen Frist nicht», gibt Rütsche zu. «Wir werden nicht daran vorbeikommen, zu Beginn Prioritäten zu setzen», sagt er. Immerhin lassen sich die Daten nach der Höhe der Kontostände filtern. «Wir werden bei den höchsten Beträgen anfangen und uns nach unten arbeiten», sagt Rütsche. Im Hinblick auf die definitive Veranlagung für 2018 im kommenden Jahr wird dann jedes gemeldete Bankkonto dem jeweiligen Steuerpflichtigen zugeordnet. Spätestens dann wird niemand mehr der Steuerbehörde entkommen können.

In Schwyz kommen reuige Steuersünder bereits zu spät

Umstritten ist die Frage, wie lange sich Steuersünder noch ungestraft anzeigen können. Laut Gesetz muss die Anzeige aus eigenem Antrieb erfolgen. Mit dem automatischen Informationsaustausch stellt sich jedoch die Frage, inwiefern die aktuellen Selbstanzeigen überhaupt freiwillig sind. Offensichtlich droht das Schwarzgeld ja aufgedeckt zu werden, sobald die Daten im September fliessen.

Die härteste Linie fährt diesbezüglich der Kanton Schwyz. Der Kanton hat die Selbstanzeigen im Zusammenhang mit ausländischen Konten bereits im vergangenen Jahr gestoppt. Das andere Extrem ist der Kanton Zürich. Er akzeptiert Selbstanzeigen so lange, bis der Steuerbeamte die falsche Angabe in der Steuererklärung erkennt. In vielen Fällen dürfte das erst 2019 der Fall sein.

«Unschön» findet Rütsche die unterschiedliche Praxis. Er geht davon aus, dass sich die meisten Kantone an die Empfehlung der Eidgenössischen Steuerverwaltung halten werden: Demnach werden Selbstanzeigen bis Ende September dieses Jahres akzeptiert. Noch länger Zeit haben Schweizer Steuerpflichtige, die ihr Geld auf Konten ausserhalb der 38 AIA-Partnerstaaten gelagert haben. Doch auch hier wird die Luft dünn. Das AIA-Netz wird immer dichter gesponnen, nächstes Jahr werden 41 weitere Staaten dazukommen. Bald verbleibt für hiesige Steuerpflichtige nur noch ein Weg, ihre Vermögensverhältnisse geheim zu halten: ein Schweizer Bankkonto.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.