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Steuerboykott wegen Asylheim

Mit einem Aufruf zum Steuerboykott sorgt Reto Gurtner, Chef der Weissen Arena in Laax, derzeit für Aufsehen. Grund für die Protestaktion ist ein weiteres vom Kanton Graubünden geplantes Asyltransitzentrum in seiner Region.
Franco Brunner
Im Hotel Rustico in Laax sollen Asylbewerber wohnen. Der Chef der Weissen Arena protestiert dagegen. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Im Hotel Rustico in Laax sollen Asylbewerber wohnen. Der Chef der Weissen Arena protestiert dagegen. (Bild: ky/Arno Balzarini)

LAAX. Reto Gurtner ist das, was man als starke Persönlichkeit und schillernde Figur bezeichnen kann. Der Chef der Weissen Arena polarisiert und ist auch selten um einen flotten Spruch verlegen. In und um die Region Flims/Laax weiss man das. Und je nach Standpunkt mag man ihn gerade deswegen oder eben auch nicht.

In einem Mail an lokale Gemeindepräsidenten, Politiker, Gewerbetreibende, Tourismusvertreter, Gäste und Einheimische aus der Region hat er zu einem «kollektiven Protest gegen ein zweites Asylheim in unserer Tourismusregion» aufgerufen. Für den CEO eines der grössten Skigebiete der Schweiz zwar etwas ungewöhnlich, aber sei's drum.

Auf ein Sperrkonto einzahlen

Die Art des Protests, die Gurtner vorschlägt, ist indes nicht nur ungewöhnlich, sondern brisant: Er ruft die Empfänger seines Schreibens dazu auf, die Kantonssteuern vorläufig auf ein Sperrkonto einzuzahlen, statt sie an die Steuerverwaltung zu überweisen. Dies so lange, bis der Kanton davon Abstand nehme, das Hotel Rustico bei Laax im nächsten Sommer zu einem Transitzentrum umfunktionieren zu wollen.

Gegenüber der «Südostschweiz» erklärte Gurtner, dass man ihn nicht falsch verstehen dürfe. Er sei nicht etwa gegen Asylsuchende. Aber für deren Unterbringung gebe es noch andere Möglichkeiten. Grund für Gurtners Protest ist, dass mit dem geplanten Transitzentrum in Laax nach dem bereits bestehenden in Schluein ein zweites hinzukommt, die Region mit ihren 6000 Einwohnern dann rund 200 Asylsuchende beherbergen wird – ein Asylsuchender auf 30 Einwohner, was damit weit über dem kantonalen Schnitt liegt.

Gurtners Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Asylsuchenden macht beim Kanton indes wenig Eindruck. Der für das Bündner Asylwesen zuständige Regierungsrat Christian Rathgeb ist sich bewusst, dass die Schaffung einer neuen Asylunterkunft stets «eine hochemotionale Angelegenheit» sei, wie er auf Anfrage erklärt. Insofern habe er auch Verständnis für gewisse Ängste und Sorgen. «Ich stehe mit dem Gemeindepräsidenten von Laax in Kontakt und werde zu gegebener Zeit auch vor Ort Stellung beziehen», sagt Rathgeb. Für ein Gespräch mit Gurtner sei er jederzeit bereit. Fakt jedoch sei, dass vom Bund mehr Asylsuchende zugewiesen würden, und deshalb sei ein neues Zentrum nötig. Dies geschehe stets mittels Inserat, auf das sich Immobilieneigentümer melden könnten. «Wir schliessen dort Verträge ab, wo wir können», so Rathgeb. Laax sei ein guter Standort für ein Transitzentrum. «Natürlich ist es möglich, dass die eine Region stärker belastet wird als die anderen», gibt Rathgeb zu bedenken. So gäbe es zum Beispiel auch in Davos zwei Zentren, und der Betrieb laufe einwandfrei. Wolle man der von Gurtner verlangten Verteilung der Asylsuchenden gemäss Einwohnerzahl nachkommen, würde das ein Systemwechsel mit sich bringen. Man habe aber nicht vor, von einem bewährten System abzuweichen.

Keine Chance auf Erfolg

Verteilungssystem hin oder her, es ist zumindest fraglich, ob sich Gurtner mit seiner Protestaktion einen Gefallen getan hat. In Kommentaren auf den nationalen Online-Medienportalen und auf Facebook stösst er zwar vereinzelt auf Zustimmung. Mehrheitlich machen aber Ausdrücke wie «menschenverachtendes Verhalten», «Arroganz» und «Skandal» die Runde. Erfolg wird Gurtner also wohl eher nicht beschieden sein. «Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen und halten deshalb am Standort Laax auf jeden Fall fest», stellt Regierungsrat Rathgeb klar. So wird das Laaxer Transitzentrum also trotz aller Boykottdrohungen in Betrieb genommen. Voraussichtlich bereits im Sommer dieses Jahres.

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