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STEUERAFFÄRE: Broulis in der Bredouille

Der Waadtländer Staatsrat und ehemalige Bundesratsanwärter Pascal Broulis ist unter Druck. Und mit ihm die Regierung, die von ihm nicht bekommt, was sie will.

Nicht weniger als eine «Deutschschweizer Verschwörung» wittert der Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis. Das mediale Sperrfeuer der Suisses alle­mands habe ihn in die Bredouille gebracht, so die Wahrnehmung am Lac Léman. Jedenfalls: Dass er Höchstpersönliches wie seine zu Fragen Anlass gebenden Steuerdaten offenlegen soll, passt dem 53-jährigen Freisinnigen, einem klassischen «Radical», gar nicht.

Die Chronologie der jüngsten Ereignisse liest sich so: Am vergangenen Freitag verweigerte er die Transparenz über seine fiskalischen Angelegenheiten noch. Dann wurde es Samstag, und «24 heures» sowie «Tages-Anzeiger» machten das erstaunlich tiefe steuerbare Einkommen von Broulis und seiner Frau öffentlich. Am Sonntag schliesslich signalisierte Broulis dem «Matin Dimanche» gegenüber, er sei bereit, das Steuerdossier 2015 durchleuchten zu lassen. Wobei er die Steuerkontrolleure seines eigenen Departements ans Werk lassen wolle.

Unschwer zu erahnen: Die Geschichte, die seit Anfang Februar schwelt, ist noch lange nicht zu Ende. Sie wird heute im Kantonsparlament Thema sein, derweil sich der Staatsrat am Mittwoch über die Akte beugen wird. Sie ist deshalb brisant, weil der Magistrat seine Steuern in der vergleichsweise günstigen Gemeinde Sainte-Croix zahlt, mit Frau und Sohn aber in Lausanne wohnt. Bis 2011, so der «Tages-Anzeiger», bekam die Hauptstadt nichts von Broulis’ Gemeindesteuern, seither immerhin ein Drittel. Die Frage, die sich stellt, ist die: Ist ausgerechnet der oberste Kassenwart, der bisher in Lausanne nicht einmal gemeldet war, ein eigennütziger Steueroptimierer?

Es geht aber auch um die Transportkosten des Staatsrats, die er steuerlich zum Abzug brachte. Dabei fällt auf, dass Herr Broulis sehr viel unterwegs sein muss – und sehr häufig in seinem Haupt-Steuersitz vorbeikommen will. So häufig, dass er für die geltend gemachten Abzüge mehr als die Hälfte der Arbeitstage die lange Hin- und Rückfahrt ins nordwestlich von Yverdon gelegene Sainte-Croix unter die Räder genommen haben müsste. Nun, Broulis ist zwar ein ebenso tatkräftiger wie ambitionierter Macher – doch so viel Routiers-Affinitäten hätte man dem seit bald vier Amtsperioden regierenden ehemaligen Bankkadermann dann doch nicht zugetraut.

Ein Problem hat nicht nur Broulis selber, sondern zunehmend auch der Staatsrat. Zuerst die Weigerung Broulis’, Klarheit über sein Steuerdossier zu schaffen, nun die Kontrolle desselben durch seine eigenen Leute – und dann der zunehmende parlamentarische und mediale Druck, die Karten auf den Tisch zu legen. Gewiss, es geht um die Steuerrechnung des Finanzdirektors, es geht aber auch um das Klischee, das sich Deutschschweizer (und andere) von den vermuteten bis tatsächlichen Verhältnissen in der Romandie machen. Von «Vaudoiserien» ist dann die Rede – und gemeint ist nicht der deftige «Papet vaudois» mit Saucisson, sondern der zuweilen etwas getrübte Blick an den Boden des berühmten Laucheintopfs.

Ironie des Schicksals: Wäre der gescheiterte Kandidat Broulis 2009 Nachfolger von Bundesrat Couchepin geworden, gäbe es die Waadtländer Steueraffäre heute nicht. Oder sie wäre schon ausgestanden. Über einem Gläschen La Côte liesse sich trefflich über die Option streiten. Aber erstens ist es am Quai d’Ouchy noch etwas frisch. Und zweitens ist das wieder einer dieser Deutschschweizer Bösartigkeiten, oder?

Balz Bruder

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