Steiniger Weg für die Nagra

Als 1969 das erste Kernkraftwerk in der Schweiz den Betrieb aufnahm, gingen die Behörden davon aus, man könne die radioaktiven Abfälle bequem ins Ausland entsorgen. Schnell zeigte sich, dass das so einfach nicht geht. Kein Land in Europa ist heute bereit, Atommüll zu importieren.

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Als 1969 das erste Kernkraftwerk in der Schweiz den Betrieb aufnahm, gingen die Behörden davon aus, man könne die radioaktiven Abfälle bequem ins Ausland entsorgen. Schnell zeigte sich, dass das so einfach nicht geht. Kein Land in Europa ist heute bereit, Atommüll zu importieren. Das ist auch gut so: Denn von den neuen Technologien zu profitieren und hochradioaktiven Abfall gegen Bezahlung in ärmere Länder zu exportieren ist ethisch nicht zu rechtfertigen.

Das Schweizervolk hat darum schon 1979 beschlossen, die Bewilligung von neuen Kernkraftwerken an die sichere Endlagerung des radioaktiven Abfalls im eigenen Land zu knüpfen. Seither ist es für die Abfallverursacher (AKW-Betreiber und Bund) Pflicht, eine Lösung zwischen Boden- und Genfersee zu suchen.

Die Nagra hat nun das Gestein im Land sorgfältig analysiert und legt sechs mögliche Standorte vor. Eine Auswahl, die allein nach technischen Kriterien erfolgte und dem Sicherheitsaspekt höchste Rechnung trägt. Dass kein Kanton das radioaktive Material freiwillig endlagern will, ist klar. Dass die Regierungen in Zürich, Schaffhausen, Nid- und Obwalden aber schon jetzt sagen, eine Endlagerung in ihrem Kanton käme nicht in Frage, obwohl sich das Gestein in einigen Gebieten bestens eignen würde, ist unsolidarisch und purer Populismus – zumal es noch Jahre dauern wird, bis ein definitiver Entscheid fällt.

Besonders unverständlich ist die Argumentation der Schaffhauser Regierung, ein Endlager würde die Standortattraktivität der Region als Lebens- und Wirtschaftsraum stark beeinträchtigen. In welchem Kanton wäre der Atommüll ein Standortvorteil?

Vor den Behörden und der Nagra liegt ein steiniger Weg. Viel Überzeugungsarbeit ist nötig. Dass hochradioaktives Material, dessen Strahlung erst nach einer Million Jahre definitiv abgebaut ist, Ängste verursacht, ist nachvollziehbar. Aber wer ja zur Kernenergie gesagt hat, der muss jetzt auch ja zur Endlagerung des Atommülls im eigenen Land sagen.

Jürg Ackermann

j.ackermann@tagblatt.ch

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