Ständerat zeigt sich zuversichtlich

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Ostschweiz Gross war der Aufschrei der St. Galler Parteien, als der Bund Anfang Oktober den Ausbauschritt 2030/35 für die Bahninfrastruktur vorstellte. In einer gemeinsamen Mitteilung der Kantonsratsfraktionen von SVP, FDP, CVP, GLP, SP und Grünen war von einem «Affront» gegenüber der Ostschweiz die Rede. Der Grund: Ausser dem Brüttenertunnel gibt es im Ausbauschritt kein grösseres Projekt für die Region. Und die Wirkung des Brüttenertunnels auf die Ostschweiz sei gering, sagt der St. Galler SP-Ständerat Paul Rechsteiner. «Der Tunnel ist auf die Zürcher S-Bahn ausgerichtet.»

Ein Problem in der Ostschweiz ist die Verbindung von St. Gallen nach Zürich. Denn die Fahrt dauert länger als eine Stunde. Und so gilt das urbane Zentrum der Ostschweiz weiter nicht als Vollknotenpunkt im Schweizer Bahnsystem gemäss den Vorstellungen der Bahn 2000.

«Grosser Nachholbedarf»

Paul Rechsteiner spricht denn auch von einem «grossen Nachholbedarf in der Ostschweiz». Er hofft, dass das koordinierte Vorgehen zwischen dem St. Galler Kantons- und Ständerat in der Vernehmlassung etwas bewirken kann. «Der Sinn der Vernehmlassung ist, dass die Regionen ihre Interessen einbringen können.» Beim letzten Ausbauschritt ist es im Parlament gelungen, Verbesserungen für das Rheintal herauszuholen, zeigt sich Rechsteiner zuversichtlich.

Er mahnt, bei einer Vorlage von «so grosser Bedeutung» müssten die Bedürfnisse aller Landesteile berücksichtigt werden. Zürich habe zwar eine wichtige Rolle im Schweizer Verkehrssystem und er wolle auch keine «Anti-Zürich-Diskussion» führen, so Rechsteiner. Aber: «In der polyzentrischen Schweiz ist St. Gallen ein wichtiges Zentrum, für das es gute Verkehrsverbindungen braucht.»

Verkehrsplaner Paul Stopper lobt die St. Galler Politiker, die mittlerweile begriffen hätten, dass der Brüttenertunnel «ihnen nichts bringt». Er bringt eine alte Idee ins Spiel, nämlich die «Ostschweizer Spange mit internationalem Bezug» zwischen Chur, St. Galler Rheintal, St. Margrethen, Rorschach, Romanshorn, Konstanz, Schaffhausen/Singen und Basel. Diese war 1990 bei der Planung der neuen Alpentransversalen (Neat) vorgesehen, später aber aus Kostengründen wieder gestrichen worden. (dlw)