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Stadtentwickler Thomas Kessler: «Den Umgang mit Freiheit in der Nacht muss man erlernen»

Stadtentwickler und FDP-Politiker Thomas Kessler sieht die Mediterranisierung als kulturellen Prozess.
Pascal Ritter

Thomas Kessler (FDP) berät Städte und Betriebe punkto Stadtentwicklung. (Bild: Sandra Ardizzone)

Sie sagten einmal, die Mediterranisierung sei ein langsamer Prozess. Wo stehen wir heute?

Thomas Kessler: Der Lernprozess ist in vollem Gange. Urbanität beinhaltet Kultiviertheit. Wollen wir ein 24-Stunden-Stadtleben, müssen wir lernen, tolerant und gleichzeitig rücksichtsvoll zu sein. Viele Menschen sind schon so weit, aber es gibt noch welche, die nachts grölend durch die Stadt ziehen. Und für eine Störung der kultivierten Atmosphäre reicht leider eine barbarische Minderheit.

Die Feiernden müssten sich anständig verhalten. Dann ginge es.

Das reicht eben nicht aus. Auch die Städter müssen lernen, tolerant zu sein. Im Moment geschieht das Gegenteil. Die Stadtbevölkerung wird empfindlicher, und die Regulierung wird strenger. Neuzuzüger klagen gegen Beizen und wollen, dass diese früher schliessen. Lokale müssen unerfüllbare Bestimmungen zur Schallisolation einhalten. Dabei bräuchte es eine Ausdifferenzierung der Lärmschutzbestimmungen. Wenn jemand in Basel an der Klybeckstrasse wohnt oder in Zürich im Seefeld, muss er akzeptieren, dass es dort Lokale mit Musik gibt.

Woher kommt diese Empfindlichkeit der Städter?

Paradoxerweise werden die Leute empfindlicher, weil es stiller wird. Tempo-30-Zonen beruhigen den Verkehr, und Putzmaschinen sind dank Elektroantrieb inzwischen leise. Umso mehr schrecken die Leute auf, wenn der tiefere Geräuschpegel durch die gesellige Unterhaltung einzelner Menschen übertönt wird.

Thun und Burgdorf erproben «Mediterrane Nächte». Zürich will das nun auch. Ist das der richtige Weg?

Ja. Das ist genau der Lernprozess, den es braucht. Eine alemannisch-helvetische Gesellschaft muss die Mediterranisierung Schritt für Schritt erlernen. Wir sind in dieser Hinsicht noch Barbaren. Den Umgang mit Freiheit in der Nacht muss man erlernen, bis es Standard wird, dass man es zusammen gut haben will und dabei diejenigen in der Runde, die zu weit gehen, selber in die Schranken weist.

«Die Leute werden empfindlicher, weil es stiller wird.»

Wie kann der Lernprozess beschleunigt werden?

Ich halte viel von der Beizenkultur. Restaurants und Bars sind Orte von Austausch, Gemeinschaft und Identität. Wenn man sich identifiziert mit einem Ort, dann benimmt man sich entsprechend. Wir brauchen gute Lokale mit Livemusik, damit die Städte nicht zur Kulisse werden. Dafür müsste man die Regulierung lockern. Wenn jemand im Sommer draussen wirtet, kommt die Gewerbepolizei mit dem Zentimeterband. Da braucht es mehr Flexibilität. Zum Beispiel sollten kleine Lokale nicht alle neuen Auflagen punkto Zugänglichkeit erfüllen müssen. An ihrer Stelle könnten die Städte Toiletten für Menschen mit Einschränkungen im öffentlichen Bereich aufstellen. Denn wenn eine Quartierbeiz alle neuen Normen erfüllen muss, macht sie zu.

Was halten Sie von Party-Zonen?

Nicht viel, Party-Zonen sind eigentlich bünzlig. Das ist eben nicht urban, sondern separierend. Dann haben wir hier Halligalli und dort Sanatorium. Wenn die Städte wirklich etwas für das schöne Zusammenleben tun wollen, sollten sie Häuser kaufen und das Parterre günstig an innovative Beizer und Kleingewerbe vermieten.

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