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SRF: «Unglaublich arrogant»: Politiker kritisieren SRF-Filmemacherin Karin Bauer scharf

Karin Bauer ist eine erfolgreiche, aber wohl auch die meistgehasste SRF-Filmemacherin. Viele ihrer Filme sorgen für Aufruhr – so auch der neuste zu Grenchen. Politiker kritisieren sie scharf.
Maja Briner
Eine der wenigen öffentlichen Aufnahmen der umstrittenen Autorin Karin Bauer (Mitte rechts) während eines Dokumentarfilms über Schweizerinnen in New York. (Bild: srf)

Eine der wenigen öffentlichen Aufnahmen der umstrittenen Autorin Karin Bauer (Mitte rechts) während eines Dokumentarfilms über Schweizerinnen in New York. (Bild: srf)

Und wieder hat sie sich mächtig Ärger eingehandelt. Mit ihrem jüngsten Dokfilm hat Karin Bauer die Gemüter in der Uhrenstadt Grenchen erhitzt. Der Film sei rufschädigend, polterte Stadtpräsident François Scheidegger. Das SRF sah sich inzwischen gezwungen, im Internet als «Ergänzung» zum Film eine Stellungnahme des Stadtpräsidenten zu veröffentlichen.

Solch heftige Diskussionen lösen Dokumentarfilme selten aus. Aber wenn es geschieht, zeichnet häufig dieselbe Person dafür verantwortlich: die Zürcherin Karin Bauer. Sie polarisiert wie sonst kaum eine Dokumentarfilmerin in der Schweiz, und zwar auch bei Politikern verschiedener Parteien. Manche hat sie bei Dreharbeiten derart vor den Kopf gestossen, dass sie ihr keine Auskunft mehr geben. «Würde sie mich für einen anderen Film wieder befragen wollen, dann würde ich mich nicht mehr zur Verfügung stellen», sagt etwa CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL). Auch eine andere Person sagt hinter vorgehaltener Hand, sie mache einen Bogen um Bauer.


«Viele Schlagzeilen, kein Erkenntnis­gewinn»

Seit über zwei Jahrzehnten arbeitetet Karin Bauer beim SRF – und sie packt gern heisse Themen an: Flüchtlinge, direkte Demokratie, Zuwanderung. Sie sei Journalistin geworden, weil sie schon ­immer mehr Fragen als Antworten gehabt habe, sagte sie einst in einem Interview mit dem «Schweizer Journalisten». Ihre ­Arbeit trug der 48-Jährigen einige Preise ein – aber auch haufenweise Kritik.

Als sie vor drei Jahren für den Film «Die Macht des Volkes» drehte, beschwerte sich die Schweizer Europarat-Delegation in einem Brief ans SRF über ­Bauer. «Sie ist sehr forsch aufgetreten», erinnert sich Schneider-Schneiter. Und der ehemalige SP-Nationalrat Andreas Gross (ZH) sagt: «Sie erschien mir unglaublich arrogant und überheblich – gar nicht wirklich interessiert am Thema, vor allem nicht an allem, was ihre eigenen Vorurteile nicht bestätigen könnte.»

Bauer verfolge von Anfang an eine These: Diese Kritik äussern mehrere Politiker. Die SVP warf ihr wiederholt vor, tendenziös ­linke Filme zu drehen. Doch ihre Arbeit wird auch von linker Seite kritisiert. Die Filme seien handwerklich nicht gut gemacht, sagt Gross: Karin Bauer suche schnelle Antworten und setze auf die oberflächlichsten Thesen, statt tiefer zu graben und den Menschen jene Zeit zu geben, die sie brauchten, um ihre Antworten zu formulieren. Das zeige sich in mehreren ihrer Filme – auch beim neusten. «Der Grenchen-Film besteht aus vielen Schlagzeilen, liefert aber keinen Erkenntnis­gewinn», sagt Gross, der sich seit langem mit dem Thema direkte Demokratie beschäftigt. Karin Bauer lege den Menschen Aussagen in den Mund, kritisiert er. Dadurch würden die Leute instrumentalisiert.

Andere Politiker äussern sich zurückhaltender – oder auch positiv. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel (AG), die im Film «Inside Bundeshaus» prominent vorkommt, bezeichnet die Filmerin zwar als hartnäckig. «Sie hat eine klare Vorstellung, was sie will», sagt sie. Sie habe sich aber nicht unfair behandelt gefühlt. Der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri sagt, er habe sich fair dargestellt gefühlt: «Ich hatte nichts auszusetzen.»


Forsches Auftreten

Den Rücken stärkt ihr auch Peter Studer, ehemaliger Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und früherer Präsident des Presserats. Er kennt Bauer von früher; er hat sie vor langer Zeit angestellt. In einem Blogeintrag beschrieb er sie einmal so: «Sie ist eine etwas forsche, streng artikulierende und beharrlich nachhakende Frau, wie man sich Journalistinnen eben wünscht.» Heute sagt er: «Als Zuschauer habe ich den Eindruck, sie trete ein Stück weit aggressiv auf.» Das gehöre aber dazu: Es brauche Hartnäckigkeit, um jene Dinge aufzudecken, welche die Politiker nicht öffentlich machen wollten. «Hakt man nicht nach, hört man von ­ihnen nur schöne Worte», sagt Studer. Ähnlich sieht es die Filme­macherin selbst. «Ich bin der Meinung, dass es Hartnäckigkeit braucht, um einen guten Film zu machen», schreibt Bauer, die derzeit in den Ferien weilt, auf Anfrage zu den Vorwürfen. Grundsätzlich sei sie natürlich anständig zu ihren Interviewpartnern, versichert sie. «Allerdings kann ich hartnäckig nachfragen, was als forsch interpretiert werden kann», erklärt sie. Sie sehe sich dabei stets dem Publikum verpflichtet.

Den Vorwurf, sie habe bereits von Beginn an eine klare These im Kopf, weist sie zurück. «Ich recherchiere sehr intensiv und höre mir alle Seiten an», schreibt sie. Dadurch gelange sie zu einer Haltung. Sie arbeite nach den publizistischen Leitlinien von SRF und halte sich daran, betont sie. Und ergänzt: «Jeder, der meine Filme sieht, kann sich ein eigenes Bild machen.»

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