SRF legt Sendungskosten offen

Erstmals macht die SRG die Kosten einzelner Sendungen öffentlich. Sie reagiert damit auf die Kritik im Vorfeld der RTVG-Abstimmung und entfacht erneut eine Diskussion darüber, wie viel Service public die Schweiz braucht.

Lukas Leuzinger
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LUZERN. Eigentlich ging es um ein neues Gebührenmodell. Stattdessen wurde vor der Abstimmung über das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) im Juni vor allem über Inhalte diskutiert. Die meisten Sendungen, die das Schweizer Fernsehen produziere, könnten Private genauso gut und günstiger anbieten, argumentierten die Gegner der Gesetzesänderung.

SRG-Kritiker hatten bereits vor vier Jahren eine Petition eingereicht, welche die Senkung der Radio- und Fernsehgebühren auf 200 Franken forderte. Heute bezahlt ein Haushalt 451 Franken im Jahr. Ausserdem werden derzeit Unterschriften für eine Volksinitiative gesammelt, welche die komplette Abschaffung der Gebühren fordert (siehe Kasten). Die hitzige Diskussion im Abstimmungskampf um das RTVG spielte sich aber gewissermassen im luftleeren Raum ab. Denn ausserhalb der SRG wusste niemand genau, wie viel welches ihrer Angebote eigentlich kostet. Gestern hat das Unternehmen nun etwas Licht ins Dunkel gebracht: Es publizierte erstmals konkrete Angaben zu den Kosten von einzelnen Fernsehsendungen bei SRF.

Günstige «Tagesschau»

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede. Vergleichsweise günstig sind die Nachrichtensendungen. Für sie wendet SRF insgesamt 56,8 Millionen Franken pro Jahr auf. Darunter fallen die «Tagesschau», «10 vor 10» und «Meteo», aber auch die People-Sendung «Glanz & Gloria». Die «Tagesschau» kostet 23,9 Millionen Franken im Jahr, das sind etwas über 65 000 Franken pro Tag. Wie viel «Glanz & Gloria» kostet, wird nicht ausgewiesen. Etwa doppelt so viel wie ein Tag «Tagesschau» kostet eine Ausgabe von «Giacobbo/Müller». Die Satiresendung schlägt pro Ausgabe mit durchschnittlich 131 000 Franken zu Buche. Stark aufs Budget schlagen Samstagabend-Shows wie «Voice of Switzerland», oder «Kampf der Orchester». Sie kosten den Gebührenzahler im Schnitt 817 000 Franken pro Folge. Etwas günstiger ist eine Folge der Serie «Der Bestatter» mit 719 000 Franken.

Für Schweizer Filme gibt die SRG 22,3 Millionen Franken pro Jahr aus. Pro Film bezahlt sie im Schnitt 1,6 Millionen Franken. Am teuersten ist der «Tatort»: Eine Sendung kostet 2,1 Millionen Franken. Die Onlineausgabe des «Tages-Anzeigers» hat die Kosten pro Sendung ins Verhältnis zu den Zuschauerzahlen gesetzt. Am günstigsten ist in dieser Rechnung die «Tagesschau», die im Schnitt acht Rappen pro Zuschauer kostet. Verhältnismässig teuer sind die «Sternstunde»-Sendungen. An oberster Stelle steht auch hier der «Tatort»: Eine Sendung kostet im Schnitt über vier Franken pro Zuschauer.

Kritiker sehen sich bestätigt

Christian Wasserfallen begrüsst die Transparenz-Offensive der SRG. Der Berner FDP-Nationalrat forderte in einer Motion, dass die SRG die Kosten pro Sendung offenlegt. Dass die SRG reagiere, sei «sehr positiv», sagte er gestern auf Anfrage. In seinen Augen machen die Zahlen deutlich, dass besonders Unterhaltungssendungen sehr teuer seien. «Es ist extrem, wie viel Geld für Unterhaltung verbraten wird», sagte Wasserfallen. «Hier besteht Handlungsbedarf.» Man müsse nun eine Diskussion darüber führen, welche Sendungen im SRF-Programm wirklich nötig seien und welche man Privaten überlassen könnte. «Es fragt sich, ob Unterhaltung wirklich zur Kernkompetenz eines öffentlichen Medienunternehmens gehört.»

Zahlen für Romandie 2016

Offen bleiben darüber hinaus weitere Fragen. Denn die gestern publizierten Angaben sind noch unvollständig. Einerseits werden einzelne Sendungen nicht ausgewiesen. Andererseits beschränken sich die Zahlen auf das Fernsehangebot der SRG in der Deutschschweiz. Zu den Radiosendungen fehlen Zahlen. Die Kosten der TV-Sendungen für die französischsprachige (RTS), italienischsprachige (RSI) und rätoromanische Schweiz (RTR) sollen im Frühling 2016 kommuniziert werden.