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Interview

Sprecher der Schweizergarde: «Ein solcher Moment ist auch für uns sehr berührend»

Am Mittwoch bestaunte ein Knabe während der Generalaudienz des Papstes einen Schweizer Gardisten und stellte dabei den Papst in den Schatten. Wie Gardisten auf solch spezielle Situationen vorbereitet werden, erklärt Urs Breitenmoser, Mediensprecher der Päpstlichen Schweizergarde.
Sandra Peter
Die beiden Kirchenvertreter nehmen das spielende Kind mit Humor zur Kenntnis. (Bild: Gregorio Borgia (Rom, 28. November 2018))

Die beiden Kirchenvertreter nehmen das spielende Kind mit Humor zur Kenntnis. (Bild: Gregorio Borgia (Rom, 28. November 2018))

Ein gehörloser Knabe spielte am Mittwoch neben dem Papst auf der Bühne und inspizierte dabei auch die Uniform eines Schweizer Gardisten. Er lief zwischen den Sesseln des Papstes und des Präfekten hin und her und zog alle Aufmerksamkeit auf sich. Die Geistlichen nahmen dies mit Humor zur Kenntnis, der Schweizer Gardist ebenso. Der Mediensprecher der Päpstlichen Schweizergarde, Urs Breitenmoser, spricht im Interview über die ungewöhnliche Situation.

Urs Breitenmoser, wie oft geschieht es, dass Besucher die Uniform eines Gardisten anfassen oder gar nach dessen Hand greifen?

In der ersten Reihe sind bei der Audienz oft Kinder, die umher gehen oder spielen. Dass eines zum Papst hoch geht, geschieht aber selten.

Es ist nicht üblich, dass uns jemand die Hand drückt während der Thronwache.

Die Thronwache ist ein Ehrendienst. Beim Empfangsdienst, dem sogenannten Ordnungsdienst, haben wir aber Kontakt mit den Vatikan-Besuchern.

Bei der wöchentlichen Generalaudienz von Papst Franziskus am Mittwoch 28. November 2018 ist ein taubstummer Knabe auf die Bühne geklettert. (Bild: Ettore Ferrari, Rom, 28. November 2018)
Doch es ist nicht der Papst, der den Kleinen fasziniert. (Bild: Ettore Ferrari, Rom, 28. November 2018)
Nein, ein Schweizer ist das Objekt seines Interesses. (Bild: Gregorio Borgia, Rom, 28. November 2018)
Papst Franziskus und Erzbischof Georg Gänswein müssen sich mit der Rolle als Statisten zufrieden geben. (Bild: Ettoro Ferrari, Rom, 28. November 2018)
Langsam geht der Knabe auf Tuchfühlung, während der Papst seine Botschaft in verschiedenen Sprachen vorliest. (Bild: Gregorio Borgia, Rom, 28. November 2018)
Die Botschaft des Papstes interessiert ihn nicht, umso mehr aber ein weiterer Gardist. (Bild: Gregorio Borgia, Rom, 28. November 2018)
Der Junge wuselt auf der Bühne herum. Doch das nehmen die beiden Kirchenvertreter mit Humor. (Bild: Gregorio Borgia, Rom, 28. November 2018)
Nun will der taubstumme Knabe auch ganz genau wissen, was ein Schweizer Gardist ist. Erst wird jener auf der einen Seite des Papstes inspiziert. (Bild: PD)
Dann prüft er auch den Gardisten auf der anderen Seite des Papstes. Doch dann ist genug für heute und der Bube wird von der Bühne geführt. Und dann sagt der Papst ins Mikrofon: «Der Knabe hat mich nachdenklich gemacht. Er ist frei. Undiszipliniert – aber frei. Bin ich so frei vor Gott?» (Bild: Gregorio Borgia, Rom, 28. November 2018)
9 Bilder

Ein Schlingel schleicht sich auf die Papst-Bühne

Können Sie den Ordnungs- und den Ehrendienst kurz erklären?

Beim Ordnungsdienst, beispielsweise an den vier offiziellen Haupteingängen zur Vatikanstadt oder unten in der Halle während der Audienz des Papstes, sprechen die Gardisten mit den Menschen. Sie geben auch mal einem Kind die Hand oder lassen sich mit ihnen fotografieren. Bei einem Ehrendienst wie der sogenannten Thronwache während der Audienz, hat ein Gardist aber nicht die Möglichkeit, ein Kind zu begrüssen. Beim Ehrendienst hat ein Gardist eine Repräsentationsfunktion. Die Thronwache besteht aus vier Gardisten, bei grossen Messen auf dem Petersplatz können es auch sechs sein. Sie leisten in dieser Funktion die Ehrbezeugung.

Der Gardist hatte bei der Thronwache also nicht die Aufgabe den Papst zu beschützen?

Dieser Gardist hatte keine Sicherheitsaufgabe. Gardisten, die den Personenschutz übernehmen gehören dem höheren Kader an, tragen Anzug und Krawatte. Sie sind im erwähnten Video beispielsweise im Hintergrund zu sehen.

Das Video und die Bilder haben viele Menschen bewegt. Wie erlebt ein Gardist einen solchen Moment?

Ich selber war nicht vor Ort und habe es im Video gesehen.

Ein solcher Moment ist sehr berührend, auch für uns.

Es ist schön zu sehen, wie der Junge seine Freude ausdrücken konnte. Es war für den Gardisten wohl überraschend, aber ich bin sicher, er hat dies nicht negativ aufgefasst. Auch wenn er konzentriert blieb und eine ernste Miene gemacht hat, hat er es gelassen hingenommen. Er hat ja auch gesehen, dass es ein Kind war, das ihm nichts Böses will.

Wie werden Gardisten auf überraschende Situationen wie diese vorbereitet?

Grundsätzlich durchlaufen die Gardisten eine zweimonatige Rekrutenschule, zusammengesetzt aus einem Monat bei der Kantonspolizei in Isone und einem Monat im Vatikan. Diese Zusatzausbildung wird seit zwei Jahren so durchgeführt. Im Vatikan lernen sie die Umgebung und den Umgang mit Besuchern kennen, die militärischen Formen mit und ohne Hellebarde beim Exerzieren und die italienische Sprache. Ebenso alles, was sie für den Dienst wissen müssen. Und der Gardekaplan unterrichtet die jungen Gardisten im Katechismus. Nach der Rekrutenschule kommen die Gardisten auf die verschiedenen Dienstposten. Sie erhalten dabei Unterstützung von dienstälteren Gardisten. Sie müssen die Zutrittskontrollen durchführen und dabei vor allem üben, geduldig zu sein. Sie lernen auch, überzeugend vor grossen Menschenmengen aufzutreten.

Was lernen die Gardisten bei der Kantonspolizei in Isone?

Sie eignen sich die Grundkenntnisse im Sicherheitsbereich an. Dies geht von Rechtskunde und Psychologie über Notwehr, lebensrettende Sofortmassnahmen, Brandbekämpfung und Festnahmen bis hin zum Einsatz von Reizstoff-Sprays sowie einer Schiessausbildung. Das Wichtigste aber ist zu lernen, wie man mit Menschen umgeht, denn Ziel ist immer eine Deeskalation. Ein überzeugender Auftritt macht 99,9 Prozent aus.

Das Wort wie auch viel Geduld sind unsere besten Waffen.

Brachte der Gardist im Video viel Erfahrung mit?

Der Gardist aus dem Kanton Freiburg ist im Oktober 2017 in die Garde eingetreten. Er ist also seit über einem Jahr dabei, seine Muttersprache ist Französisch. Der Gardist ist sonst mehrheitlich beim Haupteingang St. Anna im Einsatz. An jenem Tag hatte der Hellebardier aber Thronwache bei der Papstaudienz.

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