Spital-Neubauten kosten über 15 Milliarden Franken

Statt alte Gebäude zu sanieren, geben Spitäler häufig Neubauten den Vorzug. Ein Grossteil dieser Milliardeninvestitionen ist laut Kritikern vergebens.

Andreas Möckli
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Die Baustelle rund um das Basler Universitätsspital im Rahmen der Sanierung und Erweiterung des Operationstraktes Ost. (Georgios Kefalas/Keystone, 22. November 2018)

Die Baustelle rund um das Basler Universitätsspital im Rahmen der Sanierung und Erweiterung des Operationstraktes Ost. (Georgios Kefalas/Keystone, 22. November 2018)

Viele Schweizer Spitäler sind in die Jahre gekommen. Die oft in den 70er-Jahren errichteten Betontürme haben ihr Ablaufdatum erreicht. Statt aufwendiger Sanierungen erhalten vielerorts Neubauten den Vorzug – oder wurden bereits in Angriff genommen. Schätzungen gehen von landesweiten Investitionen in der Höhe von 15 bis 20 Milliarden Franken für die nächsten 15 Jahren aus. Die Vertreter anderer Kostentreiber im Gesundheitswesen, etwa die Pharmaindustrie oder die Ärzte, frotzeln deshalb, bei den Spitälern würde vor allem in Beton investiert.

Doch auch von unabhängiger Warte werden die Milliardeninvestitionen kritisch betrachtet. Ein Grossteil dieser Ausgaben sei vergebens, sagte etwa Gesundheitsökonom Tilman Slembeck dem «Sonntags-Blick». Das klassische Spital mit Bettenhaus habe ausgedient. Immer mehr Eingriffe können ambulant durchgeführt werden und erfordern keinen längeren Klinikaufenthalt mehr. Patienten, die nach einer erfolgreichen Operation kurzzeitig gepflegt werden müssen, können auf Besuch von der Spitex zählen – in ihren eigenen vier Wänden, sagt Slembeck.

Zusätzliche Spitalbetten

Laut Statistik des Bundes gibt es 176 Akutspitäler und Spezialkliniken, inklusive der psychiatrischen Kliniken und der Rehazentren sind es 283. Dies sind Zahlen von 2016, aktuellere sind nicht erhältlich. Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfers PWC ginge es auch mit weit weniger Spitälern. Unter der Voraussetzung, dass 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung innerhalb von 30 Fahrminuten das nächstgelegene Spital erreicht, würden 45 Kliniken ausreichen. Allerdings befänden sich diese dann nicht zwingend an den heutigen Standorten, sondern wären geografisch optimal platziert. Das mag zwar reichlich theoretisch klingen. Es zeigt aber, dass die Schweiz auch mit deutlich weniger Spitälern auskommen könnte.

Angesprochen auf den Vorwurf eines teuren Wettrüstens, winken die Kantone ab. In Zürich gebe es keine Überkapazitäten, sagte etwa Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger der NZZ. Der Grossraum Zürich sei eine Wachstumsregion, die Bevölkerungszahl steige weiter. Und nicht zuletzt sei der Spitalplatz Zürich zunehmend begehrt bei Patienten aus anderen Kantonen. In Zürich mit seinen 30 Akutspitälern und Spezialkliniken wird denn auch kräftig investiert. Bis 2023 sind Investitionen in der Höhe von 2,6 Milliarden Franken geplant, dabei entstehen rund 400 zusätzliche Spitalbetten. Darin nicht eingerechnet ist das Grossprojekt Universitätsspital. Dort sind für die kommenden 30 Jahre Ausgaben von rund 3 Milliarden vorgesehen.

Doch Zürich ist nicht alleine. Vor allem Kantone mit grossen Zentrumsspitälern investieren hohe Summen. In Bern werden derzeit über 1,2 Milliarden Franken verbaut, in Basel-Stadt sind es 1,1 Milliarden. In der Westschweiz sticht der Kanton Waadt mit geplanten Ausgaben von rund 760 Millionen Franken hervor.