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Spitäler kaufen überteuert ein

BERN. Der Parallelimport von Medizinprodukten ist legal. Wegen bürokratischer Hürden und Absprachen beschaffen Spitäler aber Herzschrittmacher oder Implantate meist zu massiv überhöhten Preisen in der Schweiz. Jetzt soll die Politik handeln.
Tobias Gafafer
In der Schweiz bis zu zwei Drittel teurer: Herzschrittmacher sind in Deutschland viel günstiger. (Bild: getty/Photo Researchers R)

In der Schweiz bis zu zwei Drittel teurer: Herzschrittmacher sind in Deutschland viel günstiger. (Bild: getty/Photo Researchers R)

In der Debatte um hohe Gesundheitskosten steht meist die Pharmabranche am Pranger. Preisvergleiche mit dem Ausland und Sparrunden sind bei den Medikamenten deshalb üblich. Doch auch für Medizinprodukte wie Implantate oder Herzschrittmacher zahlen Schweizer Spitäler überteuerte Preise, ohne dass dies in der Öffentlichkeit ein Thema wäre. «Die Preise in der Schweiz sind viel zu hoch», sagt Marc Kohler, Chef der Spital Thurgau AG, auf Anfrage. Die Hersteller schützten sich extrem. «Es sind klassische Anzeichen eines abgeschotteten Marktes. Mit der Frankenstärke werden die Unterschiede noch extremer.» Enea Martinelli, Chefapotheker der Berner Oberländer Spitalgruppe FMI und BDP-Kantonalpolitiker, nennt ein Beispiel: Ein Herzschrittmacher koste in Deutschland rund zwei Drittel weniger als in der Schweiz (Spalte rechts). Die überhöhten Preise fallen umso stärker ins Gewicht, als Medizinprodukte bei den Spitalkosten einen grösseren Anteil als die Medikamente ausmachen – meist etwa im Verhältnis 2:1.

Drohungen von Importeuren

Zwar sind Parallelimporte von Medizinprodukten im Gegensatz zu vielen Medikamenten theoretisch zugelassen. Bloss: In der Praxis ist dies einfacher gesagt als getan. Zum einen kann beim Parallelimport der Rechtsweg komplizierter werden, falls ein Patient klagt. Und zum anderen gehen Hersteller auf die Barrikaden: Die Spital Thurgau AG etwa kaufte unlängst während einiger Monate ein Medizinprodukt viel billiger in Deutschland ein – bis der Schweizer Importeur eingriff und der Spitalleitung illegales Handeln vorwarf. Die Spitalgruppe FMI, welche Herzschrittmacher in Deutschland einkaufte, erhielt gemäss Enea Martinelli gar Drohungen. Aus Furcht will kein Spital Namen von Herstellern oder konkrete Zahlen nennen. Denn die Spitäler kommen um ein gutes Einvernehmen mit den Lieferanten kaum herum. «Es sind wenige Lieferanten und Spezialprodukte», sagt Urs Birchler, Direktor des Berner Inselspitals. Kommt hinzu: Viele Spitäler sind auf den Schweizer Kundenservice angewiesen, unter anderem bei Implantaten.

Jetzt greift die Politik ein – zumal die Spitäler ab 2012 wegen der neuen Spitalfinanzierung stärker unter Kostendruck kommen. Nationalrätin Ruth Humbel (CVP/AG) will noch in dieser Session einen Vorstoss einreichen. Konkret fordert sie, dass Medizinprodukte aus dem Ausland für Spitäler und Praxen billiger werden und Hürden für den Parallelimport abgebaut werden. «Spitäler könnten im grenznahen Ausland viel günstiger einkaufen. Das wird durch Absprachen und administrative Hindernisse verunmöglicht», sagt die Gesundheitsexpertin. Im Gegensatz zu den Medikamenten seien die Preise für Medizinprodukte «unverändert überhöht». Beschaffungen im Ausland wären auch deshalb nicht möglich, weil Service- und Garantieleistungen in der Schweiz nicht unabhängig vom Kauf geleistet würden – wie dies etwa beim Autokauf üblich ist. Humbel verlangt daher vom Bundesrat Anpassungen am Kartellgesetz und weitere Änderungen. «Manche Auflagen wirken kostentreibend und bringen den Patienten keinen Mehrwert.»

Medizinalbranche wehrt sich

Selbst Fasmed, der Verband der Medizintechnik-Branche, streitet Preisunterschiede im Vergleich zum Ausland nicht ab. Gemäss Generalsekretär Melchior Buchs lässt sich aber nur Gleiches mit Gleichem vergleichen: Die Versorgungsstruktur der Schweiz mit vielen kleinen Spitälern und kleineren Mengen unterscheide sich von jener in Deutschland. Zudem verlangten manche Spitäler, dass Produkte beim Lieferanten sofort ab Lager verfügbar seien. Und die höheren Löhne in der Schweiz hätten ebenfalls ihren Preis.

Trotzdem spürt die Branche bereits den wachsenden Druck. Die Nachfrageseite werde immer mächtiger, hiess es vergangene Woche in einem Communiqué. Tatsächlich haben sich einige Spitäler, darunter das Kantonsspital St. Gallen, zu einer Einkaufsgemeinschaft zusammengeschlossen, um bei Lieferanten bessere Konditionen herauszuholen.

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