SP-Strategie ist Frage des Mutes

Der Rücktritt von Micheline Calmy-Rey liefert für die Bundesratswahlen vom 14. Dezember wenig neue Gewissheiten: Zahlreiche Konstellationen sind möglich. Wer mit wem – das steht noch nicht fest, und dazwischen finden Parlamentswahlen statt, die eine neue Dynamik auslösen können.

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Der Rücktritt von Micheline Calmy-Rey liefert für die Bundesratswahlen vom 14. Dezember wenig neue Gewissheiten: Zahlreiche Konstellationen sind möglich. Wer mit wem – das steht noch nicht fest, und dazwischen finden Parlamentswahlen statt, die eine neue Dynamik auslösen können. Prognosen über den Wahlausgang stehen somit auf wackeligen Beinen.

Wenn nun also allenthalben gesagt und geschrieben wird, für Bundesrätin Widmer-Schlumpf werde es ganz eng, dann ist das zwar nicht falsch. Aber ebenso gut möglich ist, dass es für die SVP ungemütlich wird. Fest steht: Die SP wird eine Schlüsselrolle spielen.

Einerseits kann sie sich für die arithmetische Konkordanz entscheiden. Das bedeutet: Widmer-Schlumpf opfern und an ihrer Stelle einen zweiten SVP-Bundesrat wählen. Aber selbst wenn die SVP gemässigte Kandidaten portieren würde, wäre dies für einige Linke eine Kröte, die sie nicht zu schlucken gewillt sind.

Andererseits kann sich die SP für eine inhaltliche Konkordanz entscheiden: Sie bestätigt Widmer-Schlumpf, verhindert so einen zweiten SVP-Bundesrat und zählt für den eigenen vakanten Sitz auf die Unterstützung anderer Mitte-Links-Parteien.

Politisch ist dieses Revival der Blocher-Abwahl-Allianz vielen Sozialdemokraten sympathisch. Doch erstens braucht es dafür auch CVP und Grüne. Und zweitens eine gehörige Portion Mut, weil die Calmy-Rey-Nachfolge erst ganz am Schluss bestimmt wird.

Zusätzliche Bedeutung kommt damit den Parlamentswahlen zu. Verliert die SP, wird sie für riskante Spiele unempfänglich sein. Gewinnt sie, dann könnte es spannend werden. Stefan Schmid

stefan.schmid@tagblatt.ch

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