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«Sonderregelungen helfen nicht weiter»

In der Ostschweiz ist in bezug auf den Händedruck zwischen moslemischen Schülern und Lehrerinnen kein Problem zu erkennen.
Larissa Flammer

In der Ostschweiz ist in bezug auf den Händedruck zwischen moslemischen Schülern und Lehrerinnen kein Problem zu erkennen. «Ich unterrichte selbst an der Schule und habe noch nie erlebt, dass moslemische Kinder und Jugendliche jemandem nicht die Hand geben wollten», sagt Bekim Alimi, Präsident des Dachverbands der islamischen Gemeinschaften Ostschweiz (Digo) und Imam der Wiler Moschee. Und auch wenn er die betroffenen Schüler aus Therwil nicht kennt, sagt Alimi, dass die Mehrheit der Moslems, die in der Schweiz leben, nicht einmal in ihren Herkunftsländern den Händedruck verweigern würden.

Roger Trösch ist Schulratspräsident von St. Margrethen und hat einige Erfahrung im Umgang mit moslemischen Gepflogenheiten im Schulalltag. Den Streit um das Tragen eines Kopftuchs hat die Schulgemeinde St. Margrethen bis vors Bundesgericht gezogen. Und auch mit der Weigerung des Familienvaters, seine Tochter am Schwimmunterricht und dem Skilager teilnehmen zu lassen, musste Trösch sich schon auseinandersetzen. Der Schulratspräsident sagt daher: «Wir haben grössere Probleme als einen Händedruck. Die Verweigerung von Unterrichtsinhalten ist für mich das grössere Übel.»

Problem kommt bei Eltern vor

Dass Schüler der Lehrerin nicht die Hand geben, kommt laut Trösch in St. Margrethen nicht vor – aber dafür bei den Eltern. Es sei dieser eine Vater, der in seiner Extremhaltung an Elterngesprächen den Händedruck mit weiblichen Lehrpersonen verweigere. «Obwohl wir das nicht goutieren, können wir nichts dagegen machen. Gespräche blieben erfolglos. Im Gegensatz zur Teilnahme am Unterricht können wir einen Händedruck nicht juristisch einfordern.»

Wie Trösch ist auch Imam Alimi der Meinung, dass ein solcher Einzelfall nicht zu einem schweizweiten Politikum werden sollte. «Wir befürworten in einem solchen Fall immer das Gespräch!», so Alimi. Denn dass sich durch Sonderregelungen eine Parallelgesellschaft entwickle, sei nicht wünschenswert.

Auch die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill hat eine deutliche persönliche Haltung zu diesem Fall: «Sonderregelungen helfen hier nicht weiter.» Die Weigerung zum Handschlag kann Knill nicht nachvollziehen: «Es ist eine alltägliche Begegnungsform und kein spezielles Ritual. Ein Händedruck ist bei uns ein Zeichen von Wertschätzung und überschreitet keine Grenzen.» Der Fall in Therwil ist für die Regierungsrätin ein Zeichen dafür, «dass unsere Gepflogenheiten missachtet werden». Dem Departement für Erziehung und Kultur, dem Knill vorsteht, sind im Thurgau keine ähnlichen Fälle mit moslemischen Schülern bekannt.

Nach vernünftigen Lösungen suchen

«Wir im Kanton St. Gallen sind in der glücklichen Lage, dass wir kaum Probleme mit moslemischen Gepflogenheiten haben», bestätigt auch Hansjörg Bauer vom Präsidium des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands. In der überwiegenden Anzahl der Fälle werde bei Problemen zusammen nach einer vernünftigen Lösung gesucht.

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