Sommer, Sonne, krank: Wegen der Hitzewelle steigt das Hautkrebsrisiko

Nirgends in Europa erkranken mehr Männer an Hautkrebs als in der Schweiz. Hitzesommer und Wanderboom verstärken den Trend – doch es gibt auch gute Nachrichten.

Yannick Nock
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Wer sich nicht eincremt, ist gefährdet. (Bild: Keystone)

Wer sich nicht eincremt, ist gefährdet. (Bild: Keystone)

Es waren die heissesten Monate, die in Europa je gemessen wurden: Die Hitzewelle im Juni und Juli knackte reihenweise Temperaturrekorde. In einigen Städten wie in Paris wurde es 42 Grad heiss. Auch in der Schweiz stieg das Thermometer auf über 39 Grad. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit.

Neben akuten Problemen wie Hitzeschlag oder Kreislaufkollaps hat das Wetter auch Langzeitfolgen. Mehr Sonnenstunden und starke UV-Belastung erhöhen das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Die mit den steigenden Temperaturen einhergehende Mediterranisierung der Städte tut ihr Übriges. Die Menschen verbringen mehr Zeit draussen – in der Sonne, in der UV-Strahlung. Dabei hält die Schweiz schon heute einen traurigen Rekord: Nirgends in Europa erkranken mehr Männer an Hautkrebs.

Jährlich erkranken 2700 Menschen

Das Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, ist hierzulande eine der häufigsten Krebsarten. Jedes Jahr wird es bei 2700 Menschen gefunden. Männer sind öfter betroffen als Frauen. In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen mehr als verdoppelt. Doch warum ist gerade die Schweiz so stark vom Hautkrebs betroffen? Selbst Experten rätseln über die genauen Ursachen.

Neben dem veränderten Freizeitverhalten, das öfter nach draussen verlagert wird, liegt es wohl auch am Wohlstand. Schweizer gehen öfter in die Ferien als andere Europäer. Und sie reisen häufig in Länder, die strahlungsintensiv sind. Gemäss «Beobachter» unternahmen 90 Prozent der Schweizer 2017 mindestens eine längere Reise. Die meisten fanden zwischen Mai und Oktober statt.

Schweizer gehen oft in die Ferien. Gerade in südlichen Ländern wie Spanien (hier Mallorca) sollte man aufpassen. (Bild: Keystone)

Schweizer gehen oft in die Ferien. Gerade in südlichen Ländern wie Spanien (hier Mallorca) sollte man aufpassen. (Bild: Keystone)

«Ferien in südlichen Ländern begünstigen die Bildung von Hautkrebs, da die UV-Belastung in diesen Regionen höher ist», sagt Luca Toneatti von der Krebsliga Schweiz. Doch auch hierzulande muss man aufpassen, besonders in den Alpen: So steigt das Risiko in den Bergen. «Die UV-Strahlung erhöht sich pro 1000 Höhenmeter um 10 Prozent», sagt Toneatti.

Wenn dann noch Schnee hinzukommt, wird es richtig gefährlich. Diese Erfahrung machte vor wenigen Wochen Musiker Gölä. Drei Stunden drehte er auf dem Gipfel der Jungfrau in praller Sonne – ohne sich einzucremen. Der Dreh endete in der Notaufnahme. Der Musiker war schneeblind und hatte einen schweren Sonnenbrand. Später postete Göla Bilder seines Gesichts. Nur noch Hautfetzen hingen da. Blöd nur, dass er später sagte, was kein Dermatologe gerne hört: «Für dieses coole Video würde ich es wieder genau gleich machen», zitierte ihn der «Blick».

Die Überlebenschance ist in der Schweiz am höchsten

Die Berge üben nicht nur auf Musiker und Wintersportler eine riesige Anziehungskraft aus. Seit Jahren herrscht ein Wanderboom, der Schweizer wie Touristen auf die Gipfel lockt. Längst nicht alle sind auf die erhöhte UV-Strahlung vorbereitet, denn Sonnencrème alleine reicht manchmal nicht. Die Krebsliga empfiehlt, Hut, Sonnenbrille und gute Kleidung zu tragen. Zudem sollte man zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten bleiben. «Das ist der beste Schutz», sagt Toneatti.

Trotz des negativen Trends gibt es aber auch gute Nachrichten: Nirgends ist die Überlebenschance für Neuerkrankte so gross wie in der Schweiz. Sie liegt bei über 90 Prozent. Dank der guten medizinischen Versorgung werden Melanome frühzeitig erkannt und behandelt. Prognosen sind zwar schwierig, da es sich beim schwarzen Hautkrebs aber um eine Alterskrankheit handelt, dürften die Zahlen langfristig etwas zurückgehen.

«Heute wird die Krankheit grösstenteils bei der Generation diagnostiziert, die sich damals noch mit Milchfett einrieb, um braun zu werden», sagt Toneatti. Das habe sich glücklicherweise geändert. «Die jungen Menschen sind heute besser über die Risiken aufgeklärt als vor 30 Jahren.»