SOMMER: Schnappschüsse verboten

In vielen Badis ist Fotografieren und Filmen nicht erlaubt. Den Badegästen ist das selten bewusst. Mit Plakaten will der Badi-Verband nun darauf aufmerksam machen.

Maja Briner
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Wegen der leichten Bekleidung ist das Fotografieren in Badis besonders heikel. (Bild: Franziska Kraufmann/Keystone)

Wegen der leichten Bekleidung ist das Fotografieren in Badis besonders heikel. (Bild: Franziska Kraufmann/Keystone)

Maja Briner

Ein Voyeur fotografiert in einer Badi eine junge Frau, die er nicht kennt. Der Mann, ein 50-jähriger Lehrer, fliegt auf – und wird angezeigt. Es stellt sich heraus, dass er noch mehr auf dem Kerbholz hat. Solche Fälle von Spannern in der Badi wie dieser im Kanton Freiburg sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Doch problematische Badi-Fotos können auch unabsichtlich entstehen: Man fotografiert seine Freunde oder Familie, ohne zu achten, wer im Hintergrund noch alles ins Bild gerät. Eine Minute später ist der Schnappschuss auf Facebook oder Instagram geteilt. Und schon landen Badi-Besucher in Bikini und Badehose oder gar «oben ohne» im Internet – ohne es zu wissen.

In vielen Badis dürften solche Fälle eigentlich nicht geschehen, da das Fotografieren verboten ist. In den Badeordnungen der Stadt Zürich oder des Strandbads Lido in Luzern heisst es etwa: «Die Verwendung von Bild- und Tonaufzeichnungsgeräten ist grundsätzlich nicht gestattet.» Etwas weniger streng sind die St. Galler Freibäder: Hier ist nur das Fotografieren von fremden Personen nicht erlaubt.

Laut dem Geschäftsführer des Verbands Hallen- und Frei­bäder, Christoph Leupi, sind Fotografieren und Filmen fast in allen Bädern grundsätzlich verboten. Vielen Badi-Besuchern sei dies jedoch nicht bewusst. Mit Plakaten sollen sie nun darauf aufmerksam gemacht werden. Der Verband hat diese auf Wunsch von Mitgliedern erarbeitet. «Das Problem beschäftigt die Bäder», sagt Leupi.

Sogar unter Wasser wird fotografiert

Das Fotoverbot gibt es in vielen Bädern zwar schon lange. Doch das Problem hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. «Mit dem Smartphone haben wir eine ganz andere Dimension erreicht: Fast jeder hat eines dabei und kann damit Fotos machen – und sie ins Internet stellen», sagt ­Leupi. Auch mit Unterwasser­kameras werde gelegentlich fotografiert. Das grosse Problem seien aber die Smartphones.

Manche Badis verzichten jedoch nach wie vor auf ein Verbot, so etwa das Berner Marzili. Der Verband Hallen- und Freibäder stellt deshalb für die Kampagne verschiedene Plakate zur Verfügung. Eines ist für jene Bäder gedacht, in denen Fotografieren verboten ist. Darauf heisst es, der Betreiber erteile «in Ausnahmefällen auf Gesuch eine schriftliche Bewilligung». Auch Eltern ist es also verboten, ihr eigenes Kind in der Badi zu fotografieren – es sei denn, sie fragen schriftlich um Erlaubnis. Ist das nicht übertrieben? Leupi sagt: «Wenn wenig los ist in der Badi, kann ein Badmeister abklären, ob jemand das eigene Kind fotografiert. An einem schönen Sommertag, wenn die Badi voll ist, haben die Badmeister dafür keine Zeit. Sie müssen für die Sicherheit sorgen.»

«Erst fragen, dann fotografieren!», lautet der Slogan des Plakats für jene Badi-Betriebe, in denen Fotografieren erlaubt ist. Er soll die Besucher dafür sensibilisieren, dass es ein Problem sein kann, wenn Unbeteiligte auf Fotos abgelichtet sind. «Meistens geschieht das nicht absichtlich», sagt Leupi. Er spricht von einer Zeiterscheinung: Wir fotografieren mit dem Smartphone überall – ohne zu schauen, wer alles auf dem Bild ist. «In der Badi ist das wegen der leichten Bekleidung besonders heikel», so Leupi.

Wenn die Kameralinse abgeklebt wird

Die Plakate dürften bald in vielen Badis hängen: Der Bestelltalon wurde diese Woche an rund 1000 Bäder verschickt, ein Dutzend Bestellungen ist bereits eingegangen. Doch ob dies tatsächlich etwas bewirkt, muss sich erst noch zeigen. «Es wird immer schwierig sein, das Fotografieren zu verhindern», gibt Christoph Leupi zu. Er hofft aber, dass die Präventionskampagne die Besucher sensibilisiert.

In Deutschland greifen manche Freibäder zu einem anderen Mittel: Besucher müssen die Kameralinse ihres Smartphones überkleben, bevor sie in die Badi gelassen werden. Das geht dem Schweizer Verband Hallen- und Freibäder jedoch zu weit – auch wegen der Kosten, wie Leupi sagt. «Die Badis müssten extra jemanden einstellen, der die Kleber beim Eingang anbringt und beim Ausgang kontrolliert und wieder entfernt.»