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So wollen die SBB vom Greta-Effekt profitieren und die Verbindungen ins Ausland ausbauen

Zug statt Flugzeug: Die SBB bauen ihre internationalen Verbindungen aus – zudem soll eine neue Kampagne ihr «Umweltimage aufwerten».
Sven Altermatt

Nein, zu einem besseren Zeitpunkt hätten die SBB ihren neuen Fahrplan wirklich nicht vorstellen können: Beim diesjährigen Wechsel im Dezember steht der internationale Verkehr im Fokus. Allen voran wird die Kapazität zwischen der Schweiz und Paris ausgebaut, wie die Bundesbahnen gestern bekannt gaben. Das Timing passt. Denn in einer Zeit, in der eine Flugreise als schlimmste aller Klimasünden gilt und das Wort «Flugscham» en vogue ist, sind grenzüberschreitende Zugsverbindungen erst recht eine Alternative.

Ab Basel, Genf, Lausanne und Zürich gibt es fortan durchgehend sechs statt wie bisher vier bis fünf Verbindungen nach Paris. Zudem setzt TGV Lyria, ein Gemeinschaftsbetrieb der SBB und der französischen SNCF, modernere Doppelstockzüge mit mehr Sitzplätzen ein. Damit solle der prognostizierte Passagieranstieg von 25 Prozent zwischen der Schweiz und Frankreich abgefedert werden, erklärten die SBB-Verantwortlichen an einer Medienkonferenz in Olten. Und zwar «umweltgerecht».

Allerdings: Aus fahrplantechnischen Gründen wird die Direktverbindung von Bern beziehungsweise Olten nach Paris nicht mehr angeboten. Trotz Umsteigen verlängere sich die Fahrzeit künftig nur um fünf Minuten, betonen die SBB. Wegen Bauarbeiten im Raum Liestal muss vorerst aber 30 Minuten mehr Fahrzeit eingerechnet werden.

Aufgewertet werden schliesslich auch die Verbindungen nach Deutschland, ab Dezember verkehren modernere Züge des Typs ICE 4.

Die SBB und der «Greta-Effekt»

Zwar sagte SBB-Manager Armin Weber mit Blick auf die Klimaaktivistin Greta Thunberg kürzlich dem «Tages-Anzeiger», man könne bei den Ticketverkäufen im internationalen Verkehr «noch keinen Greta-Effekt beweisen». An schlagkräftigen Botschaften mangelt es jedoch nicht: Dank der Bahn vermeidet die Schweiz heute jährlich den Ausstoss von fünf Millionen Tonnen CO2.

Intern sind die SBB-Verantwortlichen zum Schluss gekommen, dass der Umweltvorteil von Bahnreisen noch stärker betont werden soll, wie Informationen dieser Zeitung zeigen. Gerade im Vergleich mit Elektroautos sei vielen Menschen nicht klar, dass auch hier der Zug deutlich besser abschneide. In den nächsten Wochen will das Unternehmen deshalb eine neue Kampagne lancieren. Ihr Ziel sei es, «das Umweltimage der Bahn aufzuwerten».

Tatsächlich hoffen die Bundesbahnen angesichts der aktuellen Klimabewegung nicht zuletzt auf mehr Nachfrage im internationalen Geschäft. In den nächsten Jahren werden grenzüberschreitende Verbindungen ausgebaut: So wird es etwa nach der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels ab dem übernächsten Jahr direkte Verbindungen nach Bologna und Genua geben. Auf der Strecke von Zürich nach München verkehren auf einem 155 Kilometer langen Abschnitt in Deutschland noch immer Diesel-Loks. Nach jahrelangen Verzögerungen wird die Strecke bis im kommenden Jahr endlich komplett elektrifiziert. Die Reisezeit zwischen den Städten verkürzt sich danach um eine Stunde, gleichzeitig soll das Angebot verdoppelt werden.

Solche Lichtblicke täuschen nicht darüber hinweg, dass der grenzüberschreitende Fernverkehr in Mitteleuropa während Jahren abgenommen hat. Verbindungen über 1000 Kilometer gibt es kaum mehr, der Zug ist auf solchen Strecken nicht konkurrenzfähig. Und vor genau zehn Jahren haben die SBB wegen geringer Nachfrage ihre eigenen Nachtzüge eingestellt. Heute verzeichne man bei entsprechenden Angeboten wieder mehr Fahrgäste, heisst es bei den Österreichischen Bundesbahnen. Nur sie bieten noch direkte Nachtverbindungen aus der Schweiz ins Ausland an.

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