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«Eine Modernisierung ist dringend notwendig»: Diese 18-Jährigen wollen Bundesbern erobern

Sie gehören der Generation Z an. Und sie kritisieren Ihre Vorgängergeneration dafür, politisch keine Verantwortung übernommen zu haben. Sie wollen es besser machen: 61 Jugendliche mit Jahrgang 2001 kandidieren für den Nationalrat. Mittendrin: Sebastian Huber (Junge GLP), jüngster Kandidat der Schweiz.
Othmar von Matt
18-Jährige kandidieren in 17 Kantonen für den Nationalrat.

18-Jährige kandidieren in 17 Kantonen für den Nationalrat.

Er ist auf Snapchat und Instagram zu finden. Aber auch auf der Newsplattform Twitter. Und sogar auf Facebook, das in seiner Generation als altbacken gilt. Nico Zobrist, 18, aus Unterentfelden (AG) hat auch eine eigene Website. Auf ihr preist er sich an als «Sozialdemokratisch. Jung. Überlegt». Mit einer langen Testimonial-Liste, angeführt von Regierungsrat Urs Hofmann. Und er legt ein Zehn-Punkte-Programm vor.

Zobrist, SP- und Juso-Mitglied, ist damit ein typischer Vertreter der Generation Z. Er ist nicht einfach ein Digital Native, sondern ein Digital Native 2.0 oder ein «moderner Digital Native». So umschreibt die britische Autorin Chloe Combi die junge Generation in ihrem Buch «Generation Z: Their Voices, Their Lives». Die Generation Z beginnt, je nach Definition, ab 1997 oder 1999. Ihre Vertreter seien zu einer Zeit des «enormen Wandels» geboren worden, mit dem «kometenhaften Aufstieg des Internets» und seiner Integration in alle Aspekte des Lebens, sagt Combi.

Die Generation Z drängt nun ins Parlament. Besonders eindrücklich zeigt sich das bei den 18-Jährigen, die erstmals wählen und kandidieren können. In 17 Kantonen tritt mindestens ein 18-Jähriger oder eine 18-Jährige an zu den Nationalratswahlen. Das zeigt eine Auswertung der Listen aller Kantone, welche die «Schweiz am Wochenende» mit ihren Regional-Vertretungen vornahm.

Die typische 18-Jährige ist links und weiblich

Total kandidieren gemäss Smartvote 61 Jugendliche mit Jahrgang 2001 für den Nationalrat. 2015 waren es erst 42 gewesen. Die typische 18-jährige Kandidierende von heute ist links und weiblich. Besonders stark vertreten sind die linken Jungparteien Juso (18 Vertreter) und Junge Grüne (16). Mit 34 von 61 Vertretern halten sie die Mehrheit.

Die Frauendominanz ist eine zweite Besonderheit: 32 von 61 Kandidierenden sind weiblich. «Für uns ist sehr positiv», sagt Ronja Jansen, neue Juso-Präsidentin, «dass der Frauenstreik bei vielen jungen Frauen zu einer Politisierung geführt hat.»

Schon 2015 hatte für Deutschland eine Studie gezeigt, dass Politik für immer mehr Jugendliche zum Thema wird. Bezeichneten sich 2002 nur 30 Prozent als «politisch interessiert», waren es 2015 bereits 41 Prozent.

Mindestens aus subjektiver Sicht lasse sich dieser Trend auch in der Schweiz feststellen, sagt Tobias Vögeli, Co-Präsident der Jungen GLP. Seit ihrer Gründung vor drei Jahren sind elf Kantonalsektionen aus dem Boden gestampft worden. Vögeli beschreibt: «Viele Sektionen entstanden nicht Top-down, sondern Bottom-up», sagt Vögeli. «So fragten uns Leute aus Ob- und Nidwalden, ob sie eine Sektion gründen könnten. Das ist sehr bemerkenswert.»

1500 neue Mitglieder: «Ein Mega-Boom»

Gar von einem «Mega-Boom» spricht Andri Silberschmidt, Präsident des Jungfreisinns. «Wir erhielten in den letzten dreieinhalb Jahren 1500 neue Mitglieder.» Der Jungfreisinn ist bei den Wahlen 2019 in 17 Kantonen mit 217 Kandidierenden präsent, darunter mit fünf 18-Jährigen.

Das Interesse der Jugendlichen an der Politik stieg sprunghaft an, als ab Ende 2018 die Bewegung Klimastreik aktiv wurde. Mit Folgen auch für die Jungparteien. Sarah Bünter, die Präsidentin der Jungen CVP, beschreibt:

«Seit der Klimajugend haben die Medien die Jungparteien vermehrt im Blickfeld.»

Das sei spürbar. 265 Jugendliche kandidieren 2019 für die Jugendpartei, darunter auch zwei 18-Jährige.

Von den Klimastreiks profitieren aber vor allem die Grünen und die GLP. Gemäss neustem SRG-Wahlbarometer von Sotomo sprechen sie «ein besonders junges Publikum» an. Aber auch die FDP scheine gegenwärtig «auf ganz junge Personen eine gewisse Anziehungskraft auszuüben».

500 neue Mitglieder haben die Jungen Grünen seit Jahresbeginn dazugewonnen. «Das hängt auch mit dem Klimastreik zusammen», sagt Co-Präsident Luzian Franzini. «Eine solche Bewegung hat die Schweiz seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Das ist sehr erfreulich.» Der Klima- und der Frauenstreik habe die jungen Menschen mobilisiert.

Die Klima-Liste «Ziel 2030» in Fribourg

Der Klimastreik ist aber nicht nur bei den Jungparteien spürbar. Mit der Liste «Ziel 2030» stellen sich im Kanton Freiburg erstmals Klimastreikende selbst zur Wahl. Dazu gehört Cléa Voisard, Studentin der Umweltwissenschaft. Sie ist eben von Attalens (FR) nach Fey (VD) gezügelt, weil sie in Lausanne studiert. Die sieben Mitglieder der Liste hätten zwar dieselben Ziele wie der Klimastreik, sagt Voisard. «Doch die Liste steht ausserhalb der Bewegung.» Sie hätten aber auch unabhängig von Parteiideologien auftreten wollen.

Die 18-Jährigen, die für die Jungparteien kandidieren, sind stark vom Klimastreik geprägt. Der junge Teil der Bevölkerung interessiere sich «verstärkt für die Umwelt», sagt FDP-Kandidatin Linda Stoessel (VS). Sie stammt aus einer politischen Familie. Ihre Mutter Iris kandidiert auch für den Nationalrat, für die FDP. Und Juso-Vertreter Zobrist betont, die Generation Z müsse jetzt aktiv sein, um sich ihre Zukunft zu sichern: «Wir müssen die Klimakrise aufhalten.»

Der jüngste Kandidat der Schweiz

Sebastian Huber (LU) von der Jungen GLP ist der jüngste Nationalratskandidat der Schweiz. Genau einen Tag vor den Nationalratswahlen, am 19. Oktober, wird er volljährig. Das ist sein Glück. Artikel 136 der Bundesverfassung verlangt nämlich, dass ein Kandidat spätestens am Wahltag (20. Oktober) volljährig sein muss. Huber fordert, die Generation Z müsse politische Verantwortung übernehmen.

Und er verbindet sie mit einer Kritik an den Millennials. Das ist die Vorgänger-Generation aus den 1980er und 1990er Jahre. «Sie haben ihre Pflicht in einigen Bereichen versäumt», sagt er.

«Eine Modernisierung ist dringend notwendig. Nicht nur in der Klimapolitik, sondern auch in der Altersvorsorge oder der Drogenpolitik.»

Auch Buchautorin Chloe Combi, selbst Millennial, stützt diese Aussage Hubers. «Ich glaube, meine Generation hat sich ein wenig von den strahlenden neuen Möglichkeiten der Smartphones und Facebook ablenken und abstumpfen lassen», sagte sie in einem Interview mit Deloitte.

Inzwischen habe es sich gezeigt, «dass Hashtags, das Unterzeichnen von Petitionen und leidenschaftliches Bloggen» nicht für einen echten Wandel ausreichten. Dafür bedürfe es Organisation, Engagement und physischer Anwesenheit. Fähigkeiten, welche die Generation Z mitbringt. Sie gilt zwar als ichbezogen, aber auch als weltoffen, technisch versiert, optimistisch, selbstständig und teamfähig.

«Man sieht an den Parkland Kids in den USA und den Schulstreiks in ganz Europa nach dem Vorbild von Greta Thunberg, dass in der Generation Z etwas ganz anderes passiert», sagte Combi. «Die Vertreter haben die Plattformen, das Publikum und die Stimmen und sie fangen an, diese einzusetzen – und zwar jenseits von Make-up- und Gaming-Influencern.»

Überraschung bei der inhaltlichen Positionierung

Und wie positionieren sich die 61 Nationalratskandidaten inhaltlich, die 18 Jahre alt sind? Die «Schweiz am Wochenende» liess sie von Smartvote anhand von fünf Fragen mit der Positionierung von über 30-Jährigen vergleichen. Dabei zeigte sich: Die jüngsten Kandidierenden beurteilen zwar Fragen wie Erhöhung des Rentenalters, Mindestlohn, Stimm- und Wahlrecht für Ausländer, Gletscher-Initiative und CO2-Abgabe linker und umweltbewusster als die über 30-Jährigen. Das erklärt sich aber vor allem mit der linken Dominanz im Segment der 18-Jährigen.

Vergleicht man die Positionierung nach Parteien, zeigt sich überraschendes: Die Positionen der 18-jährigen Vertreter von Juso und Jungen Grünen decken sich fast zu 100 Prozent mit jenen der Ü30-Vertreter von SP und Grünen.

Unterschiede zeigen sich hingegen bei FDP und SVP. So lehnen die 18-jährigen Jungfreisinnigen einen Mindestlohn zu 100 Prozent ab. Die über 30-jährigen FDP-Vertreter sagen aber nur zu 77 Prozent Nein. Und die 18-jährigen Vertreter der Jungen SVP lehnen die Erhöhung des Rentenalters zu 60 Prozent ab, die Ü30-Vertreter hingegen nur zu 35 Prozent.

Eines haben die 18-jährigen Nationalratskandidaten gemeinsam. Sie wollen ihre Generation für die Politik mobilisieren. Für Nico Zobrist ist dies sogar der wichtigste Punkt in seinem 10-Punkte-Programm auf der Homepage. «Wir, die Jugend werden die Zukunft sein!», schreibt er unter Punkt 1 «Politische Partizipation von Jugendlichen fördern». Das Durchschnittsalter im Nationalrat betrage zurzeit 52 Jahre. Zobrist setzt sich deshalb für Stimmrechtsalter 16 ein.

«Wir, die Jugend werden die Zukunft sein!», schreibt er unter Punkt 1 «Politische Partizipation von Jugendlichen fördern». Das Durchschnittsalter im Nationalrat betrage zurzeit 52 Jahre. Zobrist setzt sich deshalb für Stimmrechtsalter 16 ein.

Nico Zobrist, Juso/SP, AG

Nico Zobrist, 19. Oktober 2001, Absolvent Gymnasium, Unterentfelden. (Bild: Chris Iseli)

Nico Zobrist, 19. Oktober 2001, Absolvent Gymnasium, Unterentfelden. (Bild: Chris Iseli)

Weshalb kandidieren Sie?

Weil ich mich aktiv einbringen will. Ich möchte Lösungen erarbeiten und mitgestalten für eine nachhaltige, solidarische Schweiz für uns alle. Für eine Schweiz der Zukunft, der Chancengleichheit, eine Schweiz, die die Klimakrise als zu bewältigendes Problem anerkennt.

Wie machen Sie Wahlkampf?

Ich mache einen engagierten Wahlkampf mit den Menschen, nebst der Bewirtschaftung meiner Homepage bin ich sehr aktiv in den sozialen Medien und in jeder freien Minute in den Strassen von Aarau im Gespräch.

Was verstehen Sie unter Generation Z?

Ich verstehe darunter eine Generation, die jetzt weiterhin aktiv sein muss, um ihre Zukunft zu sichern. Wir müssen die Klimakrise aufhalten und eine menschlichere Politik fördern.

Linda Stoessel, FDP, VS

Linda Stoessel, 29. April 2001, Studentin, Zermatt. (Bild: Pascal Gertschen)

Linda Stoessel, 29. April 2001, Studentin, Zermatt. (Bild: Pascal Gertschen)

Weshalb kandidieren Sie?

Ich kandidiere, weil ich andere junge Menschen dazu motivieren will, ihre Meinung kundzutun. So haben wir die Möglichkeit, bei der Gestaltung unserer Zukunft mitzureden. Es ist wichtig die Jugend in die Politik miteinzubeziehen. Für sie sind oft andere Themen wichtig als für die älteren Generationen. Politik gilt für viele Junge Leute als langweilig und kompliziert. Diese Vorurteile möchte ich ihnen nehmen.

Was machen Sie im Wahlkampf?

Ich versuche, mit meinen Freunden über politische Themen zu sprechen. So erhalten sie einen Einblick in die Politik, den sie vorher vielleicht nicht hatten. Sonst läuft mein Wahlkampf über Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram.

Was verstehen Sie unter Generation Z?

Das sind jene Menschen, die so alt sind wie ich oder ein wenig älter. Der junge Teil der Bevölkerung interessiert sich verstärkt für die Umwelt. Ihm wird vermehrt bewusst, wie wir Menschen unserer Umwelt schaden. Dass unsere Zukunft auf dem Spiel steht, wenn wir nichts dagegen unternehmen.

Sebastian Huber, Junge GLP, LU

Sebastian Huber, 19. Oktober 2001, Absolvent Gymnasium, Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Sebastian Huber, 19. Oktober 2001, Absolvent Gymnasium, Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Weshalb kandidieren Sie?

Mit meiner Kandidatur als Neuling ebne ich den Weg für weitere Jugendliche, die sich zwar interessieren, aber zu viel Respekt vor der Politik haben. Der Wahlkampf macht mir allerdings auch Spass und ich kann Erfahrungen für eine hoffentlich aussichtsreichere Kandidatur in einigen Jahren sammeln.

Was machen Sie im Wahlkampf?

Ich beteilige mich an Standaktionen der JGLP sowie der GLP im Kanton Luzern, mache in meinem Umfeld Werbung für unsere Anliegen und nehme auch an diversen Podien teil.

Was verstehen Sie unter Generation Z?

Schon immer war es die Aufgabe der Jugend sich gegen Konventionen aufzulehnen und die Liberalisierung der Gesellschaft voranzutreiben. Doch die Millennials haben ihre Pflicht in einigen Bereichen versäumt. Nicht nur in der Klimapolitik, sondern auch in der Altersvorsorge oder der Drogenpolitik ist eine Modernisierung dringend notwendig. Nun liegt es an der Generation Z, politische Verantwortung zu übernehmen und dies nachzuholen.

Naomi Brot, Junge Grüne, TG

Naomi Brot, 6. Februar 2001, Studentin Politikwissenschaft, Kreuzlingen. (Bild: Alex Spichale)

Naomi Brot, 6. Februar 2001, Studentin Politikwissenschaft, Kreuzlingen. (Bild: Alex Spichale)

Weshalb kandidieren Sie?

Ich bin enttäuscht über unser Parlament. Es hat versagt, wirksame Massnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Ich kandidiere, um zu zeigen, dass Politik für junge Menschen besonders wichtig ist. Wir müssen die Folgen der Entscheide tragen. Wir müssen uns an den Bedürfnissen von Menschen orientieren, statt am Profit. Dafür setze ich mich ein.

Was machen Sie im Wahlkampf?

Wichtige Themen behandle ich in Texten auf Social Media und im direkten Gespräch mit Personen. Ich will meinen Wahlkampf aber auch mit etwas Humor führen und damit vermitteln, dass Politik auch Spass machen kann.

Was verstehen Sie unter Generation Z?

Wir sind eine Generation, für die es schwierig ist, fern in die Zukunft zu blicken. Mit der fortschreitenden Klimakrise ist es ungewiss, wie die Welt aussieht, wenn wir alt sind. Darum ist diese Generation verstärkt politisch engagiert. Der Klimastreik bringt das sehr gut zum Ausdruck.

Fabian Klein, Junge SVP, LU

Fabian Klein, 13. Januar 2001, Elektroplaner in Ausbildung, Kriens. (Bild: Pius Amrein)

Fabian Klein, 13. Januar 2001, Elektroplaner in Ausbildung, Kriens. (Bild: Pius Amrein)

Weshalb kandidieren Sie?

Die Zukunft der Schweiz liegt in den Händen der Jugend. Daher braucht es junge Politiker, welche für eine sichere und wirtschaftsstarke Schweiz in der Zukunft stehen. Ich kandidiere für den Nationalrat, weil ich dieses Ziel erreichen möchte.

Was machen Sie im Wahlkampf?

Als junger Erwachsener ist es schwierig, als zukünftiger Politiker ernstgenommen zu werden. Deshalb setze ich mehr auf persönliche Gespräche und greife weniger auf klassische Wahlkampftechniken zurück wie zum Beispiel Plakate und Flyer.

Was verstehen Sie unter Generation Z?

Die Generation, die auf die Millennials folgt, ist fast komplett anders geprägt, als es die Generationen vor uns waren. Diese Generation ist extrem schnelllebig. Das macht es schwierig, langfristige Lösungen für unsere Probleme von heute und morgen zu finden.

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