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So wählen Schweizer Amis am «Super Tuesday»: Ein Augenschein in einem Genfer Wahllokal

Rund 20'000 US-Bürger leben hierzulande. Viele von ihnen haben am Dienstag in den Vorwahlen der Präsidentschaftswahl ihre Stimme abgegeben - mit unterschiedlichen Argumenten.

Benjamin Weinmann, Genf
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Wahlsprüche zum Anstecken: Am «Super Tuesday» in Genf gibt es natürlich auch Merchandising-Artikel zu kaufen.

Wahlsprüche zum Anstecken: Am «Super Tuesday» in Genf gibt es natürlich auch Merchandising-Artikel zu kaufen.

Bild: Benjamin Weinmann

Jetzt wird die Spreu vom Weizen getrennt. In 14 der 50 US-Staaten gaben Bürger am Dienstag ihre Stimme bei den Vorwahlen ab. Rund ein Drittel der Delegiertenstimmen stehen auf dem Spiel. Deshalb der Name: «Super Tuesday». Auch im bevölkerungsreichsten Staat Kalifornien ist es der Tag der Entscheidung.

Während die Nomination von Donald Trump bei den Republikanern gemachte Sache ist, entwickelt sich bei den Demokraten zunehmend ein Zweikampf zwischen dem linken Bernie Sanders und dem moderaten Joe Biden.

Zwar liegt der US-Senator Sanders in den nationalen Umfragen nach wie vor vorn. Doch Biden konnte sich kurz vor dem «Super Tuesday» die wichtige Unterstützung von drei namhaften Kandidaten sichern: Pete Buttigieg und Amy Klobuchar, die nur wenige Tage vor dem grossen Wahl-Event den Bettel hinwarfen, sowie des ehemaligen Kongressabgeordneten Beto O’Rourke. Alle drei dürften mit einer Spitzenposition in Bidens allfälligem Kabinett liebäugeln.

T-Shirts, Taschen und Sprüche zum Anstecken

Gewählt wurde am Dienstag auch in der Schweiz. Die Vereinigung «Democrats Abroad Switzerland» lud am Abend in Genf und Zürich zur persönlichen Stimmabgabe. Einige Amerikanerinnen und Amerikaner erzählen im Video, wen sie gewählt haben und wieso sie glauben, dass ein Demokrat eine Chance hat:

Im Ausland leben rund 9 Millionen Amerikaner, rund 20'000 davon in der Schweiz. Am Samstag sind weitere Wahl-Anlässe geplant.

In Genf fand die Stimmabgabe im Untergeschoss einer Kirche im Stadtzentrum statt. Zahlreiche Volontäre halfen den Wählern bei der Registrierung und der Stimmabgabe. Zu kaufen gab es Merchandising-Artikel wie T-Shirts, Taschen und Broschen mit Wahl-Sprüchen wie «Love trumps hate», «Proud Voter» oder «Go green, vote blue».

Farbe bekennen in Form eines T-Shirts kostet 10 Franken.

Farbe bekennen in Form eines T-Shirts kostet 10 Franken.

Bild: Benjamin Weinmann

Die 39-jährige Sarah, die seit drei Jahren in Genf lebt und für eine der vielen internationalen Organisation in der Stadt arbeitet, wirft ihre Stimme für Bernie Sanders in die Urne, wie sie im Gespräch verrät. «Ich habe ihn schon vor vier Jahren gewählt in den Vorwahlen, als später Hillary Clinton gewann.» Sie möge ihn und sie denke, dass er eine gute Chance habe.

Für Nicole ist klar: «Es ist höchste Zeit für eine Frau im Weissen Haus!»

Die 42-jährige Nicole ist mit ihren beiden 9- und 12-jährigen Söhnen gekommen. Die Schriftstellerin lebt seit 16 Jahren in der Romandie. «Zu Zeiten Obamas war ich sehr engagiert in der Demokratischen Partei.» Heute hätte sie hingegen nur per Zufall mitbekommen, dass «Super Tuesday» sei. «Ich wähle aber immer, und ich wollte meinen Söhnen diesen demokratischen Prozess vor Ort zeigen.»

Nicoles Stimme geht an die US-Senatorin Elizabeth Warren. Wäre Pete Buttigieg noch im Rennen, hätte sie für ihn gestimmt. Dass Warren derzeit keine allzu grossen Chancen eingeräumt werden habe sie mitbekommen. «Dann ist meine Stimme halt eine symbolische Stimme.» Aber sie wolle ihrer Überzeugung folgen. Und ausser Warren stünden nun mal nur noch alte weisse Männer zur Auswahl, deren goldenen Jahre schon eine Weile her seien. «Es ist höchste Zeit für eine Frau im Weissen Haus!».

Der 45-jährige Charles, Manager bei einer internationalen Organisation hingegen wählt einen der alten, weissen Männer: Joe Biden. «Er hat die besten Chancen gegen Trump zu gewinnen, und darum geht es in diesen Wahlen.»

Im Untergeschoss einer Genfer Kirche lautet die Frage: Biden, Warren oder Sanders? Oder doch jemand anders?

Im Untergeschoss einer Genfer Kirche lautet die Frage: Biden, Warren oder Sanders? Oder doch jemand anders?

Bild: Benjamin Weinmann

Thaddeus Burns, der 1997 als Diplomat nach Genf kam und seither mit Unterbrüchen in der Westschweiz lebt, hat seine Stimme bereits vergangenen Woche elektronisch an Pete Buttigieg abgegeben – bevor dieser den Bettel hinwarf. «Das ist natürlich schade», sagt der 56-jährige Jurist. Er hoffe nun, das Joe Biden das Rennen mache. «Denn die Geschichte hat gezeigt, dass es progressive Kandidaten in den US-Präsidentschaftswahlen schwierig haben.»

Für Burns ist klar: Es brauche einen moderaten Demokraten, um die unentschlossenen Mitte-Wähler zu überzeugen, insbesondere in den so genannten Swing States, wo die Resultate erfahrungsgemäss besonders knapp ausfallen dürften. Und wenn doch Sanders die Vorwahlen gewinnt? «Dann wähle ich selbstverständlich für Bernie, auch wenn dann meine Hoffnungen auf einen Sieg der Demokraten sehr klein wären.»

Bei den Vorwahlen 2016 gingen die meisten Stimmen der US-Expats an Bernie Sanders. Wie das Resultat 2020 ausfällt, ist noch nicht klar. Ziemlich sicher dürften deutlich mehr Schweizer Ausland-Demokraten wählen gehen. Denn Donald Trump mobilisiert: Anfang 2016, noch vor Wahl des Milliardärs aus New York, zählte «Democrats Abroad Switzerland» etwa 1700 Mitglieder. Heute sind es 3200 – fast doppelt so viele.

So sagte Liz Voss, die Sprecherin der Organisation, erst kürzlich gegenüber CH Media: «Wir spüren, dass sich mehr Ausland-Amerikaner engagieren wollen, damit bei den Wahlen im Herbst ein Demokrat siegen wird.» Der aktuelle Präsident spiele definitiv eine Rolle für diesen internen Schub. «Bei den Wahlen 2016 hatten wir nur zwei Wahllokale in der Schweiz, wo unsere Mitglieder während eines Tages ihre Stimme abgeben konnten.» Dieses Jahr gibt es Wahllokale in Zürich, Genf und Basel, wo die Partei-Mitglieder an zwei Tagen ihre Stimme persönlich abgeben können.

«Wir investieren mehr in Werbung und kontaktieren unsere Mitglieder, um sie auf die Wahlen aufmerksam zu machen.» Hinzu kämen diverse Info-Veranstaltungen. Bei den letzten Wahlen haben laut Voss nur 700 Demokraten in der Schweiz gewählt. «Dieses Jahr sind es hoffentlich deutlich mehr.»

Freiwillige helfen den US-Expats bei der Registrierung für die Wahlen.

Freiwillige helfen den US-Expats bei der Registrierung für die Wahlen.

Bild: Benjamin Weinmann
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