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So viele tote Luchse und Wölfe wie nie zuvor

Mehr Wölfe als in diesem Jahr sind in der Schweiz noch nie gestorben. Auch bei den Luchsen steigen die Verluste. Das liegt auch daran, dass die Populationen zuletzt stark angestiegen sind.
Dominic Wirth
In der Schweiz werden immer mehr tote Wölfe gefunden. Gleichzeitig hat sich auch ihre Zahl in den letzten Jahren vervielfacht. (Bild: Benjamin Manser)

In der Schweiz werden immer mehr tote Wölfe gefunden. Gleichzeitig hat sich auch ihre Zahl in den letzten Jahren vervielfacht. (Bild: Benjamin Manser)

Es ist ein Krimi aus dem Tierreich: Drei tote Wölfe sind diesen Herbst im Bündnerland innerhalb von nur zwei Wochen gefunden worden, Jungtiere allesamt. Und alle abgestürzt im unwegsamen Gelände in der Nähe einer Alp am Piz Mirutta oberhalb von Trin. So etwas hat es in der Schweiz noch nie gegeben. Die Behörden stehen vor einem Rätsel. «Das Ereignis am Piz Mirutta ist sicherlich sehr aussergewöhnlich», sagt Adrian Arquint, Vorsteher des Bündner Amts für Jagd und Fischerei.

Die toten Tiere werden gegenwärtig an der Universität Bern untersucht. Man erhofft sich davon weitere Hinweise für die schwierige Ursachenforschung. Laut Arquint deutet vieles darauf hin, dass die drei Tiere zum selben Zeitpunkt in der Nähe einer Schafherde abgestürzt sind. Eine Erklärung geht so: Die drei unerfahrenen Jungwölfe flüchteten vor Herdenschutzhunden – und stürzten in den Tod. «Das ist eine mögliche Erklärung, aber nur eine Hypothese», sagt Arquint.

Von 130 auf 200 Luchse seit 2010

In der Schweiz sind damit in diesem Jahr schon sieben tote Wölfe gefunden worden. So viele waren es zuvor noch nie innerhalb eines Jahres, seit der Wolf Mitte der 90er-Jahre in die Schweiz zurückgekehrt ist. 2017 etwa wurden nur zwei tote Tiere entdeckt, 2016 waren es vier. Generell gilt, dass Wölfe meist nur gefunden werden, wenn sie eines unnatürlichen Todes sterben. Das kann etwa ein legaler Abschuss sein. Oder ein Unfall, etwa mit einem Zug oder einem Auto.

Wie dem Wolf ergeht es derzeit auch einem anderen Grossraubtier, dem Luchs. Die Zahl der Verluste, wie es in der Sprache der Biologen heisst, erreicht immer neue Höhen. Für das aktuelle Jahr gibt es noch keine Zahlen. Doch 2017 kam es laut KORA, der Fachstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, die im Auftrag des Bundes die Zahlen erfasst, zu 30 Luchs-Verlusten. 2010 waren es erst zehn gewesen. Der Rekord von 2017 kam zwar auch zu Stande, weil einige Tiere umgesiedelt wurden. Dennoch ist der Trend klar: Die Zahl der toten Luchse steigt – genau wie bei den Wölfen.

Was steckt hinter dieser Entwicklung? «Die steigende Zahl der Verluste ist ein Ergebnis davon, dass wir immer mehr Grossraubtiere im Land haben», sagt der Fridolin Zimmermann von KORA. 2010 lebten laut Schätzungen von KORA noch rund 130 selbständige Tiere – also solche, die älter als ein Jahr sind – in der Schweiz. Die jüngste Schätzung beläuft sich bereits auf rund 200 Tiere. Ähnlich verläuft die Entwicklung bei den Wölfen: In den letzten zwei Jahren wurden 43 genetisch identifiziert. Vor neun Jahren waren es über 24 Monate noch lediglich 11 gewesen.

Wilderei gibt es nach wie vor

Es ist erst ein paar Tage her, dass in Appenzell Innerrhoden ein junges Luchsweibchen erlegt werden musste. Das Tier war stark abgemagert und apathisch. Und es war, obwohl erst ein paar Monate alt, ohne seine Mutter unterwegs. Gerade im Herbst tauchen laut Luchs-Experte Zimmermann immer wieder verwaiste Jungtiere auf. Sie werden von der Mutter zurückgelassen, weil sie zu schwach sind. Oder sie verlieren ihre Mutter, weil diese gestorben ist – zum Beispiel, weil sie Opfer von Wilderern wurde. Rund 16 Prozent der bisher insgesamt gefundenen Luchse sind ihnen zum Opfer gefallen, wobei die Dunkelziffer hoch ist. Häufigste Todesursache sind Verkehrsunfälle; sie sind für jeden dritten Verlust verantwortlich.

Der stetige Anstieg der Grossraubtier-Population treibt insbesondere in den Berggebieten die Menschen um. Für den Walliser Georges Schnydrig, Co-Präsident des Vereins «Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere», zeigen die steigenden Verlustzahlen, dass es in der Schweiz zu viele Wölfe und Luchse gibt. «Der natürliche Lebensraum ist für sie in unserem Land zu klein», sagt er. Schnydrig setzt sich mit seinem Verein für eine Aufweichung des Schutzes von Wolf und Luchs ein. In eine ähnliche Richtung will auch der Bund gehen. Entsprechende Pläne liegen derzeit beim Parlament, doch sie sind umstritten: Tierschützer drohen bereits mit einem Referendum.

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