Glosse

Café Fédéral: Die Siegerpos(s)e um die CVP-Initiative

Auch Politiker inszenieren sich gerne mal als Held. Dumm nur, wenn sich der Erfolg später als Pyrrhussieg herausstellt. 

Maja Briner
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Im Sport sehen wir sie andauernd: Sieger, die jubeln, die Hände in die Höhe reissen, vor Freude ein paar Tränen vergiessen. Wie anders in der Schweizer Politik! Da geht es deutlich nüchterner zu und her. Natürlich, an Abstimmungssonntagen jubeln auch Politiker manchmal kurz. Aber die grossen emotionalen Ausbrüche oder Siegerposen sind selten zu sehen.

Noch nüchterner als der politische Betrieb sind normalerweise die Webseiten von Anwaltskanzleien. Nicht so bei Pirmin Bischof, Solothurner CVP-Ständerat und Anwalt. Auf dem Onlineauftritt seiner Kanzlei prangt ein Foto: Ein strahlender Pirmin Bischof in Jubelpose, wie er die breite Treppe vor dem Bundesgericht hinunterläuft – ein Bild wie aus einem Hollywood-Streifen. Ein echter Held, dieser Bischof.

Nur: Das Ganze hat einen Haken. Bischof freut sich im Foto über den Entscheid des Gerichts, die Abstimmung über die Heiratsstrafe für ungültig zu erklären. Tatsächlich ein historischer Vorgang. Die Posse um die Initiative ist jedoch inzwischen um einige Kapitel reicher – und für die CVP ungemütlicher – geworden.

Weil die Ehedefinition im Initiativtext nun auch intern umstritten ist, plädierte sie zunächst für einen Gegenvorschlag zur eigenen Initiative. Und da sie damit scheiterte, will sie die Initiative nun neu lancieren – ebenfalls ein einmaliger Vorgang. Die CVP muss also nochmals Unterschriften sammeln. Das ist kein Grund zum Jubeln für die Partei. Es ist eben wie im Sport: Sieg und Niederlage liegen manchmal nah beisammen.