Sie kämpfte für die Frau und die FDP

Christiane Langenberger hat jahrelang für die Sache der Frau gekämpft. 2003 wurde die «bürgerliche Feministin» die erste Präsidentin der FDP Schweiz. Am Montag ist sie im Alter von 74 Jahren gestorben.

Denise Lachat
Drucken
Teilen

LAUSANNE. «Sie hatte ihren englischen Teint, war elegant, herzlich und strahlend wie immer»: So erinnert sich alt Bundesrat Pascal Couchepin an seine letzte Begegnung mit Christiane Langenberger, die noch gar nicht lange zurückliegt.

Couchepin: «Eine Kämpferin»

Von ihrer Krebserkrankung, an der die 74-Jährige am Montagabend gestorben ist, wusste Couchepin nichts, und er sah sie ihr auch nicht an. Couchepin sagt: «Christiane war schon immer eine Kämpferin.» Das bekam der Walliser am eigenen Leib zu spüren, als es 1998 um die Nachfolge von Jean-Pascal Delamuraz ging. Die Waadtländer Freisinnige brachte den Walliser Freisinnigen vier Wahlgänge lang ins Schwitzen, erst im fünften wurde Couchepin Bundesrat. Dass sich Christiane Langenberger trotz geringer Wahlchancen präsentierte, verwundert den ehemaligen Präsidenten der FDP Waadt und damaligen Nationalratspräsidenten Yves Christen nicht. «Christiane, die stets für die Sache der Frau gekämpft hat, konnte gar nicht anders als hinstehen für eine Frauenkandidatur.» Langenberger hatte das Etikett einer «bürgerlichen Feministin» lange vor ihrer Wahl in den Nationalrat durch unermüdliches Engagement in Vereinen, Organisationen und später in der Partei über Jahre hinweg gefestigt und so zahlreichen Frauen die Türe geöffnet, wie Christen sagt.

Die freisinnige Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret bezeichnet Langenberger und ihren «moderaten Feminismus» als Modell für viele junge Frauen; sie habe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Pionierarbeit geleistet. Christen ergänzt, dass Langenberger selber stets vorangegangen sei. So konnte die Mutter von drei Kindern, die lange Familienfrau gewesen war, bei ihrem späten Einstieg in die Politik auf die Unterstützung ihres Mannes zählen. Christen sagt: «Politik war bei Langenbergers eine Familienangelegenheit.»

1983 brachte Langenberger der nicht gewählten SP-Bundesratskandidatin Liliane Uchtenhagen ein Lebkuchenherz ins Bundeshaus – es war der Auslöser für Langenbergers Entschluss, sich selber in der Politik zu engagieren. Erst 1984 wurde sie Mitglied der FDP Waadt. Trotz fehlendem Beziehungsnetz und ohne die traditionelle «Ochsentour» schaffte sie es in die Gemeindeexekutive von Romanel-sur-Morges, ins Kantonsparlament und 1995 nach Bundesbern; 1999 wurde sie die erste freisinnige Ständerätin.

Humanistische FDP-Chefin

Schon die Geste gegenüber Uchtenhagen zeigte, dass die Waadtländerin, die in Bern zweisprachig aufgewachsen war, im Herzen eine Brückenbauerin war. Couchepin erkennt darin auch mangelnde politische Struktur, Christen spricht von einem Freisinn humanistischer Prägung, den er selber teilt. Langenberger hatte diese Eigenschaft jedenfalls bitter nötig, als sie 2003 als erste Frau an die Spitze der tief gespaltenen FDP Schweiz gewählt wurde – übrigens gegen die als Favoritin gesetzte Zürcherin Trix Heberlein. Einmal mehr hatte die charmante, aber entschlossene Waadtländerin alle überrascht, sich selber gleich auch. Sie habe mit einer ehrenvollen Niederlage gerechnet, sagte sie nach der Wahl.

Aktuelle Nachrichten