Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sie kämpft für ihre eigene Sache – und jene der Frauen

Das Berner Inselspital hat die Ärztin Natalie Urwyler entlassen. Zu Unrecht, wie ein Gericht nun zum Schluss kommt. Das Urteil könnte wegweisend sein.

Die Schlagzeilen, die der Fall produzierte, waren markig: «Ärztin gewinnt Diskriminierungsklage», titelte die NZZ. «Pionierhafter Sieg – wegen Rachekündigung» meinte die «Berner Zeitung». Ob Natalie Urwyler tatsächlich einen historischen Sieg für die Gleichstellung der Geschlechter errungen hat oder ob sie nur in einem Arbeitskonflikt um eine ungerechtfertigte Kündigung obsiegt hat – das ist ein Stück weit Interpretationssache. Tatsache ist aber, dass Urwyler als eine der ersten Frauen mit einer Diskriminierungsklage gegen eine grosse Firmengruppe erfolgreich war.

Der Fall der Anästhesistin und Notärztin, die heute in einem Walliser Regionalspital arbeitet, hat viel Exemplarisches an sich. Zwischen Urwyler und dem Klinikdirektor entstand in jahrelanger Auseinandersetzung ein Vertrauensverlust, der für die Spitalgruppe Grund für die Kündigung war. So weit, so unspektakulär. Nur: Das Problem des Direktors mit der angeblich illoyalen Oberärztin, die sich auch akademisch ausgebremst fühlte, hatte ursächlich etwas mit ihrem Einsatz für Frauenanliegen zu tun. Als sie etwa vorschlug, für alle Ärztinnen und Ärzte einen Vortrag über Mutterschutz zu organisieren, sei ihr deutscher Chef an die Decke gegangen und habe gesagt: «Ich schätze ja das Schweizer Demokratieverständnis, aber nicht in meiner Klinik!» Neben möglichen «kulturellen» Unterschieden verweist die Aussage auf zwei Probleme. Erstens ist die Gleichstellung in vielen grossen (Spital-) Unternehmen institutionell zwar etabliert, aber im Alltag hat sie es zuweilen schwer. Zweitens ist der Frauenanteil in Kaderpositionen der Spitäler immer noch tief, obwohl viele Frauen hoch qualifiziert und prädestiniert sind, Karriere zu machen. «Es gibt keinen Fachkräftemangel, sondern nur diskriminierte Frauen», sagte Urwyler der NZZ dazu. Deshalb brauche es eine Frauenquote für medizinisches Führungspersonal – nicht nur aus gleichstellungspolitischen Gründen, sondern auch aus ökonomischen Überlegungen.

Die kämpferische Klägerin weiss, wovon sie spricht. Sie hat über ein Jahrzehnt für die «Insel» gearbeitet, war an der Stanford University, bekam ein Kind, wollte das Pensum reduzieren, weiter in Forschung und Lehre tätig sein, sollte nach dem Mutterschaftsurlaub weiter vollzeitlich zur Verfügung stehen – der Rest ist bekannt. Gerichtlicher Ausgang inklusive. Allerdings noch nicht abschliessend, möglicherweise. Die Inselspital-Gruppe überlegt sich noch, ob sie das Urteil des Regionalgerichts akzeptieren oder ans Obergericht ziehen will. Vordergründig geht es um Lohnnachzahlungen von 465000 Franken und um eine Parteientschädigung von 110000 Franken. Bei wahrem Licht besehen aber um einiges mehr.

Balz Bruder

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.