SICHERHEIT: Strengere Regeln für EU-Bergführer

Der Bundesrat zieht bei den Bergführern aus der EU die Schraube an. Künftig sollen sie bereits ab dem ersten Arbeitstag in der Schweiz eine Bewilligung benötigen. Der internationale Verband bedauert den Schritt.

Maja Briner
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Der Klosterser Bergführer Fort Niederer überquert mit seinen Gästen den Silvrettagletscher. (Bild: Arno Balzarini/Keystone (Klosters, 10. August 2012))

Der Klosterser Bergführer Fort Niederer überquert mit seinen Gästen den Silvrettagletscher. (Bild: Arno Balzarini/Keystone (Klosters, 10. August 2012))

Maja Briner

Hochtouren, Alpinwanderungen oder Klettersteige locken bei schönem Wetter viele in die Berge. Weil sie als Risikoaktivitäten gelten, brauchen kommerzielle Anbieter eine Bewilligung. Für jene aus der EU gilt bislang jedoch eine Sonderregel: Wer nur während maximal zehn Tagen pro Jahr in der Schweiz arbeitet, benötigt keine Bewilligung.

Diese Regel will der Bundesrat nun streichen. Das schlägt er in der neuen Risikoaktivitäten-Verordnung vor, die er kürzlich in die Vernehmlassung schickte. «Die Sicherheit soll erhöht werden», begründet Christoph Lauener, Sprecher des Bundesamts für Sport. Zudem hat sich die Zehn­tageregel als nicht praktikabel erwiesen, wie der Bund eingesteht: Es lässt sich gar nicht überprüfen, ob sie eingehalten wird.

Gegenrecht zu ausländischer Praxis

Unterstützung erhält der Bundesrat vom Schweizerischen Bergführerverband. Präsident Marco Mehli sagt: «Auch wir brauchen zum Beispiel in Italien und Frankreich ab dem ersten Tag eine Bewilligung.» Daher handle es sich um eine Art Gegenrecht. Laut Mehli sind ausländische Bergführer, die in der Schweiz eigene Büros betreiben, selten. «Hingegen gibt es sehr viele ausländische Bergführer, die mit ihren Gästen in die Schweiz kommen, zum Beispiel aus Frankreich, so wie auch viele Schweizer Bergführer oft ins benachbarte Ausland gehen.»

Dank tieferen Kosten können ausländische Bergführer häufig bessere Preise bieten. Mehli versichert aber, es gehe dem Bergführerverband nicht darum, der Konkurrenz Steine in den Weg zu legen. «Der Konkurrenzdruck besteht, aber das ist nicht der Grund, warum wir die Abschaffung der Zehntageregelung un­terstützen», sagt der Bündner Bergführer. «Am liebsten wäre uns, wenn es für Touren im nahen Ausland gar keine Bewilligung bräuchte – weder für Ausländer in der Schweiz noch für uns im Ausland.» Ziel der Bewilligungen aber sei, die Kunden «vor nicht oder schlecht ausgebildeten Scharlatanen» zu schützen.

Sogar der Präsident der Inter­nationalen Vereinigung der ­Bergführerverbände, Christian Trommsdorff, hat Verständnis für die geplante Änderung. «Es ist logisch, dass die Schweiz sich den Regeln der Nachbarländer anschliessen will», sagt er. Es sei jedoch grundsätzlich schade, dass inzwischen in verschiedenen Ländern ab dem ersten Tag eine Bewilligung erforderlich sei.

Trommsdorff hofft, dass das Einholen einer Bewilligung möglichst einfach gestaltet wird. «Nur dann wird es auch gemacht», sagt er. «Ist das Verfahren zu kompliziert oder teuer, riskiert man, dass es gar nicht genutzt wird.» Im Klartext: Bergführer könnten deswegen auf den Abstecher in die Schweiz verzichten – oder aber darauf hoffen, nicht kontrolliert zu werden.

100 Franken kostet die Bewilligung maximal. Der Verband deutscher Berg- und Skiführer hat keine Freude an den zusätzlichen Kosten, versteht den Schritt aber. Es gebe viele «Schwarz­führer», welche die rechtlichen Schlupflöcher auszunutzen wüssten, erklärt Präsident Michael Lentrodt. Es sei nachvollziehbar, dass man diese schliessen wolle.

Auch inländische schwarze Schafe im Visier

Der Bundesrat will aber nicht nur gegen schwarze Schafe aus dem Ausland, sondern auch gegen ­inländische vorgehen. Deshalb streicht er eine zweite Sonderregel: Heute brauchen Anbieter nur dann eine Bewilligung, wenn sie jährlich mehr als 2300 Franken Einkommen erzielen. Ob dies der Fall ist, lässt sich aber kaum kontrollieren. Bergführer-Präsident Mehli begrüsst es, dass diese Grenze nun abgeschafft werden soll. «Es kommt immer wieder vor, dass schlecht oder gar nicht ausgebildete Personen – Schweizer und Ausländer – Hochtouren anbieten», sagt er. «Man hört das hinter vorgehaltener Hand oder sieht entsprechende Angebote im Internet, meist geschieht aber nichts, da es sehr schwierig ist, die Illegalität zu beweisen.» Daher sei es wichtig, dass mit der Bewilligungspflicht die Grundlage geschaffen werde für griffige Kontrollen: «Es geht schliesslich um die Sicherheit der Gäste.»