Sexismus-Kritik: Genfs Regierungspräsident setzt sich mit Groupie-Vergleich in die Nesseln

Antonio Hodgers äusserte sich in einer Radiosendung abfällig über eine ihm unliebsame Journalistin – und ist nun mit heftiger Kritik konfrontiert. 

Benjamin Weinmann, Genf
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Genfs Regierungspräsident Antonio Hodgers sorgt für einen Aufschrei. (KEYSTONE)

Genfs Regierungspräsident Antonio Hodgers sorgt für einen Aufschrei. (KEYSTONE)

Schon wieder. Genf Regierungspräsident Antonio Hodgers sorgt erneut für Wirbel mit einer umstritten Aussage. Es ist quasi ein medialer Hattrick innert weniger Wochen. Zuerst musste sich Hodgers, ein Grüner, für einen Auftritt in einer Radiosendung entschuldigen, in der er sagte, Bäume seien keine Lebewesen. Es war Hodgers Versuch, seine Baupolitik zu rechtfertigen. Genfs Regierung macht derzeit an vielen Orten neuen Wohnprojekten Platz und fällt dafür zahlreiche Bäume, was zu einer Protestbewegung in der Stadt geführt hat (CH Media berichtete).

Hodgers zweiter Streich folgte nur wenige Tage nach dem Erfolg seiner Partei bei den Eidgenössischen Parlamentswahlen Ende Oktober. Gefragt, ob er sich denn vorstellen könne, nach der «grünen Welle» als Bundesrat zu kandidieren, legte der 43-Jährige keine Zurückhaltung an den Tag und liess sich alle Optionen offen. So was müsse man prüfen, wenn der Moment komme.

Und nun gelang dem Schweiz-Argentinier, der von 2007 bis 2013 im Nationalrat sass, der dritte mediale Aufschrei. In der satirischen RTS-Radiosendung «Les beaux parleurs» kritisierte er eine Journalistin der Zeitung «Le Temps» namentlich und wagte einen ungewöhnlichen Vergleich:

«Diese Journalistin ist in Pierre Maudet verliebt, wie ein junges Mädchen in Justin Bieber.»

Das Portrait, das Hodgers nicht gefiel

Eine Journalistin als Groupie? Für Valérie Vuille, Direktorin der Gleichberechtigungsorganisation Décadrées ist klar: Diese Aussage ist sexistisch. Damit werde die Journalistin als Minderjährige dargestellt mit dem Stereotyp, wonach Frauen nur nach Gefühlen handeln würden, sagt Vuille gegenüber «Le Temps».

Hodgers störte sich an einem Portrait über ihn, das kürzlich erschienen ist. Im Artikel verwendete die Redaktorin eine Metapher: «Antonio Hodgers ist ein Surfer, während Pierre Maudet ein Marathonläufer ist.» Dieser Satz war allerdings kein Kommentar der Journalistin, sondern ein anonymes Zitat eines Genfer Politinsiders.

Antonio Hodgers, der seit Maudets Abu-Dhabi-Affäre mit dem Genfer Staatsrat verfeindet ist und in der Folge der Affäre dessen Präsidialposten übernommen hatte, schoss in der Sendung weitere Giftpfeile in Richtung der Journalistin: «Wenn ihr Götzenbild, das im Bundesrat gescheitert ist, plötzlich von einem Konkurrenten in den Hintergrund gedrängt wird, was tut sie dann in ihrem Artikel? Sie verreisst diesen Konkurrenten.»

«Völlig unangemessen und ungeschickt»

Nicolas Walder, Präsident der Genfer Grünen, verteidigt seinen Magistraten. Die Aussage sei einer von Hodgers witzigen Sprüchen, für die er schliesslich bekannt sei. Zudem gäbe es nun mal Journalisten, die eher rechts oder eher linksgerichtet seien.

Für die Genfer Nationalrätin Joceyln Haller von der Linksaussenpartei «Ensemble à gauche» hingegen stammt Hodgers Satz aus der Sexismus-Ecke, wie sie in der Zeitung sagt. Mit seinem Vergleich disqualifiziere er die Arbeit der Journalistin. Und Vincent Maitre, Präsident der kantonalen CVP, bezeichnet den Spruch als «völlig unangemessen und ungeschickt». Vor allem als Regierungspräsident gehörten sich solche Sprüche nicht, so Maitre.