Senioren vermehrt Opfer schwerer Verkehrsunfälle

Gregory Remez
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Verkehrssicherheit Auch wenn jeder Unfall einer zu viel ist: Unsere Strassen gehören zu den sichersten der Welt. Im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz in Sachen Verkehrssicherheit seit Jahren hervorragend ab. Die Zahl der Verkehrstoten pro 1 Million Einwohner liegt hierzulande 35 Prozent unterhalb derjenigen der EU-Länder und mehr als 70 Prozent tiefer als in den USA. Im langjährigen Vergleich lassen die Unfallzahlen ebenfalls eine positive Entwicklung erkennen: Seit 2006 reduzierte sich die Zahl der Verkehrstoten in der Schweiz durchschnittlich um 13, diejenige der Schwerverletzten um rund 130. Im vergangenen Jahr verloren laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) noch 230 Menschen auf hiesigen Strassen ihr Leben (2006: 370), 3654 wurden schwer verletzt (2006: 5066).

Die Erhöhung der Verkehrssicherheit führt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) einerseits auf den zunehmenden Wohlstand und die damit verbundenen Verbesserungen bei Strassen wie Fahrzeugen zurück. Andererseits sei der Positivtrend mit der «permanenten, evidenzbasierten Prävention» zu erklären, wie es im aktuellen Bericht zum Sicherheitsniveau und Unfallgeschehen im Strassenverkehr (Sinus-Report) heisst, den die BfU jährlich herausgibt.

«Das Problem wird sich in den nächsten Jahren akzentuieren»

Trotz der Erfolge bestehe aber nach wie vor Handlungsbedarf, resümiert die Stiftung. Die Abnahme der Verkehrstoten in der Schweiz sei zwar erfreulich, die positive Entwicklung aber kein Selbstläufer. Kopfschmerzen bereitet der BfU vor allem die Entwicklung bei den Senioren. Denn während die Zahl der schweren Unfälle von 2006 bis 2016 bei den unter 45-Jährigen stark abgenommen hat und bei den 45- bis 64-Jährigen zumindest stabil geblieben ist, hat diese bei den über 65-Jährigen im selben Zeitraum um 20 Prozent zugenommen; als schwer gelten dabei alle Unfälle, bei denen mindestens eine schwerverletzte Person oder ein Todesopfer zu verzeichnen ist.

Hauptursächlich für die Zunahme wird dabei die gesteigerte Nutzung von E-Bikes aufgeführt: Wurden in dieser Kategorie 2010 (erste Erfassung) noch 8 schwerverletzte oder getötete Senioren aufgeführt, waren es 2016 bereits 61. «Die Zunahme der schweren Unfälle bei Senioren ist ein Problem, das sich in den kommenden 10 bis 15 Jahren weiter akzentuieren wird», sagt Marc Kipfer, Sprecher der BfU. Das habe primär mit dem demografischen Wandel zu tun. Die heutigen Senioren seien aber auch mobiler und folglich mehr unterwegs als früher. «Unter den Verunfallten sind immer häufiger hochaltrige Senioren – und die sind besonders verletzlich», sagt Kipfer. Kommt hinzu, dass mit zunehmendem Alter nicht nur die Wahrscheinlichkeit steigt, in einen schweren Unfall zu geraten, sondern auch, einen solchen zu verursachen. Aufgerechnet auf die Anzahl gefahrener Kilometer zeigt sich nämlich ein deutliches Bild: Junglenker und Senioren sind am häufigsten für schwere Unfälle verantwortlich.

Zur Senkung des Unfallrisikos bei Senioren empfiehlt die BfU eine Reihe von Massnahmen: medizinische Unterstützung zum Erhalt der Fahreignung, Selbstbeurteilungstests, Probefahrten mit einem Fahrberater sowie Anordnungen von eingeschränkter Fahrerlaubnis. «Zudem evaluieren wir seit vergangenem Jahr den Nutzen der obligatorischen ärztlichen Fahreignungsabklärung für Senioren», sagt Kipfer. Die BfU bedauere deshalb, dass das Parlament noch vor dem Ende der Evaluationsphase entschieden hat, die Kontrolluntersuchungen vom 70. auf das 75. Altersjahr heraufzusetzen.

Gregory Remez