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«Seit 20 Jahren ein Treten an Ort»

Willy Oggier, die Krankenkassenprämien steigen im Schnitt um 4,5 Prozent. Das wird Sie nicht überraschen.
Willy Oggier Gesundheitsökonom (Bild: PD)

Willy Oggier Gesundheitsökonom (Bild: PD)

Willy Oggier, die Krankenkassenprämien steigen im Schnitt um 4,5 Prozent. Das wird Sie nicht überraschen.

Das ist in der Tat keine Überraschung, entspricht dieser Anstieg doch ziemlich genau dem mittelfristigen Kostenanstieg, den wir in der obligatorischen Krankenversicherung in den letzten 20 Jahren hatten.

In diesem Jahr scheint der Risikoausgleich eine grosse Rolle zu spielen – mindestens für einige Leute.

Dies ist deshalb so, weil es eine Gesetzesänderung gab, die den Gesundheitszustand der Versicherten besser berücksichtigt. Kassen, die bisher gute Risiken anlockten, werden nun nicht mehr so erfolgreich wirtschaften können. Das führt dazu, dass diese Kassen, die sich bisher auf Risikoselektion spezialisiert haben, die bisher eher tiefen Prämien erhöhen müssen oder gar in anderen Kassen aufgehen.

Die Kosten für ambulante Spitalbehandlungen sind überdurchschnittlich gestiegen. Warum dies?

Das hat mehrere Gründe. Einer ist, dass immer mehr ambulant machbar ist. Denken Sie da nur an die modernen Krebstherapien. Ein weiterer Grund ist, dass immer mehr Leute keinen Hausarzt mehr haben oder nicht mehr zu Bürozeiten zum Arzt gehen können. Also geht man in den Notfall, der ja rund um die Uhr offen hat. Schliesslich liegt ein Grund bei den Spitälern selber: Sie versuchen vermehrt, Behandlungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich zu bringen, weil sie im stationären Bereich nur noch Pauschalen bekommen.

Krankenkassen nennen als Kostentreiber die Ärztedichte – und meinen damit wohl die Fachärzte.

Das ist tatsächlich ein Punkt. Nur ist dies die Frage nach dem Huhn oder dem Ei: Wir haben eben auch unterschiedliche Krankheitsbedarfe. Denken Sie nur daran, dass etwa Basel-Stadt schweizweit prozentual am meisten ältere Leute hat. So ist es logisch, dass dort die Spezialarztdichte höher sein muss als anderswo.

Strenger sein bei der Zulassung?

Grundsätzlich ist zu fragen, ob es sinnvoll ist, die Zahl der Ärzte zu beschränken. Bedenken Sie, dass diese eine der teuersten Ausbildungen überhaupt durchlaufen. Wäre es da nicht sinnvoller zu fragen, ob wir nicht andere Formen ärztlicher Ausbildungen bräuchten – und damit am Anfang des Prozesses eingreifen würden statt am Ende!?

Die Kassen beklagen intransparente Medikamentenpreise als Kostentreiber. Haben sie recht?

Die Preise für neu zugelassene Medikamente können als hoch angesehen werden. Nimmt man aber den internationalen Vergleich, haben wir vor allem noch im Bereich der Generika Nachholbedarf, bei den Originalpräparaten jedoch nicht mehr gross. Bei den innovativen Medikamenten ist zudem auf die grossen Fortschritte hinzuweisen. Denken Sie nur an die Entwicklung bei der Behandlung von Aids in den letzten zehn Jahren oder jüngst bei Hepatitis.

Eine ambulante Behandlung müsste doch billiger sein als eine stationäre. Das ist sie für den Prämienzahler aber nicht, weil die Versicherungen die Kosten für die ambulante Behandlung zu 100 Prozent übernehmen müssen, für die stationäre indes nur zu 45 Prozent.

Das ist einer unserer grössten Systemfehler. Hier wäre dringender Handlungsbedarf. Wir stellen hier jedoch seit 20 Jahren ein Treten an Ort fest. Das schweizerische Gesundheitswesen ist, was die Finanzierung betrifft, von starkem Beharrungsvermögen geprägt.

Sehen Sie denn Möglichkeiten, trotz der Altersstruktur und mit Adaption des medizinischen Fortschritts stetig steigenden Prämien zu entkommen?

Wir werden mit dauerhaft steigenden Prämien leben müssen, wenn wir nicht bereit sind, das Leistungsniveau fundamental einzuschränken. Die Kernfrage ist indes, wie wir es schaffen, den Mittelstand mit diesen Prämien nicht zu stark zu belasten, und wie wir es schaffen, diese Prämienerhöhungen für mehr Lebensqualität einzusetzen – statt damit Unnötiges zu finanzieren.

Interview: Richard Clavadetscher

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