Schwierige Hutwahl für Bundesräte

Ausflug der Landesregierung

Fabian Fellmann
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Entspannt in Lenzburg: die Bundesräte Alain Berset und Guy Parmelin. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (6. Juli 2017))

Entspannt in Lenzburg: die Bundesräte Alain Berset und Guy Parmelin. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (6. Juli 2017))

Bundespräsidentin Doris Leuthard führte ihre Kollegen gestern auf der Bundesratsreise in eine schwierige Situation: Bei der Besichtigung einer Hutfabrik im aargauischen Freiamt stellte sich unweigerlich die Frage, welcher der Bundesräte nach Didier Burkhalter als nächster seinen Hut nehmen soll. Leuthard lenkte geschickt ab, indem sie begann, selbst einen Hut herzustellen.

Darauf setzten sich die Magistraten gelöst diverse neue Hüte auf. SP-Bundesrat Alain Berset griff zu einem unförmigen Modell – wie das monströse Gesundheitswesen, das ihm über dem Kopf zu wachsen droht. Geheimdienstchef Guy Parmelin nutzte die Gelegenheit, um sich eine Verkleidung zuzulegen: Danach mimte er bei einem Rundgang durch Lenzburg mit Strohhut, Sonnenbrille und Handy am Gürtel den Agenten.

Berset wurde wieder seinem Ruf als stilsicherster und bestaussehender Bundesrat gerecht: Als einziger war er konsequent mit Jacket unterwegs. Ueli Maurer stimmte den Hut auf die Brauntöne seines Poloshirts ab und wirkte wie ein Kuhhändler, der die Vorzüge seiner Tiere preist. Der scheidende Didier Burkhalter schien sich innerlich bereits von seinem Amt verabschiedet zu haben: Der sonst stets tadellos gekleidete Politiker erschien im Kurzarmhemd – ein Stilbruch mit Symbolgehalt. Abgeklärt schaute Burkhalter an den Kameras vorbei, wohl in seine eigene Zukunft, sichtbar nur für ihn. Lächelnd posierte der Neuenburger Magistrat auch unter der Inschrift «Omnia prudenter et respice finem» («Wie immer Du handelst, handle klug und bedenke das Ende») – als wollte er die Schweiz mahnen, im EU-Dossier nüchtern zu bleiben. Lachend trat derweil Leuthard beim Volksapéro in Lenzburg auf die Leute zu, mit schwarzweiss gestreiftem Strohhut und breiter Krempe eine Mischung aus Jacqueline Kennedy und Brigitte Bardot.

Die Bundesräte posen für ein gemeinsames Foto: Ueli Maurer, Simonetta Sommaruga, Alain Berset, Bundespräsidentin Doris Leuthard, Didier Burkhalter, Johann Schneider-Ammann und Guy Parmelin auf Schloss Wildegg. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)
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Mit einer Mischung aus Jacqueline Kennedy und Brigitte Bardot verzückte Bundespräsidentin Doris Leuthard. (Bild: Keystone)
Bundesrat Alain Berset wurde wieder seinem Ruf als stilsicherster und bestaussehender Bundesrat gerecht: Als einziger war er konsequent mit Jacket unterwegs. (Bild: Keystone)
Justizministerin Simonetta Sommaruga sah mit hellem Kleid und weiss gestreiftem Hütchen aus, als würde sie in die Toskana fahren. (Bild: ALEXANDRA WEY (KEYSTONE))
Der sonst stets tadellos gekleidete Didier Burkhalter erschien im Kurzarmhemd – ein Stilbruch mit Symbolgehalt. (Bild: Keystone)
Eine Frau macht ein Selfie mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Der Bundesrat verkniff sich modische Extravaganzen. (Bild: Keystone)
Ueli Maurer stimmte den Hut auf die Brauntöne seines Poloshirts ab. (Bild: Keystone)

Die Bundesräte posen für ein gemeinsames Foto: Ueli Maurer, Simonetta Sommaruga, Alain Berset, Bundespräsidentin Doris Leuthard, Didier Burkhalter, Johann Schneider-Ammann und Guy Parmelin auf Schloss Wildegg. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Modische Extravaganzen verkniff sich hingegen Johann Schneider-Ammann. Er wollte wohl nach seiner Niederlage vom Vortag nicht unnötig auf sich aufmerksam machen: Der Bundesrat verweigerte ihm 150 Millionen Franken für sein Prestigeprojekt Digitale Bildung. Umso mehr dürfte ihn gewurmt haben, dass er am Morgen mit Aargauern Lehrern über die Digitalisierung diskutieren musste.

Bundeskanzler Walter Thurnherr setzte derweil mit sportlichem Poloshirt ein Zeichen für den frischen Wind, den er in die Bundesverwaltung bringen will, und Justizministerin Simonetta Sommaruga sah mit hellem Kleid und weiss gestreiftem Hütchen aus, als würde sie in die Toskana fahren, um Kirchen zu besichtigen. Doch der Schein trügt: Die Reise führt den Bundesrat am Freitag in den Kanton Obwalden.

Fabian Fellmann