Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Schweizer Virologe erforscht Ebola-Impfstoff: «Als klar wurde, dass die Impfung wirkt, fiel uns ein Stein vom Herzen»

Das Labor Spiez erforscht den Impfstoff gegen das Ebola-Virus. Demnächst zeigt eine Studie, ob das Mittel auch langfristig wirkt.
Gabriela Jordan
Über 170'000 Personen wurden in der Demokratischen Republik Kongo bereits gegen das Ebola-Virus geimpft. Impfteams müssen sich dafür unter anderem durch den Dschungel kämpfen und Rebellengebiete umgehen. (Bild: Keystone)

Über 170'000 Personen wurden in der Demokratischen Republik Kongo bereits gegen das Ebola-Virus geimpft. Impfteams müssen sich dafür unter anderem durch den Dschungel kämpfen und Rebellengebiete umgehen. (Bild: Keystone)

Gegen das verheerende Ebola-Virus wird von der Schweiz aus an verschiedenen Fronten gekämpft. Weniger sichtbar, aber nicht minder wichtig ist die Arbeit der Wissenschafter im Labor Spiez. Sie untersuchen den experimentellen Impfstoff des US-amerikanischen Pharmakonzerns Merck (MSD), der im Epidemie-Gebiet bereits erfolgreich eingesetzt wird. Offiziell zugelassen ist «rVSV-ZEBOV» noch nicht, um eine weitere Ausbreitung des Virus in Afrika und auf den Rest der Welt zu verhindern, wurden über hunderttausend Kongolesen aber trotzdem damit geimpft. Erstmals verwendet wurde der Impfstoff im Jahr 2015 während des bislang schlimmsten Ebola-Ausbruchs in Guinea, Liberia und Sierra Leone. Das Zulassungsverfahren wurde damals stark beschleunigt, Tests zur Verträglichkeit wurden rasch durchgeführt..

Das Labor Spiez führt nun zusammen mit anderen Forschungsinstituten weitere Untersuchungen am Impfstoff durch. In der Schweiz ist es das einzige Labor, das mit so gefährlichen Erregern wie Ebola forschen kann (siehe Kasten unten). Mit zehn anderen Instituten in Europa, Afrika, USA und Südamerika testen die Wissenschafter seit 2015, wie wirksam und wie verträglich der Impfstoff im Detail ist. «Das Ziel ist, eine offizielle Zulassung des Impfstoffs zu erreichen, um bei möglichen weiteren Ausbrüchen schnell reagieren zu können», erklärt Olivier Engler, der bei unserem Besuch durch die weitläufige Forschungsanstalt führt. Der Virologe leitet seit mehreren Jahren die Untersuchungen am Ebola-Impfstoff in Spiez. Finanziert wird das Projekt durch das EU-Förderprogramm Horizon 2020

Konkret werden im Labor Spiez Blutproben von 115 gesunden Versuchspersonen unter die Lupe genommen, welche sich während des Ausbruchs vor fünf Jahren am Genfer Unispital freiwillig impfen liessen. «Hier untersuchen wir vor allem die Neutralisierung des Virus», sagt Engler. «In erster Linie heisst das, wie gut der Impfstoff Antikörper gegen das Virus hervorruft und wie gut er tatsächlich wirkt.» In den anderen am Projekt beteiligten Instituten werden die Blutproben derselben Versuchspersonen auf Eigenschaften wie zum Beispiel Verträglichkeit getestet.

Nach der Arbeit im biologischen Hochsicherheitslabor in Spiez müssen die Forscher eine Prozedur zur Dekontamination durchlaufen. Hier steht ein Virologe unter einer Chemiedusche. (Bild Peter Schneider/Keystone (19. November 2014))

Nach der Arbeit im biologischen Hochsicherheitslabor in Spiez müssen die Forscher eine Prozedur zur Dekontamination durchlaufen. Hier steht ein Virologe unter einer Chemiedusche. (Bild Peter Schneider/Keystone (19. November 2014))

Ursprüngliche Dosis konnte beibehalten werden

Alles in allem waren die Forschungsergebnisse bisher erfreulich: Weder musste seit der ersten Anwendung 2015 die Dosierung geändert werden, noch wurden starke Nebenwirkungen festgestellt. «Als vor ein paar Jahren klar wurde, dass die Impfung wirkt, fiel uns ein Stein vom Herzen», erinnert sich Engler. «Endlich haben wir ein Werkzeug in der Hand, um den Ebola-Ausbrüchen entgegenzutreten. Der aktuelle Ausbruch im Osten Kongos konnte auf diese Weise immerhin eingedämmt werden.» Momentan arbeitet das Labor Spiez an einer Studie, die genauere Erkenntnisse über die Wirkung von rVSV-ZEBOV bei Kindern bringen soll. Ebenso testen die Forscher die Langzeitwirkung des Impfstoffs. Fallen die Erkenntnisse gut aus und bestätigt sich der gute Impfschutz im Kongo, sollte einer offiziellen Zulassung nicht mehr viel im Weg stehen, so Engler.

Wie die aktuelle Situation im Kongo zeigt, ist die Verfügbarkeit des Impfstoffs allein allerdings kein Garant dafür, eine Epidemie zu beenden. Regierung und Ärzte kämpfen gegen das Unwissen und Misstrauen der Bevölkerung an. Zudem ist es wegen des gegenwärtigen Konflikts schwierig, manche Dörfer zu erreichen. «Beides schwächt die Wirkung der Ringimpfung, die bei Ebola angewendet wird», sagt Engler. Diese funktioniert wie folgt: Zuerst werden jene Menschen geimpft, die mit einem Infizierten direkt in Berührung kamen, zum Beispiel Familie, Freunde oder Ärzte. In einem zweiten Schritt wird auch deren Umfeld geimpft. So entsteht ein Schutzring um den Erkrankten – was in der Theorie einfacher ist als in der Praxis. Impfteams müssen sich laut Medienberichten etwa durch den Dschungel schlagen und Konfliktgebieten umgehen. Trotzdem schaffen sie es laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), über 90 Prozent der Kontaktpersonen zu impfen.

Der Nachteil der Ringimpfung ist, dass die Bevölkerung nicht flächendeckend und präventiv geimpft wird, sondern dass erst nach Ausbruch der Krankheit gehandelt wird. Das liegt daran, dass Ebola bisher als «rare disease» gilt, wie es Engler ausdrückt. Also als seltene Krankheit, für die eine flächendeckende Impfung zu aufwendig wäre und die gegenwärtig verfügbaren Impfdosen nicht ausreichen würden. Ob sich dies mit Blick auf Tausenden Todesfälle in absehbarer Zeit ändert, ist unklar. Merck äussert sich auf Anfrage nicht zu der künftigen Verwendung des Impfstoffs, da die Anträge noch geprüft würden.

Regierung des Kongo wehrt sich gegen weiteren Impfstoff

Das drängendere Problem ist momentan, dass der Vorrat der Impfdosen zur Neige geht. Ungefähr 209 000 Einheiten sind laut Merck aktuell noch verfügbar. Der Konzern arbeite daran, das Angebot in den nächsten 6 bis 18 Monaten um 650 000 weitere Einheiten zu ergänzen. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, empfiehlt die WHO deshalb, einen anderen experimentellen Impfstoff des US-Konzerns Johnson&Johnson einzusetzen. Wie das Unternehmen auf Anfrage bestätigt, stehen rund 1,5 Millionen Dosen bereit. Ein Teil davon sei bei der Tochterfirma Janssen Vaccines in Bern-Bümpliz produziert worden. Die Entscheidung, ob dieses Mittel eingesetzt wird, liegt bei der Regierung des Kongo. Und diese will weiterhin nur einen Impfstoff einsetzen, um die Bevölkerung nicht zu verwirren. Denn der neue Impfstoff wird anders angewendet und erfordert zwei Injektionen. Wie Johnson&Johnson sagt, ist das Unternehmen diesbezüglich mit der Regierung in Kontakt.

Absolute Sicherheit im Labor Spiez

In Europa gibt es nur eine Handvoll Labors, die mit Erregern der höchsten Risikogruppe vier forschen können. In der Schweiz ist das Labor Spiez das einzige. Erreger dieser Gruppe lassen sich leicht übertragen und sind praktisch nicht therapierbar. Zu dieser Gruppe gehört Ebola. Im Labor Spiez wird dieses Virus deshalb unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen kultiviert und untersucht. Für die Mitarbeiter gelten strikte Vorschriften, wie etwa das Arbeiten in Schutzanzügen mit Sauerstoffzufuhr. Nach ihrer Schicht müssen sie jeweils eine Prozedur zur Dekontamination durchlaufen. Zusätzlich weist der entsprechende Laborraum selbst rund um die Uhr besondere Anforderungen auf. Beispielsweise herrscht im Raum Unterdruck, damit – sollten im erdbebensicheren Gebäude dennoch Risse entstehen – die Luft von draussen hineinströmt und nicht umgekehrt.

Die Virologie, der das «Labor vier» angeschlossen ist, ist nur ein kleiner Teil des breiten Tätigkeitsfelds des Labors Spiez. Es ist zuständig für den Schutz der Bevölkerung vor atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen (ABC-Schutz), dazu gehören etwa die Rüstungskontrolle und die Überwachung der Radioaktivität. Das Labor Spiez ist dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz im VBS unterstellt. Der breiten Öffentlichkeit wurde es 2018 durch die Skripal-Affäre und die Spionage durch Russland bekannt. (gjo)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.