Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Tessiner Syrienkämpfer steht vor dem Militärgericht

Der Schweizer Johan Cosar hat von Ende 2012 bis 2015 in einer christlichen Milizarmee in Syrien gegen den IS gekämpft. Nun soll er wegen fremden Militärdienstes verurteilt werden.
Gerhard Lob, Bellinzona
Der in St.Gallen geborene Aramäer muss sich vor dem Militärgericht verurteilen, da er in einer christlichen Milizarmee in Syrien kämpfte. (Symbolbild: Keystone /Samuel Golay)

Der in St.Gallen geborene Aramäer muss sich vor dem Militärgericht verurteilen, da er in einer christlichen Milizarmee in Syrien kämpfte. (Symbolbild: Keystone /Samuel Golay)

Ein aussergewöhnlicher Prozess beginnt am morgigen Mittwoch in Bellinzona: Der 37-jährige Johan Cosar muss sich wegen Schwächung der Wehrkraft verantworten. Der Schweizer mit dem Grad eines Unteroffiziers war im Sommer 2012 seinem Vater nach Syrien gefolgt, um als Journalist aus dem Kriegsgebiet zu berichten. Doch als er sich im Nordirak aufhielt und merkte, dass eine christliche Minderheit von den islamistischen Gruppierungen Al Nusra und Al Kaida bedroht war, entschloss er sich selbst zum Kampf mit der Waffe. Diesen Schritt erklärte Cosar erklärte vergangenes Jahr in einem Blick-Interview:

«Ich befürchtete einen Genozid.»

Cosar nahm in Syrien den Namen Omid (Hoffnung) an und half massgeblich, eine eigene Kampftruppe gegen den IS aufzubauen, die bis zu 500 Soldaten zählte. Er führte die Truppe der jungen Männer an, ausgerüstet mit Kalaschnikows und Handgranaten. Dabei profitierte er auch von den Erfahrungen als Ausbildner bei der Schweizer Armee, wie er in etlichen Berichten erzählte. Denn Cosar hat sein Engagement nie verheimlicht. In Reportagen und Interviews aus dem Kriegsgebiet war er häufig präsent.

Er wollte Christen vor Bedrohungen schützen

Johan Cosar wurde in St.Gallen geboren, ist aber im Tessin aufgewachsen. Er ist Aramäer, christlicher Syrer. Seine Familie lebt in der dritten Generation in der Schweiz. Sein Vater verschwand 2013. Er wurde offenbar vom syrischen Geheimdienst verhaftet und deportiert.

Johan Cosar wollte mit seiner Miliz Christen vor Bedrohungen schützen. Dabei halfen auch Mitglieder der assyrischen Gemeinde in der Schweiz mit ihren Spendengeldern. 2015 kehrte Cosar dank falscher Papiere in die Schweiz zurück. Er wurde als «Foreign Fighter» vorübergehend verhaftet, tauchte danach teils ab. Letztes Jahr erhob die Militärjustiz dann Anklage wegen des Leistens fremden Militärdienstes. Gemäss Artikel 94 des Militärgesetzes droht für dieses Delikt eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Prozess hätte im Dezember 2018 stattfinden sollen

Der Prozess hätte schon im Dezember 2018 stattfinden sollen, wurde aber verschoben. Er wird in italienischer Sprache in den Räumlichkeiten des Bundesstrafgerichts stattfinden. Verteidigt wird Cosar vom Luganeser Anwalt Yasar Ravi. Auf Anfrage dieser Zeitung sagte Ravi am Montag:

«Ich werde einen Freispruch beantragen.»

Cosar erklärte bereits letzte Jahr, dass er keine Schuld auf sich geladen habe. Er habe sich selbst und andere vor extremen Terroristen verteidigt. Er hätte Kinder und Frauen im IS-Gebiet aus Erdlöchern befreit, in welche diese von Jihadisten lebendig begraben worden seien. «Nein, ich bereue keinen Tag meines Kampfes – ich bin stolz darauf gekämpft zu haben», so der ehemalige Foreign Fighter.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.