Kommentar
«Hallo SRF!» mit Nathalie Wappler dauerte eine Stunde – es fühlte sich an wie drei

Das Schweizer Fernsehen kämpft mit Problemen. In einer Publikumssendung kamen sie am Mittwochabend aber nicht zur Sprache. Die Geschäftsleitung liess sich nette Fragen stellen und demonstrierte Kundennähe. Der Effekt: enorm einschläfernd.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Wurde nicht gefordert: SRF-Direktorin Nathalie Wappler.

Wurde nicht gefordert: SRF-Direktorin Nathalie Wappler.

Screenshot SRF

Der Tag begann gut für Nathalie Wappler. Das Schweizer Fernsehen wies einen Marktanteil von 33,5 Prozent für das vergangene Jahr aus – ein recht hoher Wert. Dazu trugen die Fussball-Europameisterschaft bei und die Olympischen Sommerspiele, aber SRF machte kürzlich auch mit der schrägen Krimikomödie «Tschugger» auf sich aufmerksam.

Noch besser wurde es dann am Abend. Die Geschäftsleitung des Schweizer Fernsehens stellte sich in der Sendung «Hallo SRF!» ihrem Publikum. Die Probleme des Senders wurden dabei nicht einmal gestreift. «Hallo SRF!» war aufregend wie eine Yogastunde.

Lässt ein grosses Medium seine Kundinnen und Kunden reden, ohne konkrete Fragen zu stellen oder die Themen klar zu umreissen, kommt es immer gleich heraus: Ein bunter Salat wird angerichtet. Der eine Zuschauer findet, dass der Moderator der «Tagesschau» zu langsam spreche, einem anderen geht alles zu schnell. Die eine wünscht sich mehr Hintergrundinformation im Sport, der andere weniger. Jemand will Basketball sehen, der andere Landhockey.

Moderator Sven Epiney nahm am Laptop Publikumsreaktionen entgegen. Von A bis Z komme alles; die Rückmeldungen seien sehr unterschiedlich, sagte er.

Man gibt sich Mühe, die Anliegen der Zuschauer ernst zu nehmen

SRF-Direktorin Nathalie Wappler erklärte einem brummigen Fernsehzuschauer, warum einige Sendungen erst mit Verspätung ausgestrahlt werden. Sie gab sich interessiert. Und wirkte aufgeräumt. Wappler wusste: Die Schwierigkeiten, mit denen SRF kämpft, würden in der Publikumssendung nicht zur Sprache kommen.

Ein Moderator nach dem anderen verlässt den Sender. Die Belegschaft ist unzufrieden. Die Entwicklung profilierter digitaler Programme stockt. Der Sender kämpft mit schweren technischen Problemen und gibt für deren Bewältigung Unsummen aus. Die Nachrichtenprogramme büssen an Qualität ein, der ganze Sender an Profil.

All dies kam an diesem Abend nicht zur Sprache. Ein Zuschauer wollte wissen, wieso der Moderator einer Live-Übertragung Hochdeutsch spreche und sein Co-Moderator Schweizerdeutsch. Das sei störend.

Die Geschäftsleitung von SRF durfte Publikumsnähe demonstrieren. Sie zeigte, dass sie die Anliegen der Zuschauerinnen und Zuschauer ernst nimmt. Oder dass sie wenigstens so tut als ob.

Der Mitte-Präsident besticht mit seiner Absenz

Nur als die Kulturabteilung kurz im Fokus stand, kreisten Fragen mehrmals um das Thema: Ist es nicht gar seicht, was diese Sparte präsentiert, zum Beispiel im «Kulturplatz»? Kulturchefin Susanne Wille kam nicht umhin, das umgehend in Abrede zu stellen.

Die Präsidenten der grossen Schweizer Parteien durften je ein paar Sätze in die Kamera sagen. SVP-Präsident Marco Chiesa meinte, SRF stehe zu weit links. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer erklärte, SRF stehe zu weit rechts. Nur Mitte-Präsident Gerhard Pfister sagte nichts und stellte damit seine Verachtung der SRG unter Beweis.

«Hallo SRF!» dauerte eine Stunde. Sie kam einem vor wie drei. Gegen die Streichung dieser Sendung ist nichts einzuwenden. Das Schweizer Fernsehen muss bekanntlich Geld sparen.

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