Exkursion

Schweizer Bischofskonferenz macht sich Bild in der Türkei

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat sich vergangene Woche in der Türkei ein Bild der laufenden Veränderungen in der türkischen Gesellschaft und deren Folgen für die Christen gemacht. Die Arbeitsgruppe "Islam" der SBK zog am Montag eine positive Bilanz der Reise.

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Die Religionsfreiheit hat in der Türkei gemäss Bischofskonferenz in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht.

Die Religionsfreiheit hat in der Türkei gemäss Bischofskonferenz in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht.

/AP/MURAD SEZER

Ziel der Reise war es unter anderem, "die christlichen Minderheiten in dieser Region moralisch zu unterstützen", wie es in einer Mitteilung der SBK heisst. So traf die Delegation unter der Leitung Leitung von Bischof Alain de Raemy, Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Repräsentanten der Muslime, Christen und Juden in Ankara und Istanbul.

Sowohl der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäos, als auch der Metropolit Elpidophoros Lambrinadis, Erzbischof von Bursa, zeichneten gemäss Mitteilung "ein eher positives Bild von den Fortschritten der Religionsfreiheit in den vergangenen Jahren" in der Türkei.

Diese Beurteilung der Lage werde auch vom Präsidenten der katholischen Bischofskonferenz der Türkei, Erzbischof Levon Zekiyan, geteilt. Die Delegation stellte bei ihren Begegnungen fest, dass die Christen als kleine Minderheit in der Türkei zu einer offenen und fruchtbaren ökumenischen Haltung gefunden haben.

Die Delegation sprach bei ihren Treffen - unter anderem mit Religionsminister Mehrmet Görmez - auch die immer stärkere Sichtbarkeit des Islams in der türkischen Gesellschaft an. Gemäss Mitteilung hätten die muslimischen Gesprächspartner versichert, "dass die säkulare Rechtsordnung auch nach der beabsichtigten Verfassungsüberarbeitung erhalten bleibe".

Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP will mit einer Verfassungsänderung ein Präsidialsystem einführen. So soll das Amt des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit mehr Macht ausgestattet werden. Allerdings braucht er dafür die Unterstützung der Opposition. Diese lehnt das geplante Präsidialsystem aber ab und wirft Erdogan ein Abgleiten in eine autoritäre Herrschaft vor.

Das Ziel, seine Position als Staatschef zu stärken und die politischen Strukturen in der Türkei umzubauen, verfolgt Erdogan bereits seit längerer Zeit. Ihm schwebt eine Rolle als Staatschef wie in den USA, Russland oder Frankreich vor. Laut Erdogan braucht die Türkei ein solches System, weil das parlamentarische System am Ende sei.