Schweiz verurteilt Anschlag auf Nawalny – und fordert Antworten aus Russland

Beim Schweizer Aussendepartement zeigt man sich besorgt über den Versuch, den russischen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny mit einem Kampfstoff zu vergiften. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Lucien Fluri
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Wurde vergiftet: Alexei Nawalny.

Wurde vergiftet: Alexei Nawalny.

Key/Jean-François Badias

Auch im Schweizer Aussendepartement in Bern (EDA) ist man besorgt über den Anschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny. «Die Schweiz verurteilt den Anschlag auf ihn mittels eines Nervenkampfstoffs der «Novichok»-Klasse in aller Schärfe», sagt EDA-Sprecher George Farago. Nawalny sei «eine bekannte Persönlichkeit der russischen Politik» und habe sich «insbesondere für eine unabhängige Justiz und im Kampf gegen die Korruption engagiert».

«Äusserst besorgniserregend» ist aus Sicht des Aussendepartementes auch, dass nach dem Anschlag auf Sergei Srikpal im März 2018 in Grossbritannien nun erneut ein Nervengift der Novichok-Klasse verwendet worden sei. Schliesslich seien als Folge des damaligen Anschlags Chemikalien dieser Familie "im Rahmen der Chemiewaffenkonvention (CWC) völkerrechtlich verboten" worden.

"Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden"

Die Schweiz fordert als Folge des neuerlichen Novichok-Anschlags nun Antworten. Man fordere die russischen Behörden auf, «eine rasche und umfassende Untersuchung vorzunehmen», sagt EDA-Sprecher Farago. Allenfalls sei die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) einzubeziehen. «Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden», so die klare Forderung der offiziellen Schweiz. Man werde die weiteren Entwicklungen «mit grosser Aufmerksamkeit» verfolgen.

Nawalny, der am 20. August vergiftet worden war, wird derzeit in Berlin behandelt. Die deutsche Regierung hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass der 44-Jährige mit einem Kampfstoff der Novichok-Klasse vergiftet worden sein soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag "aufs Schärfste".

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