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Konsumentenschützerin fürchtet «schwedische Verhältnisse»: Schweiz soll ein Bargeld-Land bleiben

In Schweden sind Münzen und Noten fast aus dem Alltag verschwunden. Die oberste Konsumentenschützerin der Schweiz will skandinavische Verhältnisse verhindern.
Sven Altermatt
In der Schweiz werden 70 Prozent der Bezahlungen in bar getätigt. (Bild: KEYSTONE/Christian Beutler)

In der Schweiz werden 70 Prozent der Bezahlungen in bar getätigt. (Bild: KEYSTONE/Christian Beutler)

Als erstes Land Europas hat Schweden im Jahr 1661 die Banknoten eingeführt. Nun könnte es auch das erste sein, das sie wieder abschafft. «Vi hanterar ej kontanter», steht auf Schildern in vielen Ladengeschäften im skandinavischen Staat. Man akzeptiere kein Bargeld, heisst das.

Es ist eine stille Revolution im Gang: Über 80 Prozent der Zahlungen werden mit Bankkarten oder Smartphone-Apps abgewickelt, das gilt als praktisch und effizient. Ökonomen rechnen damit, dass Bargeld bis 2023 ganz aus dem schwedischen Alltag verschwunden sein wird.

Skeptisch sind derweil Konsumentenschützer. Sie hegen einerseits den Verdacht, dass die schwedischen Banken das Land in eine völlige Bargeldlosigkeit treiben wollen, weil sie an der baren Krone ohnehin nichts verdienen. Andererseits denken sie an den Datenschutz. Ist der Zahlungsverkehr erst mal durchdigitalisiert, weiss die Bank genau, wer wo wie viel und wofür Geld ausgibt.

Und in der Schweiz? Der obersten Konsumentenanwältin des Landes ist unwohl, wenn sie an die Situation in Schweden denkt. Prisca Birrer-Heimo befürchtet auch in der Schweiz eine schrittweise Abschaffung von Noten und Münzen. «Die Meldungen von Privatpersonen häufen sich, dass es nicht mehr möglich ist, mit Bargeld zu bezahlen», sagt die Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz und Luzerner SP-Nationalrätin. Stossend sei vor allem, wenn Bundesbetriebe und Banken, die eine grosse Marktmacht hätten, Scheine nicht mehr akzeptieren würden.

Birrer-Heimo verweist auf aktuelle Fälle. So planten etwa die SBB den bargeldlosen Verkauf von Tickets, bei Raiffeisen-Banken würden die Kassenschalter zusehends abgeschafft und in Postagenturen seien Bargeld-Transaktionen sogar staatlich eingeschränkt.

Darüber hinaus machen es Detailhändler und selbst Fachgeschäfte ihren Kunden immer einfacher, bargeldlos zu zahlen. Noch weiter ging eine Zürcher Bäckerei, die voll auf Kartenzahlungen setzt. Ihre Mitarbeiter müssen nicht mehr Scheine bündeln und Münzen rollen.

Bargeld-Pflicht verankern

Prisca Birrer-Heimo hat sich mit ihren Sorgen an den Bundesrat gewandt. In einem Vorstoss wollte die Konsumentenschützerin wissen, wie er garantieren will, dass ein Kunde weiterhin in allen Läden mit Bargeld bezahlen kann. Schliesslich handle es sich um ein gesetzliches Zahlungsmittel, so Birrer-Heimo.

Eine Bargeld-Pflicht kann aus diesem Umstand trotzdem nicht abgeleitet werden, wie der Bundesrat in seiner Vorstossantwort erinnert. Zwar sind Geschäfte gemäss dem Bundesgesetz über die Währung verpflichtet, schweizerische Banknoten und Münzen anzunehmen. Es handelt sich allerdings um ein dispositives Recht; so wie in Schweden. Konkret heisst das: Bei Verstössen gegen die Annahmepflicht drohen Händlern keine Sanktionen. Denn letztlich dürfen sie selbst bestimmen, in welcher Form sie Geld akzeptieren und in welcher nicht. Es reicht, eine entsprechende Einschränkung in den allgemeinen Geschäftsbedingungen zu vermerken oder an der Kasse ein Schild aufzustellen.

Die Vertragsfreiheit gehe vor, betont der Bundesrat. Ebenso sei die Wahl der Zahlungsmittel jedem selbst überlassen. Für Birrer-Heimo macht es sich die Landesregierung mit dieser Antwort zu einfach. Sie überlegt sich deshalb nun, auf dem parlamentarischen Weg zu fordern, das dispositive Recht in zwingendes Recht umzuwandeln – und so doch noch eine Bargeld-Pflicht in der Schweiz zu verankern.

Mehr Umsatz mit Debitkarten

Die Konsumentenschützerin sieht einen «deutlichen Widerspruch», weil Transaktionen mit Bargeld verunmöglicht würden, Noten und Münzen sich aber weiterhin grosser Beliebtheit erfreuten. In der Tat ist die Schweiz von schwedischen Verhältnissen noch weit entfernt. Das verdeutlicht eine im Frühjahr dieses Jahres publizierte Untersuchung der Schweizerischen Nationalbank, die 22'500 Transaktionen von 2000 Personen ausgewertet hat. 70 Prozent der Bezahlungen werden demnach in bar getätigt. Die Nachfrage nach Cash sei weiterhin robust, hält der Bundesrat mit Verweis auf die Studie fest.

Allerdings zeigt der kürzlich erstmals veröffentlichte «Swiss Payment Monitor» der Zürcher Hochschule ZHAW und der Uni St. Gallen: Bargeld ist besonders bei Transaktionen mit tiefen Beträgen bis 20 Franken beliebt. Umsatzmässig ist die Debitkarte stärker. Mit 37 Prozent aller Ausgaben einer Person liegt sie knapp auf dem ersten Platz, Bares folgt mit einen Anteil von 36 Prozent.

Neue digitale Bezahlformen würden mit Umsatzanteilen im einstelligen Bereich noch verhalten genutzt, seien in der Bevölkerung aber bereits gut bekannt. Laut der ZHAW-Forscherin Bettina Gehring zeichnet sich allmählich ein Wandel ab. «Bargeld ist zwar nach wie vor nicht aus dem Alltag wegzudenken, jedoch wächst das Interesse an anderen Zahlungsmitteln bei der Schweizer Bevölkerung stetig.» Noten und Münzen verlieren an Bedeutung, man könnte das auch so formulieren.

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