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Schweiz ist im Gerangel um Impfstoffe im Nachteil

Immer wieder fehlen hierzulande Impfstoffe. Die Landesregierung will nun prüfen, ob der Bund wichtige Präparate für die ganze Schweiz einkaufen soll. Ärzte und Apotheker sind jedoch skeptisch.
Maja Briner
Eine Praxisassistentin verabreicht eine Grippeimpfung. (Gaetan Bally/Keystone)

Eine Praxisassistentin verabreicht eine Grippeimpfung. (Gaetan Bally/Keystone)

Ausgerechnet das Pharmaland Schweiz hat keine besonders guten Karten, um sich die weltweit knappen Impfstoffe zu besorgen. Das gestand der Bundesrat kürzlich ein: Die Schweiz sei «bei der Impfstoffbeschaffung im Vergleich mit den meisten europäischen Ländern schlechter positioniert», schrieb er. Ein Grund ist die Kleinheit des Marktes.

Das hat Folgen. «Aktuell fehlt zum Beispiel ein Polio-Impfstoff, der gerade vor den Ferien häufig gebraucht wird», sagt Christoph Berger, Kinderarzt und Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen. Ärzte müssen auf Kombi-Präparate ausweichen, die Patienten werden also gegen weitere Krankheiten geimpft – auch wenn das nicht nötig wäre. Auch manche Impfstoffe für Kinder seien eher knapp, sagt Berger: «Wir kommen momentan gerade so über die Runden.»

Wer nicht liefert, wird gebüsst

Das macht Gesundheitspolitikern Bauchweh. «Die Schweiz hat ein notorisches Problem bei der Impfstoffversorgung», sagt SP-Nationalrätin Bea Heim. Der Bundesrat müsse Massnahmen prüfen, fordert sie in einem Vorstoss, der auch von Bürgerlichen unterstützt wird. Einer von Heims Vorschlägen: Der Staat könnte wichtige Impfstoffe einkaufen und Lieferverträge abschliessen. Liefern die Firmen nicht genug, droht eine Busse.

Der Bundesrat hält das Modell für prüfenswert: Er zeigt sich bereit, das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu analysieren, wie er in der Antwort auf die Motion schreibt. Mehrere Länder, etwa die Niederlande, kennen bereits einen solchen zentralen Einkauf. Das hat Folgen für die Schweiz: Apotheken oder Arztpraxen sind im Vergleich dazu kleinere und damit oft unwichtigere Kunden.

Der Apothekerverband Pharmasuisse ist indes skeptisch gegenüber dem zentralen Einkauf. Er sieht zwar Vorteile für die Versorgungssicherheit im Krisenfall. Allerdings sei es schwierig, das Volumen zu steuern, warnt er. Ähnlich klingt es beim Ärzteverband FMH: Vielleicht könne ein Teil der Probleme gelöst werden, es könnten aber neue geschaffen werden. Auch Impfkommissionspräsident Berger äussert sich zurückhaltend. Er finde es gut, wenn die Massnahme evaluiert werde. Es gebe aber viele offene Fragen, etwa wie die Verteilung funktionieren solle. «Die Umsetzung wäre nicht einfach», sagt er.

«Machen uns das Leben selbst schwer»

Den Hebel ansetzen könnte man laut Berger beim Zulassungsverfahren. «Wir machen uns das Leben selber schwer», sagt er. In der Schweiz seien 30 Impfstoffe nicht zugelassen, die in der EU bewilligt seien. Weshalb, ist unklar: Das Heilmittelinstitut Swissmedic darf keine Auskunft geben, ob es ein Gesuch abgelehnt hat oder ob eine Firma gar keins gestellt hat, etwa weil ihr der Aufwand zu hoch ist.

Würde das Verfahren für in der EU zugelassene Impfstoffe vereinfacht, könnte es für Firmen attraktiver werden, ein Gesuch zu stellen, glaubt Berger. Druck kommt auch aus dem Parlament: FDP-Nationalrat Bruno Pezzatti (ZG) fordert in einer Motion eine Beschleunigung der Verfahren.

Der Bundesrat verteidigt das System jedoch. Er setzt auf eine andere Massnahme: Um Engpässe zu überbrücken, verpflichtete er die Pharmabranche vor knapp zwei Jahren, bei gewissen Impfstoffen Pflichtlager anzulegen. Diese füllen sich wegen der weltweiten Knappheit indes nur langsam. «Aktuell reichen die Pflichtlager im Schnitt für knapp einen Monat», sagt Hans Peter Linder, Geschäftsführer der Pflichtlagerorganisation Helvecura. Je nach Impfstoff sei die Lage unterschiedlich: Während ein Lager vollständig aufgebaut sei, könne bei einem anderen erst jetzt mit dem Aufbau begonnen werden.

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