Schweiz bleibt Hochpreisinsel

Obwohl der Euro massiv an Wert verloren hat, sind viele Importprodukte nicht günstiger geworden. Dies bestätigt eine Studie des Volkswirtschaftsdepartements.

Eveline Rutz
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Konsumenten profitieren zu wenig. (Bild: ky)

Konsumenten profitieren zu wenig. (Bild: ky)

BERN. Eine Packung Babynahrung mit Getreide kostete vor einem Jahr durchschnittlich 5.83 Franken. Inzwischen ist sie für 5.97 Franken zu haben. In Deutschland hat sich das gleiche Produkt von 2.10 auf 1.95 Euro verbilligt – obwohl der Euro an den Devisenmärkten getaucht ist.

Von Nachfrage abhängig

Das Beispiel erklärt, weshalb derzeit viele Schweizer im Ausland einkaufen. Von den Währungsgewinnen können sie im Inland kaum profitieren. Diesen Verdacht bestätigt nun eine Studie des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD). Sie dokumentiert, dass die Verbilligung der Importe nur zögerlich weitergegeben wird. Die Preisgestaltung erfolgt oft nicht kostenbasiert, sondern stützt sich auch auf die Nachfrage ab. Zieht die Konjunktur an, werden die Preise tendenziell erhöht. Trüben sich die Konjunkturprognosen, werden vermehrt Rabatte gewährt. Dass Einkaufsvorteile kaum an die Konsumenten weitergegeben werden, prangern Konsumentenschützer seit Monaten an. Bei der Bekleidung seien die Preisunterschiede immer noch massiv, sagt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Handlungsbedarf sieht er zudem bei der Kosmetik, den Möbeln, Zeitschriften, Schuhen, Sportartikeln und teilweise auch bei den Elektronikgeräten. «Diese Branchen könnten noch aufholen.» Im Detailhandel habe sich einiges verbessert, stellt Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin der SKS, fest. «Hier hat der Druck der Konsumenten und der Medien gewirkt.» Dass die Kaufkraft bei der Preisgestaltung eine Rolle spielt, ist den Konsumentenschützern ein Dorn im Auge. «Man kann von einem Zuschlag Schweiz sprechen», sagt Birrer-Heimo. Eine Preisdifferenz allein aufgrund der Kaufkraft sei nicht akzeptabel, sagt auch der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm. Bei Exportprodukten könne die Schweiz mit diesem Argument ja auch nicht höhere Beträge einfordern.

Forderungen an die Weko

Birrer-Heimo wünscht sich von der Wettbewerbskommission ein entschiedeneres Vorgehen. «Sie muss sich auch grössere Firmen vornehmen.» Etwa im Textilbereich agiere die Weko mit Samthandschuhen. Die Kommission sei zahnlos, sagt Strahm. «Sie hätte schon die gesetzliche Handhabe, um mehr Verfahren durchzuführen.» Denkbar sei, mehr Fälle dem Preisüberwacher zu übertragen.