Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schutzhunde beissen doppelt so oft zu

Hirtenhunde zur Abwehr von Raubtieren halten auch Menschen von ihren Herden fern. Das führt zu deutlich mehr Konflikten mit Freizeitsportlern im Berggebiet.
Fabian Fellmann
Ein Schutzhund bewacht seine Schafherde auf einer Alp im Wallis. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Plan-Cernet, 10. Juni 2014)

Ein Schutzhund bewacht seine Schafherde auf einer Alp im Wallis. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Plan-Cernet, 10. Juni 2014)

Zur krassesten Reaktion entschied sich vor drei Wochen ein Walliser Bauer: Er liess seinen Schutzhund einschläfern, nachdem das Tier einem Wanderer die Wade blutig gebissen hatte. Dieses Schicksal ereilt nur einen kleinen Teil der Freizeitsportler in den Bergen – und auch die wenigsten Schutzhunde. Doch die Konflikte zwischen den meist weissen Hirtenhunden und den Wanderern, Bikern und anderen Naturfreunden nehmen stark zu.

Die Wachtiere bissen im vergangenen Jahr mehr als doppelt so oft zu als in den Vorjahren: 19-mal gingen sie mit den Zähnen auf Menschen los, 4-mal erwischten sie andere Hunde. Das geht aus dem jüngsten Jahresbericht der Fachstelle Herdenschutz hervor.

Auch wenn die Verletzungen meist leicht waren, wenn ein Schutzhund einen Menschen biss, floss bei zwei Dritteln der Opfer Blut. Die anderen kamen mit Kratzern und Blutergüssen davon. Ist das Gegenüber ein anderer Hund, sind die Folgen gravierender: Meist seien die Blessuren dann mittelschwer bis schwer, sagt François Meyer von der Fachstelle Herdenschutz.

Mehr Hunde und problematische Reaktionen

Die Gründe für den Anstieg der Vorfälle sind nicht ganz klar. Sicher sind mehr Hunde im Einsatz: Die Zahl der vom Bund anerkannten Schutzhunde ist von 203 auf 221 gestiegen. Das gute Wetter dürfte laut Meyer eine Rolle gespielt haben: Im vergangenen Sommer war es trocken und warm, die Zahl der Freizeitsportler in den Bergen war hoch.

Neu aufgefallen ist den Verantwortlichen, dass die Hunde zunehmend gereizt sind, wenn sie sich öfter gestört fühlen. «Hirten haben bemerkt, dass einige Hunde gegen Nachmittag schärfer reagieren, wenn schon am Morgen viele Wanderer über eine Weide gelaufen sind», sagt Meyer. Bei anderen Hunden entwickelte sich das zunehmend «dissuasive Verhalten», so die Fachsprache, über mehrere Wochen hinweg. Das Vorgehen der Schutzhunde wird nach besonderen Vorfällen abgeklärt; fiele ein Tier als Problemhund auf, käme es für die Aufgabe nicht mehr in Frage. Das ist indes selten. Denn meist trägt die Reaktion der Menschen dazu bei, dass ein Hund zubeisst. «Wir haben Hinweise auf mehrere Fälle, in denen sich die Menschen nicht korrekt verhielten», sagt Meyer. Einige Wanderer hätten die Hunde angeschrien, mit Stöcken zu schlagen versucht oder Steine nach ihnen geworfen. «Ein Hund hatte sogar Augenprobleme, die uns darauf schliessen lassen, dass er mit Pfefferspray besprüht wurde», sagt Meyer.

Umgehen oder vorsichtig und langsam durchqueren

Der Fachmann empfiehlt, Gebiete mit Herdenschutzhunden nach Möglichkeit zu umgehen. Wo Schutzhunde zu erwarten sind, zeigt die Internetversion der Landeskarte an. Insbesondere rät Meyer dringend davon ab, eine bewachte Weide mit anderen Hunden zu betreten. Lässt sich die Durchquerung nicht vermeiden, sollten Passanten möglichst weit entfernt und langsam an der Herde vorbeigehen, Velofahrer sollen absteigen.

Die Fachstelle für Herdenschutz hat nach einigen Bissen im vergangenen Jahr zudem die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft beigezogen. Diese hat eine Reihe von Verbesserungen empfohlen: Halter von Schutzhunden sollen zusätzliche Warn- und Hinweis­tafeln aufstellen. Zudem werden zunehmend Wanderwege umgeleitet und Bauernhöfe durch Tore abgeriegelt, um das Konfliktpotenzial zu verringern. Schon bisher durchlaufen Schutzhunde eine Ausbildung, an deren Ende sie die «Einsatzbereitschaftsüberprüfung» bestehen müssen, bevor sie ihre Aufgabe als anerkannte Schutzhunde antreten dürfen.

Wanderlobby begrüsst Präventionsmassnahmen

Die Qualität der Hunde habe sich stark verbessert, sagt François Meyer von der Fachstelle Herdenschutz. Mit dem Strauss von Massnahmen hoffen die Verantwortlichen, die Konflikte zu begrenzen – obwohl immer mehr Freizeitsportler in die Berge ziehen. Nicht überall reicht das: Auf der Urner Unteralp bei Andermatt etwa hat die Korporation den Einsatz von Schutzhunden untersagt, nachdem Einheimische Unterschriften gesammelt hatten, wie die «Sonntagszeitung» berichtete. So weit will Michael Roschi, Geschäftsleiter von Schweizer Wanderwege, nicht gehen. «Natürlich ist der Einsatz von Schutzhunden ein wichtiges Thema für uns», sagt Roschi vom Verband der Wanderweg-Vereine. Vor allem für Personen, die vor Hunden Respekt haben, sei eine Begegnung mit den beeindruckenden Herdenschutzhunden äusserst unangenehm.

Dank der verschiedenen Präventionsmassnahmen, an denen der Verband mitgearbeitet habe, sei die Zahl der Problemfälle relativ gering. Der Verband engagiert sich darum zusammen mit Herdenschutz Schweiz, die Wanderer, aber auch die Tierhalter weiterhin zu sensibilisieren, damit die Wanderer möglichst wenig eingeschränkt würden und Wege im Notfall nicht gesperrt, sondern umgeleitet würden. «Wir werden die Situation weiter beobachten, gerade mit der Zunahme der Zahl der Vorfälle, werden dar­aus lernen und unsere Massnahmen verbessern», sagt Roschi.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.