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Schulentscheid stösst auf Kritik

Der Fall der Sekundarschule im basellandschaftlichen Therwil, die es zwei Schülern aus religiösen Gründen erlaubt, ihrer Lehrerin nicht die Hand zu geben, sorgt schweizweit für Kopfschütteln und Kritik.
Richard Clavadetscher
Begrüssung per Handschlag: Der Händedruck ist ein hiesiges Kulturgut, die Verweigerung gilt als sehr unhöflich. (Bild: fotolia/vladstar)

Begrüssung per Handschlag: Der Händedruck ist ein hiesiges Kulturgut, die Verweigerung gilt als sehr unhöflich. (Bild: fotolia/vladstar)

Am Ende fand sich doch noch eine Schule: die Sekundarschule in Therwil BL. Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, weigerten sich dort zwei moslemische Schüler, ihrer Klassenlehrerin die Hand zu geben. Darauf schloss die Schulleitung eine «Vereinbarung» mit diesen Schülern ab: Sie müssen nun ihrer Lehrerin die Hand nicht schütteln.

Die Angelegenheit ist vor dem Hintergrund der letzten «Arena»-Sendung des Fernsehens SRF zu sehen. Dort fragte Moderator Jonas Projer Montassar Benmrad, den Präsidenten der (gemässigten) Föderation islamischer Dachorganisationen (Fids), ob man es akzeptieren müsse, wenn ein Schüler sage, er wolle der Lehrerin nicht die Hand geben. Erst auf Nachfrage hin antwortete Benmrad schliesslich: «Ja und Nein.»

Damit gab der Fids-Präsident eigentlich wieder, was Sache ist: Moslems sind in dieser Frage gespalten. Weil es den Islam nicht gibt, gibt es in dieser Religion eben auch unterschiedlich Auslegungen der Schriften. So geben einige Rechtsschulen vor, dass ein Mann eine Frau, die nicht seine Ehefrau ist, nicht berühren darf.

Die Nachricht von der Therwiler «Vereinbarung» führte noch am Sonntag zu einer lebhaften Diskussion insbesondere auf den sozialen Medien – doch nicht nur: Online-Medien, die ebenfalls über die «Vereinbarung» von Therwil berichteten, wurden mit Kommentaren förmlich überschwemmt.

«Krasser Fehlentscheid»

Die Kommentatoren waren sich – abgesehen von wenigen Einzelmeinungen – einig: Das darf nicht sein! Damit deckte sich Volkes Stimme mit den Äusserungen von Fachleuten und Exponenten aus der Politik. Noch am Sonntag liess sich der Schaffhauser Erziehungsdirektor Christian Amsler auf Facebook vernehmen. Der Schaffhauser ist nicht irgendwer, er präsidiert die Konferenz der Erziehungsdirektoren der Deutschschweiz (D-EDK). Sein Kommentar: «Ich halte dies für einen krassen Fehlentscheid.»

Amsler verweist dabei auf seine Zeit als Lehrer: «Selber habe ich zehn Jahre Schule gegeben und jeden Morgen meine Schülerinnen und Schüler mit einem Händedruck empfangen.» Dies habe Verbindung geschaffen. Der Händedruck sei ein hiesiges Kulturgut, so Amsler weiter. Ein verweigerter Händedruck bedeute «Unzufriedenheit, Unmut, Unfriede, Verweigerung, Nichtanerkennung von Autorität». Dies sei inakzeptabel einer Lehrperson gegenüber. Wir seien eine Kultur, in der man sich die Hände reiche von Mensch zu Mensch. Da hätten sich alle daran zu halten und sich dieser Gepflogenheit anzupassen.

Mit dieser Ansicht steht der D-EDK-Präsident nicht allein. Vielmehr erhält er Unterstützung von Bildungspolitikern von links bis rechts. Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE), Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK, etwa sagt zum Umgang mit Schülern: «Es gibt kein Pardon! Kein Sonderzüglein!» Wolle eine Lehrperson glaubwürdig sein, müsse sie alle Schüler gleich behandeln. Dies gelte auch im gegenwärtig zur Diskussion stehenden Fall. Nationalratskollege Felix Müri (SVP/LU), Präsident der WBK, sieht es nicht anders: Regeln müssten stets für alle Schüler gelten. Wer aus falsch verstandener Toleranz von diesem Grundsatz abweiche, gefährde am Ende die Integration und leiste dem Entstehen von Parallelgesellschaften Vorschub.

Auch Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, äussert sich in diese Richtung. Zemp ist zudem der Meinung, mit der Dispens vom Handschlag tue die Therwiler Schule den beiden Schülern keinen Gefallen: Einmal im Erwachsenenleben, befänden sich diese in der Situation, dass sie mit ihrem Verhalten andere Menschen brüskierten. «Denn fast hundert Prozent der Menschen hier empfinden einen verweigerten Handschlag als sehr unhöflich.» Die Schule habe nun einmal auch die Aufgabe, die Schüler mit unseren Gepflogenheiten bekannt zu machen.

Gutachten und Grundlagenpapier

Angesichts der einhelligen Kritik am Entscheid der Therwiler Schulleitung meldete sich gestern die Baselbieter Erziehungsdirektorin Monica Gschwind zu Wort – was sie zuvor noch ablehnte. Sie will einerseits an gleichen Regeln für alle «konsequent festhalten», äussert anderseits aber Verständnis für den Entscheid der Schulleitung: Er sei im Sinne eines reibungslosen Schulbetriebs gefällt worden. Allerdings könne dies keine dauerhafte Lösung sein. Gschwind will nun ein Gutachten zu Therwil erstellen und ein Grundlagenpapier für alle Schulen ausarbeiten lassen. – So geht Politik nun mal.

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