Schulen, Gastronomie, Ladengeschäfte: Welche Massnahmen können in der Schweiz wann gelockert werden?

Der Bundesrat gibt seinen Ausstiegsplan am Donnerstag bekannt. Welche Bereiche haben eine Chance auf eine rasche Lockerung der Einschränkungen? Eine Übersicht.

Sven Altermatt
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Schulen 

Wann dürfen Schulen wieder öffnen? Alain Bersets Innendepartement schlägt vor, zuerst die Primarschulen zu öffnen, wie die Redaktion von CH Media aus bundesratsnahen Quellen erfahren hat. «Irgendwo in der Mitte» liege die Wiedereröffnung auf der Zeitachse, erklärte Bundesrat Berset zuletzt noch vage. Klar ist: Die Öffnung dürfte schrittweise und abgestuft nach Bildungsstätten erfolgen. Denkbar wäre auch die Bildung kleinerer Gruppen – dass also nicht ganze Klassen gleichzeitig erscheinen. In dreieinhalb Wochen, am 11. Mai, könnte es so weit sein; diese Informationen decken sich mit einem Bericht der Tamedia-Portale. Erst später sollen die nächsten Klassenstufen und höhere Schulen den regulären Betrieb aufnehmen. 

Gastronomie

Bild: Christian Beutler / KEYSTONE

Bars und Restaurants dürften nicht zu den ersten Betrieben gehören, die wieder geöffnet werden. Davon gehen auch Gastrosuisse und Hotelleriesuisse aus. Die Branchenverbände haben dem Bund ein Konzept vorgelegt, das umfangreiche Massnahmen vorsieht – von Einschränkungen bei den Gästezahlen über Einlasssysteme bis hin zu einer Verdoppelung der durchschnittlichen Sitzfläche pro Gast. Mit zu starken Einschränkungen liessen sich viele Betriebe schlicht nicht mehr betreiben, warnt die Branche den Bund in einem Papier, das der Redaktion von CH Media vorliegt. Dies gelte insbesondere bei einer Einschränkung der Gästezahl.

Coiffeure

Die Haarpracht mancher Leute wird in diesen Wochen wilder und wilder. Die Coiffeure und andere «personenbezogene Dienstleister», wie das im Beamtenjargon heisst, wollen so bald wie möglich wieder öffnen. Deshalb prescht ihr Branchenverband Coiffure Suisse in einem Konzept selbst mit der Forderung nach einem Maskenobligatorium für Angestellte und Kunden vor. In den Salons soll wegen des Sicherheitsabstandes nur jeder zweite Platz genutzt werden. Weiter sieht das Konzept Einweghandschuhe, Einweg-Schutzumhänge und Desinfektion vor. 

Ladengeschäfte

Andere Länder sammeln bereits erste Erfahrungen: Damit Ladengeschäfte rasch wieder öffnen können, kann sich die Branchenorganisation Schweizerischer Filialunternehmungen sogar vorstellen, dass Verkaufspersonal und Kunden konsequent Schutzmasken tragen. Es brauche «verschärfte hygienische Vorgaben». Zumindest Gartencenter, Baumärkte und Blumenläden sollen umgehend wieder den Betrieb aufnehmen, verlangen Economiesuisse und der Verband Swiss Retail Federation. Auch die Beschränkungen für Läden mit einem gemischten Sortiment seien «mit Augenmass umgehend zu lockern». 

Geschlossene Läden in Lausanne.

Geschlossene Läden in Lausanne.

Bild: Laurent Gillieron / KEYSTONE

Büros und Betriebe

Unternehmen dürften angehalten werden, weiterhin wo möglich auf Homeoffice zu setzen, auf Geschäftsreisen zu verzichten und Sitzungen virtuell abzuhalten. Für Branchen, in denen die Hygiene- und Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, dürfte der Bundesrat nach wie vor strikte Einschränkungen vorsehen. Auch aus der Baubranche heisst es, man wolle die Hygieneregeln und Empfehlungen der Behörden weiterhin befolgen und die Angestellten darin schulen. Der Gesundheitsschutz sei konsequent einzuhalten, fordern die Gewerkschaften. Laut Travail Suisse müssten Lockerungen «mit Bedacht geschehen und den Schutz der besonders gefährdeten Personen gewährleisten».

Veranstaltungen

Das sind düstere Aussichten: Gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Veranstaltungen dürften in absehbarer Zeit nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder stattfinden – und sofern die bekannten Hygieneregeln eingehalten werden können. Denkbar ist, dass der Bundesrat vorerst wieder eine Personenobergrenze einführt. Wie lange Grossanlässe verboten bleiben, ist offen. Der Chef des Konzertveranstalters Good News gab sich in den Tamedia-Zeitungen wenig optimistisch: «Wir rechnen damit, dass bis zum Ende des Sommers gar keine Konzerte stattfinden können.»

Freizeit und Vereine

Ein leeres Fussballfeld in Yverdon-les-Bains.

Ein leeres Fussballfeld in Yverdon-les-Bains.

Bild: Laurent Gillieron / KEYSTONE

Kein Fussballtraining, keine Konzertprobe: Der Bundesrat hat sämtliche Vereinsaktivitäten untersagt, ebenso den Betrieb von Freizeitanlagen und Sportzentren. Lockerungen sind vorerst dort denkbar, wo die Hygiene- und Abstandsregeln problemlos eingehalten werden können. Das Nachsehen haben körperbetonte Sportarten und vorerst wohl auch Fitnesscenter. Zu den ungefährlichen Disziplinen zählen etwa Tennis und Golf. Die tschechischen Behörden haben die Plätze für Hobbyspieler bereits wieder geöffnet. «An einem Tennisplatz gibt es einen grossen Abstand, drum wird das schon sehr bald wieder möglich sein», erklärte diese Woche auch der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Landesgrenze

Länder wie Deutschland, Österreich und Dänemark machen es vor: Trotz Lockerungen haben sie die an ihren Grenzen eingeführten Kontrollen bereits verlängert. Der grenzüberschreitende Personenverkehr ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Wer nicht dauerhaft in einem Land ansässig ist, darf nur noch aus einem triftigen Grund einreisen – so ist es derzeit auch in der Schweiz. Und so dürfte es wohl noch einige Zeit bleiben. Möglich sind auch anhaltende Einreiseverbote für Infizierte und Kranke. Die Rückkehr zur gewohnten Reisefreiheit in Europa könnte sich über Monate erstrecken.

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