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Schützenhilfe für den Wolf

CVP-Ständeräte wollen auf Druck des Wallis den Wolfsschutz weiter lockern. Nun stösst das Vorhaben überraschend auf starken Widerstand: Jägern, Förstern und Kantonen geht die ganzjährige Jagd auf das Tier zu weit.
Tobias Gafafer
Die Mehrheit der ständerätlichen Umweltkommission will, dass der Wolf künftig ganzjährig gejagt werden darf. (Bild: Benjamin Manser)

Die Mehrheit der ständerätlichen Umweltkommission will, dass der Wolf künftig ganzjährig gejagt werden darf. (Bild: Benjamin Manser)

BERN. Der Wolf soll seinen Schutzstatus verlieren und künftig ganzjährig gejagt werden dürfen. Das verlangt der neue Walliser CVP-Ständerat Beat Rieder in einem Vorstoss, den er von seinem Vorgänger René Imoberdorf übernommen hat. Der Wolf verursache erhebliche Probleme, so Rieder. Hauptleidtragende seien die Bauern, aber immer mehr auch die Jagd und der Tourismus. Die Umweltkommission hatte für das Anliegen des Wallis und anderer Kantone Gehör: Im Februar nahm sie den Vorstoss mit sechs zu vier Stimmen an.

Die bereits ergriffenen Massnahmen für den Herdenschutz, aber auch die Abschüsse von schadenstiftenden Wölfen und bei regional hohen Beständen, reichten nicht aus, konstatierte die Mehrheit. Die Zunahme der Wölfe müsse mit wirkungsvollen Eingriffen gebremst werden. Vergeblich argumentierte eine Minderheit, dass der Wolfsschutz bereits genug gelockert worden sei. Das Vorhaben sei mit der Berner Konvention zum Schutz europäischer Wildtiere und -pflanzen nicht vereinbar. Heute nun entscheidet der Ständerat, ob der Wolf noch stärker ins Visier der Politik geraten soll.

Für Jagdverband der falsche Weg

Im Vorfeld der Debatte wächst der Widerstand gegen die Lockerung – und das von unerwarteter Seite. In einem Brief an Ständeräte, der unserer Zeitung vorliegt, wehrt sich Jagd Schweiz, der Dachverband der Jäger, gegen die Forderung. Es sei der falsche Weg, den Wolf ganzjährig zur Bejagung freizugeben, heisst es im Schreiben des Vorstandes. «Der Vorstoss geht zu weit», sagt Präsident Hanspeter Egli, früherer Direktor der Olma Messen, auf Anfrage. Zwar seien auch Abschüsse nötig, damit die Bestände geschützter Tiere wie des Wolfs und Luchs für die Bevölkerung tragbar bleiben und grössere Schäden verhindert werden. Doch dem obersten Jäger schwebt ein System wie beim Steinwild vor, wo die Kantone die Abschüsse jährlich mit strengen Auflagen regulieren.

Der Verband setzt gemäss Egli auf die Umsetzung der Motion «Zusammenleben von Wolf und Bergbevölkerung» von Ständerat Stefan Engler (CVP/GR) und weiterer Vorstösse, die das Parlament 2014 annahm. Das Bundesamt für Umwelt soll bald einen Vorschlag zur Anpassung des Jagdgesetzes vorlegen. Zudem wurde es im Juli 2015 auf dem Verordnungsweg aktiv: Seither können Jungwölfe im Rudel gejagt werden, wenn sie regelmässig in unmittelbarer Nähe von Siedlungen auftauchen und zu wenig Scheu zeigen. Betroffen ist unter anderem das Rudel im Calanda-Massiv im Gebiet zwischen St. Gallen und Graubünden. Noch bis Ende Monat haben die kantonalen Behörden von Bern eine Abschussbewilligung für zwei Jungwölfe.

Kantone fürchten Schäden

Die Jäger sind mit ihrem Widerstand nicht allein. Der Schweizerische Forstverein, dem 800 Förster und weitere Waldfachleute angehören, rät in einem Brief ebenfalls von einer weiteren Lockerung ab. Der eingeschlagene Weg mit begründeten Abschüssen sei richtig. Grundsätzlich begrüsst der Verein die Ausbreitung des Wolfes in der Schweiz, weil sie einen Beitrag zur Reduktion der hohen Wildbestände leiste. Einzelne Baumarten wie die Weisstanne könnten wegen des Abfressens durch die wachsenden Wildbestände nicht mehr aufwachsen.

Mehr noch: Auch die kantonale Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft warnt vor Rieders Motion. Diese würde mehr Probleme schaffen als lösen, schreibt die Waadtländer Regierungsrätin Jacqueline de Quattro. Eine Annahme würde die Umsetzung des Vorstosses von Stefan Engler torpedieren, in welche die Kantone involviert sind. Könnte der Wolf unbeschränkt abgeschossen werden, bestünden kaum mehr Anreize für den Herdenschutz. Zudem fürchten die Kantone, dass sie voll für den Abschuss und Schäden durch den Wolf verantwortlich wären. Vor allem aber könnten sie schon heute den Abschuss von Einzeltieren bewilligen, die Schäden anrichten.

Umweltministerin Doris Leuthard, die Rieders Vorstoss ablehnt, kann damit auf viel Unterstützung zählen. Die Haltung der Kantone hat im Ständerat einen hohen Stellenwert. Deshalb ist möglich, dass das Walliser Vorhaben heute trotz dem Ja der Umweltkommission scheitert.

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