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Schneider-Schneiter und Amherd: Zwei Frauen, zwei Welten

Die CVP-Bundesratsanwärterinnen Elisabeth Schneider-Schneiter und Viola Amherd verkörpern unterschiedliche Lebensentwürfe
Othmar von Matt
Elisabeth Schneider-Schneiter (links) ist reformiert und Mutter von schulpflichtigen Kindern. Viola Amherd ist katholisch und Single. (Bilder: Keystone)

Elisabeth Schneider-Schneiter (links) ist reformiert und Mutter von schulpflichtigen Kindern. Viola Amherd ist katholisch und Single. (Bilder: Keystone)

Die eine Frau, Elisabeth Schneider-Schneiter (54), ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern, die noch zur Schule gehen. Manuel (16) und Julia (18) besuchen beide das Gymnasium. Die Bauerntochter, die sich zur Juristin ausbilden liess und die Handelskammer beider Basel präsidiert, bringt Familie (und Kinder), Beruf und Politik unter einen Hut. Und die Baselbieter Nationalrätin ist reformiert.

Die andere Frau, Viola Amherd (56), ist seit je Single, hat keine Kinder, lebt mit ihrer Schwester und deren Kind in einem Frauenhaushalt. Sie und ihre Schwester hatten ihre demente Mutter gepflegt. Die Oberwalliser KMU-Tochter - die Eltern führten eine Elektrounternehmung - schafft es ebenso, ihre ungewöhnliche Patchwork-Familie, den Beruf als Anwältin und Notarin und die Politik unter einen Hut zu bringen. Sie ist katholisch.

Schneider-Schneiter und Amherd haben reelle Wahlchancen – und ganz unterschiedliche Lebensentwürfe. Auch wenn sie beide Bundesrats-Kandidatinnen sind für die CVP. Schneider-Schneiter wäre das erste reformierte CVP-Mitglied der Landesregierung überhaupt. Und sie wäre die erste Frau im Bundesrat, die ein noch nicht volljähriges Kind hat. Amherd ihrerseits würde als Bundesrätin Aufsehen erregen, weil sie in einer ungewöhnlichen Frauen-Patchwork-Familie lebt, die auf den ersten Blick gar nicht zur traditionellen Familien-Partei CVP zu passen scheint.

Die Tradition der CVP

Nur auf den ersten Blick allerdings. Die CVP hat eine lange Tradition mit unverheirateten und kinderlosen Frauen, die hohe politische Weihen erlangten. Etwa Josi Meier (1926-2006), 1991 als erste Frau Ständerats-Präsidentin. Oder Judith Stamm (84), Nationalrätin von 1983 bis 1999, Bundesratskandidatin 1986. Und Rosmarie Dormann (71), Nationalrätin von 1987 bis 2003. Was auffällt: Vor allem Meier und Stamm setzten sich, wie Amherd heute, für Jugendschutz und Gleichberechtigung ein. Amherd bezeichnet sich als Feministin.

Dass Meier, Stamm und sie selbst aus dem Kanton Luzern stammten, sei kein Zufall, sagt Dormann. «Hätte ich eine Familie mit Kindern gehabt, wäre ich bestimmt nicht gewählt worden», erzählt sie. «Ich hörte oft im Volk, ‹sie macht jedenfalls keine Familie kaputt›. So dachte man damals noch im Luzernischen.»

Judith Stamm, für viele eine Frauen-Ikone der Schweizer Politik, sagt: «Viola Amherd ist eine von uns. Sie ist eine der starken Frauen, von denen es in der CVP viele gibt.» Stamm lernte die Oberwalliserin kennen, als sie von ihr nach Aproz eingeladen wurde, zum Eringer Kuhkampffinale.

Wenn sie von starken CVP-Frauen spricht, meint Stamm nicht nur ledige und kinderlose Frauen wie sie. Sie erwähnt auch Brigitte Hauser-Süess, seit 30 Jahren Amherds Sparringpartnerin und heute Koordinatorin ihrer Medienanfragen. «Als Präsidentin der CVP-Frauen fädelte sie 1999 von langer Hand ein, dass für die Ersatzwahl von Arnold Koller nur Frauen und für jene von Flavio Cotti nur Männer antraten», erzählt Stamm. «Das war eine Leistung, weil es viel Überzeugungskraft brauchte.» Hauser-Süess war später Kommunikationschefin von Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) und Beraterin von Doris Leuthard.

Stamm denkt auch an Frauen wie die Alt-Nationalrätinnen Ruth Grossenbacher und Rosmarie Zapfl und an Bundesrätin Doris Leuthard. «Die verschiedenen Beispiele von CVP-Frauen in der Politik beweisen, dass die Partei eine grosse Spannbreite hat.»

Dazu gehören auch Frauen wie Elisabeth Schneider-Schneiter, die eine neue CVP verkörpert. «Sie würde die Öffnung der Partei nach aussen dokumentieren», sagt Historiker Urs Altermatt (siehe Interview), der Herausgeber des neuen Bundesrats-Lexikons.

Der unerwartete Anruf

Brigitte Müller-Kaderli, Präsidentin der CVP Baselland, erinnert sich an ihren ersten persönlichen Kontakt mit Schneider-Schneiter, als ob es gestern gewesen wäre. Müller zügelte 2015 vom Aargau ins Baselbiet. Gleichzeitig wagte sie als reformierte Politikerin den Tabubruch: Sie trat aus der EVP aus und schloss sich der katholischen CVP an.

Schon Anfang 2017 fragte die Findungskommission der Kantonalpartei Müller-Kaderli an, ob sie nicht als Präsidentin kandidieren wolle. Sie rang stark mit sich und war nahe an einer Absage, als sie einen Anruf von Schneider-Schneiter erhielt. «Du überlegst dir abzusagen, weil du reformiert bist», sagte die Nationalrätin, und fügte hinzu: «Die Konfession ist bei uns kein Thema mehr. Ich bin selber reformiert.»

Müller-Kaderli war perplex. Schneider-Schneiter habe ihr damit «den Wind aus den Segeln genommen», sagt sie. An der Nationalrätin schätzt sie den «offenen Geist». Schneider-Schneiter habe Energie, sei «kreativ und innovativ». Trage jemand etwas an sie heran, prüfe sie diese Themen sehr genau.

Schneider-Schneiters Grosseltern hatten es aber nicht gerade einfach, als sie als Reformierte ins katholische Hofstetten (SO) zogen. «Meine Grossmutter betrieb neben dem Bauernhof eine Pflanzlandgärtnerei», erzählte sie der «Basler Zeitung». «Die Leute vom Dorf kamen erst nachts, um ihre Setzlinge zu kaufen. Keiner wollte bei den ‹Reformierten› gesehen werden.»

Das ist längst Makulatur. Werde Schneider-Schneiter die erste reformierte CVP-Bundesrätin und die erste Bundesrätin überhaupt mit einem noch nicht volljährigen Jugendlichen, «kann das beides positiv sein für die CVP», sagt Rosmarie Dormann. Und zu einer Bundesrätin Amherd als Single-Frau ohne Kinder sagt sie: «Als Alleinstehende hätte sie die nötige Zeit, ohne dass Jemand deswegen zu kurz kommen müsste.»

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