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Schäfchen-Sujet: SVP-Werber geht juristisch gegen Rechtsextreme in Chemnitz vor

Bei den Demonstrationen in Chemnitz tauchte das Schäfchen-Sujet der SVP auf - auf einem Plakat der «Jungen Nationalisten», der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD. SVP-Werber Alexander Segert will nun juristisch gegen sie vorgehen.
Michel Burtscher
Das Sujet dürfte Schweizern bekannt vorkommen: das SVP-Schäfchen tauchten an der Demonstration rechtsextremer Gruppierungen in Chemnitz auf. (Bild: Filip Singer/EPA, Chemnitz, 27. August 2018)

Das Sujet dürfte Schweizern bekannt vorkommen: das SVP-Schäfchen tauchten an der Demonstration rechtsextremer Gruppierungen in Chemnitz auf. (Bild: Filip Singer/EPA, Chemnitz, 27. August 2018)

Das grosse Transparent ist nicht zu übersehen auf den Bildern zu den Demonstrationen in Chemnitz vom Montag. «Kriminelle Ausländer raus!», steht da in grosser Schrift. Darunter befindet sich eine Illustration mit einem weissen Schaf, das ein schwarzes tritt. Es handelt sich um ein Plakat der «Jungen Nationalisten», der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD.

Schäfchen-Sujet von SVP abgeschaut

Doch das Schäfchen-Sujet haben sie nicht selber erfunden, sondern in der Schweiz abgeschaut, bei der SVP. «Die Rechtsaussen von Chemnitz haben gäbig Kosten gespart», schrieb der Solothurner CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt auf Twitter. Die SVP habe verdankenswerterweise die Grafikarbeit übernommen, so der Politiker.

Im Herbst des Jahres 2007 war es, als die Partei das umstrittene Sujet im Wahlkampf für die nationalen Parlamentswahlen sowie bei der Unterschriftensammlung für die Ausschaffungs-Initiative verwendete.

Entworfen wurde das Plakat von Alexander Segert von der Zürcher PR-Agentur Goal AG. Der gebürtige Deutsche hat keine Freude daran, dass die Schäfchen nun in Chemnitz aufgetaucht sind – und will juristisch gegen dessen Verwendung durch die «Jungen Nationalisten» vorgehen, wie er auf Anfrage bestätigt. «Wir gehen grundsätzlich gegen jede Verletzung der Urheberrechte vor», schreibt Segert, der kürzlich wegen seiner Verbindungen zur AfD Schlagzeilen machte.

SVP-Präsident Rösti schweigt

Und was sagt die SVP dazu, dass das Schäfchen-Motiv nun auch vom NPD-Nachwuchs verwendet wird? Nicht viel. Parteipräsident Albert Rösti will auf Anfrage keine Stellung nehmen. Man äussere sich nicht dazu, da man nichts damit zu tun habe, lässt er über seine Assistentin ausrichten.

Dabei ist es keineswegs das erste Mal, dass die NPD Gefallen zeigt am Schäfchen-Sujet. Die rechtsextreme Partei nutzte es schon vor den Landtagswahlen im Bundesland Hessen im Jahr 2008. Das passte der SVP damals nicht, sie überlegte sich sogar eine Klage – verzichtete am Schluss jedoch darauf. Später wurde das Schäfchenplakat in leicht abgewandelter Form auch von der spanischen Democracia Nacional, der italienischen Lega Nord und der tschechischen Nationalpartei verwendet.

Plakat sorgte international für Schlagzeilen

2007 war die Empörung über das SVP-Plakat noch gross. Der Bundesrat erhielt deswegen gar Post von den Vereinten Nationen. Der Uno-Sonderberichterstatter für Rassismus, Doudou Diène, verlangte den Rückzug des Plakats. Die britische Zeitung «The Independent» fragte auf ihrer Frontseite, ob die Schweiz Europas «Herz der Finsternis» sei. Die «New York Times» schickte eine Korrespondentin nach Schwerzenbach, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Der SVP schadete der Rummel und die Kritik indes nicht. Die Partei heimste 2007 bei den nationalen Wahlen ein Rekordergebnis ein und gewann später auch die Abstimmung über die Ausschaffungsinitiative. Es erstaunt darum nicht, dass sie die Schäfchen auch später wieder verwendete: beim Abstimmungskampf um die Durchsetzungsinitiative, welche die SVP aber deutlich verlor.

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