SBB-Topmanager trifft sich in Luxushotel am Vierwaldstättersee mit Gästen aus Corona-Risikogebiet – ohne Quarantäne

Aus Paris und Wien reisen Bahn-Bosse an den Vierwaldstättersee. Eine Quarantäne ist gemäss Kantonsarzt gar nicht nötig.

Pascal Ritter
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Im idyllischen Hotel Waldstätterhof am Vierwaldstättersee treffen sich die SBB mit Bahn-Managern aus den Risikogebieten Wien und Paris.

Im idyllischen Hotel Waldstätterhof am Vierwaldstättersee treffen sich die SBB mit Bahn-Managern aus den Risikogebieten Wien und Paris.

ZVG

Wer aus Wien oder Paris in die Schweiz reist, muss zehn Tage in Quarantäne. So hat es der Bundesrat entschieden, weil das Coronavirus in diesen Städten grassiert.

Allerdings gilt das nicht in jedem Fall. Es gibt Ausnahmen. Wer für bis zu fünf Tage «beruflich oder medizinisch notwendig und unaufschiebbar veranlasst» in die Schweiz reist, bleibt von der Quarantänepflicht verschont. So steht es in Artikel 4, Absatz 1 der Coronaverordnung zum internationalen Personenverkehr.

Und so kommt es, dass sich die Personalchefs der deutschen, französischen, österreichischen und liechtensteinischen Bahngesellschaften auf Einladung der SBB am Montag in einem Viersternhotel am Vierwaldstättersee einfinden. Die Vertreter der SNCF aus Frankreich und der ÖBB aus Österreich reisen aus Paris und Wien an. Pikant: Beide Metropolen hat die Schweiz als Risikogebiet eingestuft, weil sich dort das Coronavirus in letzter Zeit wieder schneller ausbreitet.

In Wien gab es in der letzten Woche 100 Ansteckungen auf 100'000 Einwohner. In Paris waren es zuletzt sogar mehr als 150.

Keine Videokonferenz wegen «voller Agenda»

Das Fünfländertreffen der Bahnen findet regelmässig statt und verträgt offenbar weder einen Aufschub, noch kann es per Videoschaltung stattfinden. Eine Sprecherin der SBB schreibt auf Anfrage:

«Aufgrund der vollen Agenda des Treffens wäre eine virtuelle Veranstaltung über zweieinhalb Tage weder effizient noch sinnvoll.»

Dass ein Treffen mit Personen aus Risikogebieten heikel ist, hat man aber offenbar auch bei den SBB erkannt. So richteten die Bundesbahnen ein Gesuch um eine Ausnahme von der Quarantänepflicht für die ausländischen Gäste an die Behörden des Kanton Schwyz.

Von dort kam dann die Versicherung: Ein Ausnahmebewilligung ist gar nicht nötig. Dies bestätigt der stellvertretende Schwyzer Kantonsarzt Arthur Vogt auf Anfrage.

Die SBB versichern, dass man sich «selbstverständlich strikte an die behördlichen Vorgaben sowie an das Schutzkonzept des Hotels» halte.

SBB-Personalchef Markus Jordi musste in Quarantäne arbeiten. Jetzt trifft er Gäste aus Wien und Paris.

SBB-Personalchef Markus Jordi musste in Quarantäne arbeiten. Jetzt trifft er Gäste aus Wien und Paris.

Christinestrub.ch / christinestrub.ch

SBB-Personalchef Markus Jordi, der für die SBB an dem Treffen teilnehmen wird, dürfte ohnehin für das Thema sensibilisiert sein. Er arbeitete zehn Tage lang aus der Quarantäne, weil sich eine Person aus seinem Arbeitsumfeld an einem Fest mit Corona angesteckt hatte. Seine Quarantänepflicht ist mittlerweile ausgelaufen.

Unterkunft im Viersternhotel: üblich

Das Viersternhotel am Vierwaldstättersee ist keine schlechte Adresse. Auf der Webseite heisst es:

«Annehmlichkeiten wie Fitnessraum, Sauna und Ruhelandschaft, Kosmetik und Massagen, Seebad, eine 18-Loch-Minigolfanlage und der Indoor-Golfsimulator machen jeden Aufenthalt zum reinen Vergnügen.»

Allerdings dürften eher die Seminarräume und Konferenzsäle den Ausschlag gegeben haben. Das günstigste Zimmer kostet 220 Franken pro Nacht. Bezahlen müssen die Übernachtungen die jeweiligen Bahngesellschaften. Die SBB übernimmt die Kosten der Verpflegung. Das Treffen findet turnusmässig in den teilnehmenden Ländern statt.

Bleibt die Frage, wie sich der Aufenthalt im Viersternhotel mit den wirtschaftlich schwierigen Aussichten für die SBB angesichts der Coronapandemie verträgt. Die Unterkunft in einem zentral gelegenen Seminarhotel sei «üblich», schreibt eine Sprecherin der SBB.

Ebenfalls aus Wien reist der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag für ein Treffen mit Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an. Seine Reise wäre auch von der Verordnung gedeckt. Für Regierungschefs gelten aber ohnehin andere Regeln.

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