SBB-Präsident Gygi verteidigt Regeln für Sitzplatz-Blockierer

BERN. Die SBB wollten nur in «extremen Einzelfällen» gegen Sitzplatz-Blockierer vorgehen, sagt Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi. Im Gegensatz zu Ländern wie Japan seien es sich die Schweizer gewohnt, sich in den Zügen auszubreiten.

Tobias Gafafer
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«In Stosszeiten sollen unsere Kunden vermehrt Sitzplätze freigeben», sagt SBB-Präsident Ulrich Gygi. (Bild: Keystone)

«In Stosszeiten sollen unsere Kunden vermehrt Sitzplätze freigeben», sagt SBB-Präsident Ulrich Gygi. (Bild: Keystone)

Wer mit seinem Gepäck einen Sitz blockiert, soll in SBB-Zügen neu dafür zahlen. Gegenüber unserer Zeitung äussert sich nun erstmals die SBB-Spitze zum umstrittenen Vorgehen. «Wenn der Zug halbleer ist, hat niemand etwas dagegen, wenn man die Tasche auf den Nebensitz legt. Aber in den Stosszeiten sollen unsere Kunden vermehrt darauf achten, dass sie die Sitzplätze für andere Reisende freigeben», sagt SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi im Interview. Dass man in den Zügen entsprechende Kontrollen mache und Tickets für Gepäck verkaufe, werde sich höchstwahrscheinlich «auf extreme Einzelfälle» beschränken.

Gygi verweist zudem auf die japanischen Bahnen, die die SBB unlängst besucht haben. «In Japan gilt es als unanständig, wenn man mehr als seinen Sitz belegt, auch wenn der Zug halbleer ist.»

«Bahnbrechende Vorlage»
Im Gegensatz zu Japan ist mehr Tempo bei den SBB vorerst kein Thema. «Die Fahrzeit auf dem Dreieck Zürich-Bern-Basel soll von heute unter einer Stunde auf unter 45 Minuten sinken, was einer Beschleunigung von 25 Prozent entspricht. Das geschieht aber vermutlich erst um 2050», sagt Gygi weiter. Für die notwendigen Investitionen wollen die SBB mit ihren Bahnhöfen noch mehr Gewinn machen. Die von Verkehrsministerin Doris Leuthard unlängst vorgestellte künftige Bahnfinanzierung bezeichnet Ulrich Gygi als «bahnbrechende Vorlage». Wenn diese durchkomme, «ist das für die Schweiz eine sehr gute Nachricht. Die Chancen stehen gut.»

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