SBB: Pillouds goldener Fallschirm

Jeannine Pilloud, abtretende Chefin des Personenverkehrs, verlässt die Konzernleitung. Dennoch beschäftigen die SBB sie ein Jahr lang zum bisherigen Kaderlohn weiter. Solche Praktiken seien seit der «Abzocker»-Debatte verpönt, sagt ein Salärberater.

Tobias Gafafer
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Jeannine Pilloud hat künftig weniger Verantwortung. (Bild: ky)

Jeannine Pilloud hat künftig weniger Verantwortung. (Bild: ky)

Tobias Gafafer

Für die Öffentlichkeit kam die Ankündigung diese Woche aus heiterem Himmel. Jeannine Pilloud, Leiterin der SBB-Division Personenverkehr, verlässt ihren Posten Ende Jahr. Die Bundesbahnen schaffen für die abtretende Kaderfrau die Stelle der «Delegierten für die ÖV-Branchenentwicklung». Pilloud soll die Ticket- und Tarifgestaltung vereinfachen. Zudem will sie externe Verwaltungsratsmandate suchen und behält ihre Aufgabe als Präsidentin der nationalen Tarifgemeinschaft. Eine Tätigkeit, für die sie bisher etwa ein Pensum von zehn Prozent aufwendete. Pilloud gehört künftig nicht mehr zur Konzernleitung und hat viel weniger Verantwortung.

Mit finanziellen Einbussen muss die Managerin vorderhand aber nicht rechnen. Die SBB beschäftigen sie ein Jahr lang zum selben Lohn weiter, wie Recherchen zeigen. Dies bestätigt Jürg Grob, Leiter der Medienstelle. «Die Kündigungsfrist für Mitglieder der Konzernleitung beträgt 12 Monate», sagt er. Während dieser Frist habe Pilloud nach ihrem Wechsel Anrecht auf das bisherige Salär. Danach tritt der Anschlussvertrag in Kraft. Details nennen die SBB nicht, das Salär soll aber die deutlich reduzierten Führungsaufgaben berücksichtigen. Sollte Pilloud Verwaltungsratsmandate annehmen, würden die Bezüge den SBB zur Verfügung gestellt oder der Beschäftigungsgrad reduziert, sagt Grob.

Kein Einzelfall bei den SBB

Als Leiterin des Personenverkehrs führte Pilloud die wichtigste Division und war für über 10000 Mitarbeitende verantwortlich. Gemäss informierten Quellen kam sie pro Jahr auf einen Lohn von etwa 600000 bis 700000 Franken, je nach der Höhe des Bonus. Offiziell legen die SBB nur die Entschädigungen für die gesamte Konzernleitung offen. 2016 beliefen sich diese auf 5,8 Millionen Franken. Pilloud ist kein Einzelfall. Die SBB gelten als grosszügiger Arbeitgeber. Unserer Zeitung sind mehrere Fälle von Ex-Topkadern bekannt, die nach einer Rückstufung ruhiggestellt wurden, indem sie ein Jahr oder länger ihren bisherigen Lohn erhielten. Ein früherer Chef des Fernverkehrs etwa wird noch heute in einer Stabsfunktion weiterbeschäftigt.

Als Unternehmen des Service public stehen die SBB besonders im Rampenlicht. Das Vergütungssystem stösst auf Kritik. Eine Kündigungsfrist von einem Jahr für Führungskräfte sei heute in der Regel eher unüblich, sagt der Salärberater Urs Klingler. «Dies wirkt wie eine garantierte Zahlung, wenn jemand entlassen wird oder wenn man sich trennt.» Im Zuge der «Abzocker»-Debatte seien solche Praktiken unter Druck gekommen. Als üblich gelte mittlerweile eine Kündigungsfrist von sechs Monaten.

Nationalrätin Edith Graf-Litscher (SP/TG), Präsidentin der Verkehrskommission und Bahngewerkschafterin, kritisiert den goldenen Fallschirm ebenfalls. Es könne nicht sein, dass ein bundeseigenes Unternehmen Kaderangestellte besser als das Personal behandle, sagt sie. «Wenn wieder Stellen abgebaut werden und Reorganisationen anstehen, versteht das niemand.» Nur bei drastischen Lohnunterschieden wäre es vertretbar, ein Jahr lang den bisherigen Lohn zu zahlen. Die SBB verweisen auf die Bestimmungen in den Arbeitsverträgen. Dem Vernehmen nach wollen sie 2018 aber ihre Vergütungssysteme grundsätzlich überprüfen.

Als Divisionschefin hinterlässt Pilloud eine eher magere Bilanz. Die SBB-App ist zwar hervorragend. Doch bei den Vertriebssystemen lief wenig. Im Gegensatz zum machtbewussten, aber stets kontrollierten Konzernchef Andreas Meyer war Pilloud sprunghaft. Immer wieder fiel sie mit Ideen auf, die nie verwirklicht wurden. Eine Ausnahme sind die Tapeten in den Toiletten der IC-Doppelstockzüge. Die Wölkchen und Landschaften sollen helfen, diese sauber zu halten.

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