SBB kommen Schulen entgegen

Der oberste Schweizer Lehrer hat in einem Brief an SBB-Chef Andreas Meyer tiefere ­Preise für Schulklassen gefordert. Die SBB reagieren mit einer Gutscheinaktion. Weitere Massnahmen sollen folgen.

Maja Briner
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Bald beginnt die Schulreisezeit, und Zehntausende Schülerinnen und Schüler steigen in Zug, Bus oder aufs Schiff. Dieses Jahr profitieren einige Klassen von einer Sonderaktion: Die SBB verschicken heute Freitag einen Gutschein an 5000 Deutschschweizer Lehrerinnen und Lehrer, wie ein SBB-Sprecher bestätigt.

Sie erhalten 150 Franken Rabatt auf bestimmte Angebote für Schulen sowie auf Gruppenbillette für eine Fahrt in ein Nachbarland. Die Gutscheine gehen laut SBB an Lehrpersonen, die in den vergangenen zwei Jahren eine Gruppenreise gebucht haben und an einer Sekundarschule, einem Gymnasium, einer Berufsschule, einer Hochschule oder einer Universität tätig sind.

Es handle sich um eine Mar­ketingaktion, wie sie die SBB regelmässig für unterschiedliche Kundengruppen durchführten, schreibt SBB-Sprecher Raffael Hirt. Er fügt an: «Wir reagieren damit aber auch ein wenig auf die aktuelle Lage bei den Schulreisen.» Im Mai gingen weniger Buchungen durch Schulklassen ein als im Vorjahr. Die SBB führen dies unter anderem auf das schlechte Wetter zurück.

Oberster Lehrer interveniert bei SBB-Chef

Die Aktion der SBB dürfte indes noch einen anderen Hintergrund haben: Der Deutschschweizer Lehrerverband LCH macht Druck auf die SBB, die Preise für Schulklassen zu senken. Präsident Beat W. Zemp hat SBB-Chef Andreas Meyer deswegen einen Brief geschrieben. «Die Preispolitik der SBB führt dazu, dass immer mehr Lehrer und Lehrerinnen auf Car-Betriebe ausweichen», sagt Zemp. «Das ist ein Problem.» Darauf habe er im Brief an die SBB hingewiesen.

Die Gutscheinaktion begrüsst Zemp; er spricht von einer «Goodwill-Kampagne». Seiner Ansicht nach braucht es aber mehr. «Bildung ist eine öffentliche Aufgabe wie das Militär», sagt er. Deshalb seien günstigere Tarife angebracht. Der Gruppenrabatt reiche nicht aus, kritisierte der Lehrerpräsident bereits Anfang Jahr in dieser Zeitung.

«Es darf nicht sein, dass sich Schulklassen nur wegen des Preises gegen den ÖV entscheiden», sagt Zemp. Es gebe Schülerinnen und Schüler, die privat nie Zug fahren würden. «Es gehört daher dazu, dass man in der Schule auch einmal den ÖV nutzt.»

Zemp sagt, Auslöser seiner Intervention bei den SBB seien Rückmeldungen gewesen, die er unter anderem von Lehrpersonen und Schulleitungen erhalten habe. Eine Rolle gespielt habe auch ein Bundesgerichtsurteil, das die Elternbeiträge begrenzte. An der Präsidentenkonferenz des LCH vergangenen November wurde schliesslich entschieden, dass Zemp bei den SBB intervenieren soll – auch im Namen anderer Verbände wie der Westschweizer Lehrer-Gewerkschaft SER.

SBB prüfen neue Angebote

Die SBB bestätigen den Briefwechsel mit dem Lehrerverband. In ihrer Antwort wiesen sie auf bestehende Angebote hin, etwa auf die «GoSnow»-Initiative für Wintersportlager. Die SBB kündigten aber auch an, den Schulen entgegenzukommen: «Wir prüfen momentan, wie wir das Angebot für Schulen noch weiter ausbauen können – insbesondere mit Anreizen für Reisen in schwach ausgelasteten Zügen», so Sprecher Hirt. Das Angebot solle ähnlich funktionieren wie Spartageskarten und -billette. «Diesbezüglich werden wir uns im Sommer nochmals beim Lehrerverband melden», versprechen die SBB.

Bei Lehrerpräsident Zemp kam die Antwort offenbar gut an. Er sei bei den SBB auf Verständnis gestossen, sagt er: «Die SBB haben gut reagiert und das Problem anerkannt. Nun warten wir auf die Kommunikation der Massnahmen.»

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