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SBB-Jobwunder wirft Fragen auf

Die SBB stellten in den letzten Jahren über 4000 neue Mitarbeitende an. Das Zugspersonal nahm nur leicht zu, während die Verwaltung immer mehr Stellen zählt. Verkehrspolitiker und der SBB-Präsident sind besorgt.
Tobias Gafafer
Mehr Mitarbeitende brauchen mehr Arbeitsplätze: 2014 eröffneten die SBB ihren neuen Hauptsitz in Bern Wankdorf. (Bild: ky/Christian Beutler)

Mehr Mitarbeitende brauchen mehr Arbeitsplätze: 2014 eröffneten die SBB ihren neuen Hauptsitz in Bern Wankdorf. (Bild: ky/Christian Beutler)

Die SBB erhöhten ihren Personalbestand 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 1753 Stellen. Die bisher kaum beachtete Zahl steht im Kleingedruckten des jüngsten Geschäftsberichts. Ein Grund war die Reintegration der Berufsbildung mit den Lernenden. Doch das eindrückliche Stellenwachstum ist keine Ausnahme. Im Gegenteil: Seit Bahnchef Andreas Meyer 2007 seinen Posten übernahm, ging die Entwicklung nach oben. In den letzten zehn Jahren zählten die SBB insgesamt 4400 Vollzeitstellen mehr – ein Plus von 15 Prozent.

Der Trend ist bemerkenswert: Nach dem Höchststand von über 42 000 Angestellten 1965, kurz vor dem Ende der personalintensiven Dampflok-Ära, bauten die SBB den Bestand sukzessive ab. Bis zur Umwandlung in die Aktiengesellschaft 1999 sank er auf unter 30 000. Unter Meyers Vorgänger Benedikt Weibel reduzierten die SBB den Bestand weiter auf 27 933 Mitarbeitende – und das, obwohl 2004 mit der Inbetriebnahme von Bahn 2000 der grösste Angebotsausbau seit Jahrzehnten erfolgte.

Selbst Gewerkschaft überrascht

Pikant: Besonders stark war das Stellenwachstum im Konzernbereich. Dazu zählen die zentralen Dienste der Verwaltung mit gutbezahlten Jobs, etwa in den Stäben der 2013 ausgebauten Konzernleitung. Die Zahl der Lokführer und Kondukteure stieg laut SBB-Statistik in den letzten Jahren trotz dichteren Fahrplänen nur leicht an. Im Güterverkehr bauten die SBB gar viel Personal ab. Dafür stockten sie die Infrastruktur auf: Der Aufwand beim Betrieb und Unterhalt, der unter Weibel vernachlässigt worden war, nahm zu.

Das «Jobwunder» hat seinen Preis. Denn mehr Angestellte heisst auch, dass der Betriebsaufwand steigt, zumal das Personal mit Abstand der grösste Kostenfaktor ist. Kommt hinzu, dass die SBB für Infrastruktur und Regionalverkehr Subventionen erhalten – und die Nutzer nur rund die Hälfte der Kosten decken. Das Problem ist offenkundig an der SBB-Spitze angekommen: Es müsse gelingen, den Personalbestand zu senken, sagte Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi unlängst der «Sonntagszeitung». «Sonst laufen die Kosten aus dem Ruder.»

Selbst die Bahngewerkschaft SEV, die sich naturgemäss für das Personal einsetzt, hat das starke Wachstum überrascht, wie Sprecher Peter Moor sagt. Er führt dies teils auf den Mehrbedarf im operativen Bereich und bei der Infrastruktur zurück. «Wir sehen aber auch, dass die Verwaltung stark wächst.» Das sei nicht nur bei den SBB ein Phänomen. Die Anforderungen bei der IT oder der Regulierung durch den Bund seien gestiegen. Zudem bauten die SBB etwa den Bereich E-Business aus.

Abteilungen zentralisiert

Die SBB begründen das Stellenwachstum in der Verwaltung mit der Verschiebung von Funktionen aus den Divisionen in den Konzern. So seien die Finanzen, das Personal und die IT zentralisiert worden, sagt Sprecher Christian Ginsig. Teils handle es sich um Leistungen, die die SBB früher extern eingekauft hätten. Weiter verweist er auf den Mehrbedarf beim Ausbau und Unterhalt der Infrastruktur sowie des Rollmaterials und beim Lokpersonal, weil der Personenverkehr in den letzten Jahren wuchs.

Die SBB wollen den Personalbestand nun über natürliche Fluktuationen reduzieren. Ein differenzierter Einstellungsstop von 2014 soll laut Ginsig seine Wirkung zeigen. Gygi seinerseits will unter anderem die Zahl der Schalter weiter reduzieren.

«Nichts gegen mehr Lokführer»

Verkehrspolitiker sind besorgt. Die SBB sollten die Verwaltung nicht aufblähen, sagt etwa Nationalrat Martin Candinas (CVP/GR). In diesem Bereich sei das Einsparpotenzial zu prüfen und nicht beim Personal an der Kundenfront. Ins selbe Horn stösst Walter Wobmann (SVP/SO): «Niemand hat etwas gegen mehr Lokführer.» Er spricht von einer grundsätzlichen Fehlentwicklung: Der Staat und staatsnahe Branchen schafften konstant mehr Stellen. «Der Trend muss gestoppt werden.»

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