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Nach wochenlanger Kritik: SBB-Chef Andreas Meyer tritt zurück

Zum Bericht der Halbjahreszahlen verkündet SBB-Chef Andreas Meyer nach bald 13 Jahren seinen Rücktritt auf 2020. Der Entscheid habe nichts mit der momentanen Krise der SBB zu tun.
Anna Wanner, Sven Altermatt und Dominic Wirth
Andreas Meyer, CEO der SBB, tritt 2020 zurück.

Andreas Meyer, CEO der SBB, tritt 2020 zurück.

Die SBB hat heute zu einer Medienkonferenz über die Halbjahreszahlen eingeladen. Der 58-jährige CEO Andreas Meyer nutzte den Moment, um seinen Rücktritt auf spätestens Ende 2020 zu erklären.

Meyer musste in den letzten Wochen viel Kritik einstecken. Die Verspätungen häufen sich, es fehlen Lokführer, bei der Beschaffung neuer Züge läuft vieles schief. Und zuletzt führten mangelhafte Unterhaltsarbeiten sogar zu einem Todesfall.

Rücktritt war offenbar schon länger klar

Meyer erklärte an der Pressekonferenz, dass er den Rücktritts-Entscheid bereits im Mai mit dem Verwaltungsrat vereinbart hatte. «Der Zeitpunkt für die Ankündigung meines Rücktritts wurde mit dem Verwaltungsrat frühzeitig festgelegt und entspricht meiner Intention, vor dem 60. Altersjahr eine neue berufliche Phase einzuleiten.» Es handle sich für ihn um einen sehr emotionalen Moment.

Trotz der sich häufenden Kritik sei der Zeitpunkt richtig für einen Wechsel. Der Strategieprozess 2020 sei abgeschlossen und im Management folge nun eine jüngere Generation. Meyer sagte auch, dass der Entscheid nichts mit den aktuellen Problemen zu tun habe. Und:

«Ich übernehme bis zum Rücktritt die volle Verantwortung und gehe die aktuellen Herausforderungen mit hoher Priorität an.»

Überhaupt sei bei der SBB immer etwas los. «Das wird auch in den nächsten Monaten so sein. Deshalb haben wir am Zeitpunkt des Rücktritts festgehalten.»

Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar nahm Meyer aus der Schusslinie. Sie bedauere seinen Rücktritt. Der Wechsel sei das Resultat einer langfristigen Nachfolgeplanung: «Die heutige Ankündigung hat nichts mit den Ereignissen der letzten Woche zu tun.»

Vertrauen der Politik schwindet

Zumindest in der Politik häufte sich zuletzt die Kritik an der SBB-Führungsriege. An einem Point de Presse Anfang Woche äusserte sich die nationalrätliche Verkehrskommission: «Das SBB-Management muss nun endlich seine Hausaufgaben machen», sagte Präsidentin Edith Graf-Litscher (SP/TG). Die Kommission hatte am Montag CEO Andreas Meyer und Personenverkehrsleiter Toni Häne angehört. Diese konnten die Zweifel offenbar nicht zerstreuen. Graf-Litscher sagte im Nachgang, das Management habe gewisse Bereiche vernachlässigt – namentlich im Unterhalt. Pikant: Die Frage, ob die Kommission noch Vertrauen in die SBB-Leitung habe, wollte Graf-Litscher damals nicht beantworten. Das sei Sache des Verwaltungsrats. Nur so viel sagte sie:

«Die SBB-Spitze muss ihre Aufgaben besser wahrnehmen. Sie kann nicht nur hohe Saläre bezahlen.»

Auch zu dieser Kritik äusserte sich Monika Ribar und stärkte dem CEO den Rücken. Es sei eine anspruchsvolle Situation, welche das Management zu bewältigen haben. «Die getroffenen Massnahmen sind zielführend und werden mit grossem Engagement und Verantwortungsgefühl angegangen», sagte Ribar. Auch würdigte sie die Leistungen von Meyer der letzten 13 Jahren: Die vielen Grossprojekte, die er umgesetzt habe. Überhaupt die Aufgabe, das komplexe Konstrukt SBB in ein modernes Service-Public-Unternehmen umzuwandeln.

FV-Dosto fehlt an allen Ecken und Enden

Gleichwohl verschwieg Ribar nicht: «Wir sind uns der aktuellen Probleme bewusst.» Das grosse Thema sei der neue Zug FV-Dosto. «Der fehlt uns an allen Ecken und Enden.» Dazu gebe es noch viele offene Fragen, so Ribar. «Da wollen wir nun antworten. Nur Taten stellen das Vertrauen in die Bundesbahnen wieder her.» Um gleich darauf nachzuschieben, dass der Verwaltungsrat dem CEO und der gesamten Konzernleitung volles Vertrauen schenke.

Im Managements kommt es zu einem Generationenwechsel

Nicht nur Andreas Meyer kündigte heute Morgen seinen Rücktritt auf Ende 2020 an. Auch der Personenverkehrsleiter Toni Häne geht übernächstes Jahr definitiv in Pension. Wann genau Meyer seinen Sessel räumt, hängt vom Suchprozess um einen Nachfolger ab.

Laut Ribar ist das Anforderungsprofil sehr «offen»: Die Person müsse ein grosses Unternehmen führen können, aber gleichzeitig eine hohe Affinität zur Politik haben. Ribar ist sich aber bewusst: «Die Eierlegende Wollmilchsau werden wir nicht finden.» Für eine Frauenkandidatur zeigte sie sich sehr offen.

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