Ruppen macht Wahlkampf total

Vor vier Jahren verpasste er relativ knapp das Ticket nach Bern ins eidgenössische Parlament, diesmal könnte es klappen: Franz Ruppen greift mit der Oberwalliser SVP nach der Herrschaft über das C und nach dem Nationalratssitz der CVP.

Denise Lachat
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Bild: denise lachat

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naters. «Wahrscheinlich habe ich heute etwas kleine Augen», sagt Franz Ruppen halb entschuldigend, halb stolz, als wir ihn im alten Dorfkern von Naters fotografieren. Einmal mehr ist der 40-Jährige erst in den frühen Morgenstunden ins Bett gekrochen, um halb sechs, um genau zu sein.

Regelmässig vier Uhr in der Früh

Vier Uhr in der Früh wird es bei dem selbständigen Anwalt fast jeden Tag, seit er sich im Jahr 2004 der Politik verschrieben hat. Mit nur wenigen Stimmen Vorsprung, aber schon im ersten Anlauf, wurde der Politneuling für die SVP in die Exekutive seiner Wohngemeinde gewählt.

In Naters gab es damals noch keine Ortspartei, und Ruppen hatte zwar ein dichtes Beziehungsnetz, aber keine Ahnung, wie man einen Wahlkampf führt. Er habe auf dem Sekretariat der SVP Schweiz angerufen und um ein paar Prospekte gebeten, seine Kampagne habe er selbst bezahlt.

Kaum ein Privatleben

Inzwischen sind die Kontakte zur Mutterpartei intensiv, wie er sagt, und Ruppen ist nicht nur Gemeinderat, sondern auch Kantonsrat, Fraktionschef und Präsident der SVP Oberwallis geworden. Relativ knapp verpasste er vor vier Jahren eine Wahl in den Nationalrat.

Als Folge des politischen Engagements tendiert Ruppens Privatleben «gegen Null», dafür soll diesmal der Sprung ins Bundeshaus gelingen. Direkt im Visier ist der Sitz von CVP-Mann Roberto Schmidt, der sich in Bern als «Vater» des Atomausstiegs empfohlen hat. Allerdings erzählt die SVP den Wallisern gerne weiter, dass Schmidts Motion aus der Feder eines SP-Nationalrats stammt, und seit Schmidt offen seine Ambitionen für den Regierungsrat geäussert hat, hängt innerhalb der CVP Oberwallis der Haussegen schief ; der amtierende CVP-Vertreter Jean-Michel Cina hat nämlich vor, noch eine weitere Amtszeit zu bleiben. Optimistisch, die CVP-Dominanz zu brechen, ist Ruppen so oder so. Die SVP vertrete die Oberwalliser Bevölkerung viel besser als die CVP, meint er selbstbewusst. Die Minarett-Initiative der SVP habe im Oberwallis 65 Prozent Ja-Stimmen geholt, die Ausschaffungs-Initiative ebenfalls 60 Prozent.

Konservative Gesinnung

Auf die «konservative Gesinnung» der Oberwalliser setzte Ruppen bereits einmal erfolgreich. Als der Staldener Lehrer Valentin Abgottspon entlassen wurde, weil er das Kruzifix aus seinem Klassenzimmer entfernt hatte, reagierte Katholik Ruppen flugs mit einem Postulat. Das «Symbol christlich-abendländischer Kultur» solle für alle Walliser Schulzimmer obligatorisch sein, verlangte er. Das Walliser Parlament lehnte das Anliegen ab, aus der Bevölkerung aber erhielt Ruppen massenweise Applaus, wie er betont. Auf dem CVP-Terrain grast der SVPler umso leichter, als die C-Partei selbst das Kruzifix-Obligatorium bekämpfte – wohl wissend, dass es die Bundesverfassung ritzt. «Das hat die CVP-Basis nicht verstanden», ist Ruppen überzeugt. Er sagt es ohne grosse Geste und lässt sich auch keine Schadenfreude anmerken: Von der provokativen Art des bisher einzigen Walliser SVP-Nationalrats, Oskar Freysinger, ist der bedächtigere Ruppen weit entfernt.

Publizität garantiert

Hingegen nutzt er, strategisch geschickt, dessen Bekanntheitsgrad und kandidiert gemeinsam mit Freysinger für den Ständerat. Dass es für das «Stöckli» nicht reichen wird, ist Ruppen zwar klar, doch die Publizität kommt für den Nationalrats-Wahlkampf gelegen. Rabiat, die Ausländerpolitik der SVP? Ruppen blickt hinter den runden Brillengläsern erstaunt von seinem Teller mit der Walliser Käseschnitte auf und verteidigt sich. Die Europapolitik habe ihn zur SVP gebracht, nicht die Ausländerpolitik.

Stramm auf Linie

Mit den Initiativen und den entsprechenden Plakaten seiner Partei hat er aber keine Mühe, auch nicht mit dem jüngsten Stiefelplakat gegen die «Masseneinwanderung». Seinen Wahlkampf führt der freundlich auftretende Ruppen stramm auf der Linie der Mutterpartei. Ein Ausscheren erlaubt er sich nur bei den Wasserzinsen. Diese würde er im Kantonsinteresse gerne erhöhen.

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