Ruhe vor dem Sturm

Nun stehen die Spielregeln zur schwierigen Konzentration der Spitzenmedizin auf Uni- und Zentrumsspitäler fest. Die Kantone wollen damit einen Eclat wie beim ersten Anlauf vermeiden.

Christof Forster/Bern
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Spitzenmedizin: Die Spitäler werden sich nichts schenken. (Bild: Laif/Stephan Elleringmann)

Spitzenmedizin: Die Spitäler werden sich nichts schenken. (Bild: Laif/Stephan Elleringmann)

Seit über zehn Jahren fordern Gesundheitsdirektoren mehr Konzentration in der Spitzenmedizin. Dafür sprechen medizinische Gründe: Weil schwierige Eingriffe Routine erfordern, braucht es für eine qualitativ gute Versorgung eine Mindestzahl an Fällen. Zur Spitzenmedizin zählen beispielsweise Transplantationen sowie Herz-, Gefäss- und Neurochirurgie. Zudem ist es schlicht zu teuer, wenn jedes Universitätsspital und diverse Zentrumsspitäler eine breite Palette an spitzenmedizinischen Leistungen anbieten. Soweit die unbestrittenen grundsätzlichen Überlegungen.

Dieners Widerstand

Die Probleme beginnen bei der Umsetzung. Bis anhin ist die Konzentration an den unterschiedlichen Interessen der Kantone gescheitert. Die Zürcher Regierung wollte die Spitzenmedizin schweizweit an zwei Zentren konzentrieren: am Zürcher Universitätsspital und an einem Unispital in der Westschweiz.

Dem hielten Bern und Basel die Netzwerkstrategie entgegen: ein Verbund von Zentren, die sich jeweils auf bestimmte Bereiche der hochspezialisierten Medizin konzentrieren. Den ersten Anlauf der Kantone zur Konzentration liess die damalige Zürcher Gesundheitsdirektorin Verena Diener nach anfänglich konzilianter Haltung 2005 scheitern, weil sie nicht hinnehmen wollte, dass das Zürcher Unispital keine prestigeträchtigen Herztransplantationen mehr durchführen sollte.

Vergangenes Jahr machten die Gesundheitsdirektoren einen neuen Anlauf. Dieners Nachfolger Thomas Heiniger (FDP) zeigte sich kompromissbereiter. In Zürich hat man begriffen, dass eine Konzentration auf zwei Zentren politisch nicht machbar ist. So weichten sich die Fronten auf. Die Gesundheitsdirektoren einigten sich auf die Netzwerkstrategie.

Je nach Disziplin bedeutet Konzentration etwas anderes: Das können noch zwei bis drei Standorte sein wie faktisch heute schon bei den schweren Verbrennungen. Bei höheren Fallzahlen, wie bei Nierentransplantationen, sind auch fünf oder mehr Standorte denkbar.

Ab 2009 geht der Kampf los

Auch wenn Zürich von seiner ursprünglichen Zwei-Zentren-Strategie abrückte, dürfte der Kanton im Konzentrationsprozess nicht zu den Verlierern gehören. Der Zürcher Gesundheitsdirektor prägte die Vereinbarung mit. Für Heiniger entscheidend ist die starke Stellung des aus unabhängigen Experten bestehenden Fachorgans, das dem politischen Beschlussorgan gegenübergestellt ist. Dies ist für Zürich eine gewisse Garantie, dass die Zuteilung von spitzenmedizinischen Leistungen nicht bloss aufgrund politischer Interessen erfolgt. Der Kanton sieht sich nämlich in einer guten Ausgangslage, weil er laut Heiniger in allen Disziplinen zuvorderst mitspielen kann und über das grösste Spital mit dem grössten Einzugsgebiet verfügt.

Die Vereinbarung dürfte 2009, nach der Ratifizierung durch die einzelnen Kantonsparlamente, in Kraft treten. Dann beginnen auch die konkreten Planungsarbeiten. In der Zwischenzeit versuchen die fünf Unispitäler Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich sowie grosse Kantonsspitäler wie St. Gallen, Aarau oder Luzern sich für den Verteilkampf gute Ausgangspositionen zu verschaffen. Denn eines ist klar: Auch unter dem neuen Regime werden sich die Spitäler nichts schenken.

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